Bei fast allen Schulhäusern in den Aussenquartieren dominiert ein Thema immer wieder: die Elterntaxis. Ein Problem, welches nicht nur in Grenchen existiert, das sich in der Autostadt aber in letzter Zeit verschärft hat, seit es im Zentrum nur noch Sekundarstufen gibt. Eltern fahren ihre Kinder zum Teil mehrmals täglich von zu Hause zum Schulhaus und zurück.

Zu Stosszeiten kommt es an manchen Orten zu einem regelrechten Verkehrschaos, weil kein Platz ist für die vielen Chauffeure mit ihren Autos. Man parkiert auf dem Trottoir, vor Fussgängerstreifen und so weiter. Dabei werden nicht nur die Kinder gefährdet, die zu Fuss oder mit einem Trotti unterwegs sind, auch die herumchauffierten Kinder leiden darunter. Denn einerseits verkümmert so ihre Verkehrskompetenz, andererseits bewegen sie sich viel zu wenig und drittens entgeht ihnen der Schulweg, auf dem wichtige Erfahrungen gemacht werden können und auf dem sie sich untereinander ausserhalb der Schule austauschen können.

Im Schulhaus Eichholz fand zum Thema im Sommer ein runder Tisch statt, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Schule teilnahmen, des Eichholz-Elternrats, der Stadtpolizei, der Stadtplanung und von so!mobil, des vom Kanton und den Energiestädten getragenen Programms zur Förderung einer effizienten und nachhaltigen Mobilität im Kanton Solothurn.

Mit dabei auch Gesamtschulleiter Hubert Bläsi und Stadtpräsident François Scheidegger, die vorher bei einem Augenschein hatten feststellen können, dass das Problem ihre Erwartungen sogar noch übertraf.

Das Einzugsgebiet des Eichholz-Schulhauses ist relativ gross. Es umfasst das gesamte südliche Stadtgebiet von Grenze bis Grenze sowie den Weiler Staad. Etwa 420 Schülerinnen und Schüler gehen im Eichholz zur Schule. Die Jüngsten, die Kindergartenkinder, sind vier Jahre alt. Die Mittagspause ist kurz, die Schulwege weit.

Dies sei eine der Ursachen für die Elterntaxis. Und nebst den Befürchtungen um die kleinen Kinder im Strassenverkehr kämen eher irrationale Ängste vor Entführungen oder Übergriffen ins Spiel, oder einfach schlechtes Wetter, frühe Dunkelheit etc.

Statt mit Repression – Elterntaxis sind per se nicht verboten – setzt der VCS mit seiner Kampagne «Walk to School» seit mehreren Jahren darauf, «gutes» Verhalten zu belohnen: Die Kinder gehen zu Fuss zur Schule, Schulklassen sammeln möglichst viele Punkte und können Reisegutscheine gewinnen.

Die Aktion wurde im Eichholz Anfang November während zweier Wochen durchgeführt. 21 Klassen nahmen im Rahmen des Schuljahresthemas «Auf dem Weg» an der Präventionskampagne teil. Fünf Klassen erreichten dabei die Höchstpunktzahl, weil kein einziges Kind sich von den Eltern chauffieren liess, sondern alle immer zu Fuss zur Schule gingen.

Bei der Preisverleihung gestern Morgen waren Vertreterinnen und Vertreter der Siegerklassen, Stadtpräsident François Scheidegger, Gesamtschulleiter Hubert Bläsi, Jeanine Riesen von so!mobil und Schulleiter Mark Widmer anwesend.

Das Los musste entscheiden

Weil alle fünf Klassen die Höchstpunktzahl erreichten, wurde der Hauswart zur Glücksfee umfunktioniert und zog per Los die Gewinner. Auf dem ersten Platz landete so die KKL 5–6 von Saskia Meihns und erhielt von Jeanine Riesen einen Check von 400 Fr. Auf den 2 Platz kam die Klasse 6e von Nadine Sieber und erhielt 200 Fr. Den 3. Rang mit 100 Fr. erreichte die KKL 3–5 von Kathrin Goldenberger. Je zwei Znüni-Gutscheine von je 50 Franken erhielt die Klasse 6d von Benjamin Studer und der Kindergarten Ruffini von Esther Haudenschild.

Stadtpräsident François Scheidegger gratulierte den Gewinnern und bedankte sich herzlich für die engagierte Teilnahme. «Ihr seid Beispiel für alle Schulhäuser in Grenchen». Der Verkehr habe seit der Aktion spürbar abgenommen, die Eltern seien sensibilisiert. Und weniger Autos bedeuteten mehr Sicherheit.

Auch Gesamtschulleiter Hubert Bläsi, selber ständig zu Fuss unterwegs, gab seiner Freude über die gelungene Aktion Ausdruck. «Die Erlebnisse, die man zu Fuss auf dem Schulweg erlebt, sind bleibende Werte fürs Leben.»