Dorfmuseum Turm Leuzigen

Von Hänis oder Britschelers, den unbekannten Bekannten

Susanna Kaiser, Ehrengast Gaston Häni und Peter Guntern.

Susanna Kaiser, Ehrengast Gaston Häni und Peter Guntern.

Die neue Ausstellung im Dorfmuseum Turm Leuzigen widmet sich den bekannten Dorfnamen und zeigt, dass dahinter zum Teil berühmte Leute und unbekannte Bekannte stecken.

«Eh, weisch – die kennsch doch?» Der Titel der neuen Ausstellung im Dorfmuseum Turm in Leuzigen spricht die Besucher direkt an. Denn jeder kennt jemanden, der zumindest jemanden kennt, der in der Ausstellung vorkommt. Die Ausstellung widmet sich bekannten Dorfnamen, berühmten Leuten mit Wurzeln in Leuzigen sowie unbekannten Bekannten. Sie porträtiert Leuziger Familien und Familiendynastien, die schweizweit oder auch weltweit Berühmtheit erlangten.

Weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannt

Schriftliche Dokumente, Bilder, Kunstwerke, Erfindungen, Ausrüstungen, Kleider, Bild- oder Tonaufnahmen erzählen die Geschichten der Familien. Zum Beispiel der Familie Häni der Zirkusdynastie «Cirque Bernois» mit bekanntem Clown Gaston; oder der Familie Kaiser genannt «Britscheler», die Verbindungen zu Chocolat Villars hat; oder der Familie Affolter, zu der der berühmte Fussball-Goalie Martin Affolter zählt. Auch unrühmlichere Geschichten, wie jene von Anny Klawa, erzählt die Ausstellung. Als «Mutter» der schweizerischen Arbeiterinnen und Frauenrechtlerinnen, als Klassenkämpferin und Gewerkschafterin, wehrte sie sich gegen Ungerechtigkeiten in Fabriken und der Gesellschaft. Dabei kam es – auch in Leuzigen  – zum Teil zu unschönen Szenen.

Die Ausstellung ist vielschichtig. Sie ist nach Themen, also nach den Familien, aufgebaut. Die Besucher können beliebig tief eintauchen. Die Ausstellung einfach einmal besichtigen, dauert etwa 30 Minuten. «Aber aufgepasst, die Gefahr besteht, dass es ihnen den Ärmel reinzieht», warnte Peter Guntern an der Vernissage. Zusammen mit Susanna Kaiser hat er die Ausstellung recherchiert und gestaltet. «Wer zu einem Thema noch mehr wissen will und ein rotes Herz entdeckt, findet unter dem Tisch weitere Informationen dazu.»

Zudem dürfen Gegenstände, die mit kleinen Händen markiert sind, explizit angefasst werden. Zum Beispiel Schubladen, in denen sich etwas verbirgt, oder Spiele, die ausprobiert werden können. «Die kleinen Füsse zeigen an, dass es hier etwas zu erforschen gibt», erklärte Guntern weiter. «Hier ist die Detektivarbeit der Besucher gefragt.»

Macher mussten Detektivarbeit leisten

Detektivarbeit haben auch Susanna Kaiser und Peter Guntern leisten müssen, um an die Informationen und Leihgaben für die Ausstellung zu kommen, um die Stammbäume zu rekonstruieren, um Dokumente aufzutreiben. Dabei war ihnen der pensionierte Lehrer Arnold Bader eine grosse Hilfe. Der Leuziger Lokalhistoriker ist Gründungsmitglied des Vereins für Heimatpflege Leuzigen und hat seine Sammlung für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Bader schrieb selber zahlreiche Artikel und Lebensläufe über Jubilare, sammelte Zeitungsartikel über Geschehnisse und Personen aus Leuzigen sowie Dokumente von Dorfbewohnern. Zugleich ist er als Person Teil der Ausstellung, seine Dokumente rund um und im Sekretär symbolisieren Baders Arbeit.

Ein antiker Sekretär mit Kästen voller Dokumente.

Ein antiker Sekretär mit Kästen voller Dokumente.

In der Vitrine gegenüber sind Holzspiele ausgestellt – erfunden von Jost Häny. Einige davon sind produziert und verkauft worden, andere blieben Prototypen. Im hinteren Bereich des Museums hängt ein Fallschirm an der Decke. Er gehört Karin Schwab, sie war erfolgreiche Freestyle-Fallschirmspringerin. In dieser Disziplin werden die verrücktesten Figuren in der Luft geflogen und von einem Partner gefilmt – der Fallschirm wird erst ganz spät geöffnet.

Berühmter Clown kam an die Vernissage

An der Vernissage waren auch viele der «Berühmten», die in der Ausstellung porträtiert sind, anwesend. Clown Gaston und sein Onkel Oskar Häni – ebenfalls Zirkusartist – ebenso wie Karin Schwab oder Jost Häny, der bald 100 Jahre alt wird. «Es war nicht ganz einfach, Gaston Häni ausfindig zu machen», erklärte Peter Guntern. Über dessen Lebenspartnerin, von der er in einem Zeitungsartikel gelesen hatte, habe er den berühmten Clown gefunden. «Wir haben auch nicht über alle etwas gefunden», ergänzte Susanna Kaiser. Es gibt Bilder oder Dokumente von Personen, die nicht zugeordnet werden konnten oder von denen lediglich der Name bekannt ist. «So hoffe ich, dass der eine oder andere Besucher sagt: «Eh, dä kenni doch», und die Sammlung noch ergänzt werden kann», so Kaiser.

Hinweis: Öffnungszeiten: jeweils Sonntag, 14.00–16.00 Uhr

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