Rudolf Käser, Obmann der Vereinigung für Heimatpflege in Büren, gab anlässlich eines Vortrages im Kultur-Historischen Museum spannende Einblicke in das Leben und Wirken des Politikers und Journalisten Karl Mathy, der bekanntlich in Grenchen auch als erster Bezirksschullehrer seine Spuren hinterlassen hat.

Turbulente Zeit

Es sei schon erstaunlich, welche Aufmerksamkeit man einer Person zukommen lasse, der nur wenige Jahre in Grenchen gewirkt habe, erläuterte Rudolf Käser zu Beginn seiner Ausführungen. In der Folge zeichnete er anschaulich das Bild einer wechselvollen Karriere in einer ebenso turbulenten Zeit der europäischen Geschichte, in welcher unsere Stadt eben auch ihren Platz einnimmt.

1807 im Grossherzogtum Baden (Mannheim) geboren, entschloss sich Karl Mathy schon früh für eine Laufbahn im Staatsdienst. Bereits mit 21 Jahren schien sein weiteres Leben vorbestimmt, als er als Praktikant in die Dienste eines der zahlreichen Fürstentümer im «Flickenteppich Deutschland» eintrat. Ab 1830 erschüttern jedoch neue Bewegungen, die einen demokratischen Rechtsstaat fordern, Deutschland (und beinahe ganz Europa). Karl Mathy schliesst sich ihr an, wird aus dem Staatsdienst entlassen und sieht sich zur Flucht gezwungen. Wie viele andere zieht es ihn in schweizerische Kantone, in welchen die patrizische Herrschaft gestürzt wurde (Bern, Solothurn, Thurgau, Aargau, Zürich, Luzern und andere). Zuerst gelangt er nach Bern (1835) und Biel, wo er als Journalist und Lehrer arbeitet und die Bekanntschaft von Giuseppe Mazzini und seiner Bewegung «Junges Europa» macht.

Erster Grenchner Bezirksschullehrer

Karl Mathy und seine Mitstreiter radikalisieren sich, werden des Landes (Kanton Bern) verwiesen. 1836 flieht er ins Bachtelenbad von Josef Girard, wird 1838 zum ersten Grenchner Bezirksschullehrer gewählt, notabene als Protestant in der damals noch vorwiegend katholischen Gemeinde. Zwar blieb er der Gemeinde, die ihm 1842 auch das Ehrenbürgerrecht verliehen hatte, stets verbunden. Ein ausgedehnter Briefwechsel mit dem bernischen, radikalen Politiker Johann Rudolf Schneider enthüllt aber auch, dass der Lohn wohl nicht ganz üppig gewesen ist. Zudem beklagt er Anfeindungen seitens des katholischen Pfarrers.

1866 badischer Ministerpräsident

Auf jeden Fall kehrt er Ende 1840 nach Deutschland zurück, da sich in seiner Heimat die politische Lage geändert hat. Aus demselben Grund zerschlagen sich Pläne eines weiteren Aufenthaltes in der Schweiz. 1842 wird er nämlich in Baden in den Landrat gewählt, die liberale Bewegung wird gestärkt. In der Folge schliesst sich Karl Mathy dem gemässigten Flügel der Liberalen an, welcher die deutsche Einheit und den Rechtsstaat auf konstitutionellem Weg erreichen will. Die nächsten Jahrzehnte sind geprägt von einem wechselvollen Dasein, in welchem er aber letztlich auf das richtige Pferd setzt und 1866 badischer Ministerpräsident wird. Zwei Jahre später erliegt er einem Herzleiden.