Christa Vogt hat am kommenden Mittwoch ihren letzten Arbeitstag als Klavierlehrerin und Leiterin der Grenchner Musikschule. Bereits in ihrer Kindheit war die Grenchnerin mit der Musikschule verwurzelt, denn sie war dort jahrelang Geigenschülerin. Als Klavierlehrerin arbeitete sie seit ihrem 25. Lebensjahr, an der Spitze der Musikschule stand sie fast 20 Jahre.

«Als der ehemalige Leiter Valentino Ragni 1999 pensioniert wurde, wurde vom Kollegium der Wunsch geäussert, die Leitung intern zu vergeben, ursprünglich war eine Co-Leitung geplant, was sich dann aber nicht als realistisch herausstellte», erinnert sich Vogt zurück. Sie selbst sei damals mit Anfang 30 von ihrem eigenen Mut überrascht gewesen, sich für diese Stelle zu bewerben.

Sehr positive Gesamtbilanz

Die Gesamtbilanz über all die Jahre ist für Vogt sehr positiv. «Ich bin dankbar, dass ich dieses Amt ausüben durfte, es waren schöne Jahre, eine schöne Aufgabe», hält sie fest. «Natürlich gibt es immer Auseinandersetzungen, bei denen man sich nicht einig ist, das gehört dazu. Immerzu wurden wir von der Stadt, von den Schulen unterstützt. Die Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung war immer sehr gut, das schätze ich sehr.»

Eine der besonderen Herausforderungen als Leiterin der Musikschule sei es, gute Lehrpersonen zu finden. «Mir war es immer wichtig, gutes Personal anzustellen, dieses zu finden, war nicht einfach. Eine Lehrperson an einer Musikschule muss hohe Anforderungen erfüllen: Er oder sie muss fachlich kompetent, teamfähig und pädagogisch geeignet sein. Die Lehrperson muss genauso mit Kindern ab dem fünften Lebensjahr wie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen pädagogisch einwandfrei umgehen können.»

Ein weiteres Anliegen war ihr, Rückhalt vom Kollegium zu haben, was stets vorhanden war. «Es wurde immer gut zusammengearbeitet, es ist ein harmonierendes Team.»

Stundenpläne wurden voller

Verändert in diesen neunzehn Jahren, in denen sie die Schule leitete, habe sich die Belastung der Kinder und der Familie. «Die Stundenpläne sind voller und die Familienverhältnisse schwieriger geworden, sodass es oft für die Familie mit Schwierigkeiten verbunden ist, noch einen weiteren Termin – also die Musiklektion – zu stemmen. Das ist die Hauptschwierigkeit heute.» Auch sei die Zahl der Bläser stark gesunken. Dafür sei die Anzahl Schülerinnen und Schüler gestiegen, die ein Streichinstrument erlernen.

Andreas Moser als Nachfolger zu gewinnen, sei ihrer Ansicht nach ein Glücksfall. Vogt: «Er ist dieses Jahr als Saxofonlehrer angestellt worden. Als ich mich vor den Sommerferien für den Rücktritt entschied, war dem Kollegium wiederum wichtig, die Stelle intern zu vergeben.»

Das Alltägliche als das Aussergewöhnliche

Was Vogt an ihrer Aufgabe als Klavierlehrerin fasziniert habe, sei das Aussergewöhnliche am Alltäglichen. «Man arbeitet mit einem Kind und geht mit ihm einen intensiven Prozess durch, man sieht seine ganze Entwicklung, vom Kind zum Primarschüler, zum jungen Erwachsenen. Es ist etwas Wertvolles und Schönes, diese Entwicklung begleiten zu dürfen.» Es sei sehr wichtig, dass ein Mensch sich ganzheitlich finden könne. Dafür gebe es verschiedene Ausdrucksformen. «Eine gute Möglichkeit dafür ist, ein Musikinstrument zu lernen», hält Vogt fest.

Anfang 2019 wird sie den Leitungsposten der Musikschule der Luzerner Gemeinde Meggen antreten. Seit 1995 arbeitet sie zudem als Klavierlehrerin an der Kantonsschule Beromünster, die Stelle behält sie. Teilzeitstellen sind für Musiklehrpersonen die Norm. «Die Leitungsstelle der Musikschule Grenchen entspricht einem Pensum von 23 Prozent. Die Pensen der Musiklehrpersonen sind oft klein, entsprechend hat man mehrere Stellen gleichzeitig.»

In Luzern Theologie studiert

Als sie nach Luzern zog, dachte sie, nur zwei Jahre zu bleiben, doch es kam anders. Inzwischen hat sie in Luzern Theologie studiert und macht die Ausbildung zur Gymnasiallehrerin. «Neben Musik interessiert mich die Religion sehr. Gerne möchte ich auch Religionskunde unterrichten», so Vogt. Schon längere Zeit hat sie gemerkt, sich beruflich auf einen Ort konzentrieren zu wollen. Doch habe sie die Entscheidung immer herausgeschoben, da sie sowohl im Luzernischen als auch in Grenchen sehr gern arbeitete.

«Es war entsprechend eine sehr schwierige Entscheidung, ich gehe mit mehr als nur einem weinenden Auge.» Das Pendeln sei ihr aber zu viel geworden. «Jetzt kann ich mit dem Velo zur Arbeit», freut sie sich. Mit Grenchen bleibt sie weiter sehr verbunden. «Es bestehen sehr viele Brücken zu Grenchen, hier habe ich so viel erlebt, meine Familie und viele Freunde leben hier. Ich werde also regelmässig in Grenchen zu Besuch sein.»