Grenchen

Von «Drogen und Problemen» an der Schule von anno dazumal

Bezirkschule Bezirksschulhaus Grenchen 1867

Im Jahr 1846 wurde das Schulhaus I eingeweiht, das Rainschulhaus genügte nicht mehr. Ein historischer Text von Rainer W. Walter.

1846 ging man in Grenchen daran, das heutige «gelbe» Schulhaus I einzuweihen. Die Baugeschichte begann aber bereits 1837, als der dritte Lehrer angestellt wurde. Jede Schulklasse zählte damals über 70 Kinder.

Kein Wunder, dass man damals feststellte, dass das bisherige Schulhäuschen nicht mehr genügte, um die Schüler aufzunehmen, und der Gemeinderat überzeugte die Regierung in Solothurn, man möge ihm erlauben, mit dem Erlös aus dem Holzverkauf im Breitholz einen Fonds zum Bau eines Schulhauses zu schaffen.

In einem zweiten Schritt versuchten die Grenchner Behörden, die dritte Schulklasse im Haus unterzubringen, in dem bereits die Feuerwehrspritze stand. Oberlehrer Roth aus Oberdorf war mit diesem Standort nicht einverstanden, und weil sein Wort bei der Regierung galt, musste man sich schweren Herzens daran machen, ein richtiges Schulhaus zu bauen.

1843 beschloss die Gemeindeversammlung mit 93 gegen eine Stimme, das Schulhaus an der heutigen Stelle zu erbauen. An der Gemeindeversammlung nahmen 158 stimmberechtigte Männer teil. Von dieser Stimmbeteiligung kann man heute nur träumen, auch wenn die Zahl der Stimmberechtigten heute mehr als Zwanzigmal grösser ist! Eine Frage bleibt: Weshalb enthielten sich 64 Teilnehmer an der Gemeindeversammlung der Stimme? Fürchteten sie die Fronarbeiten oder wurde befürchtet, die Steuern würden steigen?

Der Neubau wurde von Michael Menth zum fest vereinbarten Preis von 24 000 Franken übernommen. Ein Nachtragskredit von 1000 Franken wurde fällig, weil man sich während des Baus entschloss, steinerne Treppen statt hölzerne einzubauen, die heute noch stehen.

Wie viel Wein verträgt ein Kind?

Bevor man sich zur Einweihung des Schulhauses treffen konnte, diskutierte der Gemeinderat intensiv darüber, ob den Schulkindern bereits Wein ausgeschenkt werden dürfe oder nicht. Nach heftigen Debatten einigte man sich darauf, dass man ihnen 30 Mass Wein (etwa 50 Liter) und Brot verabreichen wolle. Es muss beigefügt werden, dass die drei Klassen zusammen 217 Schülerinnen und Schüler zählten, die sich die gut 50 Liter Wein teilen konnten, womit jedem Kind etwa ein Dreier zugemessen wurde. Damit wird erstmals in der Geschichte der Stadt deutlich, dass es offenbar zur Tagesordnung gehörte, dass vor rund 150 Jahren die Kinder Wein tranken.

In der Festrede von Dr. Josef Girard wandte sich dieser an die bejahrten Grenchnerinnen und Grenchner, erinnerte sie an ihre eigene Schulzeit und fragte: «Denkst du daran, wie Rohheit, Rachelust, ausgelassene Bubenstreiche an der Tagesordnung waren, teils, dass Häuser beschädigt, Fenster eingeschlagen, junge Bäume entwurzelt wurden, teils, dass an Sonn- und Feiertagen fast jedes Mal Raufereien stattfanden, dass fast wöchentlich um die Mitternachtsstunde ein wilder, sogenannter Trossel mit ausgelassenem zotigem Geschrei durchs Dorf zog, woran eine halbe Gemeinde eine köstliche Ergötzung fand?» Es sei wohl «Frucht der Aufklärung» und damit der verbesserten Erziehung, so mutmasste Girard, dass solches wildes Tun der Jugend nun unterbleibe. Aus diesem Grunde rechtfertige sich auch der Bau des neuen Schulhauses.

Ein Schulfest mit weitreichenden Folgen

Im Jahre 1924 fand ein Schulfest statt. Es muss ein riesiger Erfolg gewesen sein. Denn die Organisatoren konnten einen Reingewinn von satten 5000 Franken zur Bank bringen. Mit diesem gründeten sie den «Schülerreisefonds». Dessen Zinsertrag soll, so lautete die Bestimmung, für die Finanzierung von Schulreisen verwendet werden. Frau Fäh-Stotz wies der Stiftung im Jahre 1929 testamentarisch weitere 2000 Franken zu. Das Geld blieb deponiert und warf jährliche Zinsen ab. Im Verlaufe des Jahres 2004 wurden dem Fondsvermögen die Zinsen von 1615 Franken gutgeschrieben, sodass aus dem Reingewinn des Jugendfestes von 1924 und dem Vermächtnis der Frau Fäh von 1929 inzwischen ein stattliches Vermögen von rund 109 000 Franken gewachsen war.

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