Seit dem Wochenende zieren Farben den Grenchner Marktplatz. Vierzig Farbtupfer in Form von Stühlen sollen zum Verweilen einladen.

Platz nehmen auf dem Grenchner Martplatz

Video: Platz nehmen auf dem Grenchner Martplatz

Stadtpräsident François Scheidegger stellt die neuen Stühle vor.

Seit 2016 standen verschiedene Projekte zur Belebung und Aufwertung des zentralen Platzes zur Diskussion. Doch bekanntlich ist aller Anfang schwer. Eigentlich sollte die Idee mit den Sitzmöglichkeiten schon im letzten Jahr umgesetzt werden. Lieferverzögerungen verhinderten dies. Die Stadt nutzte dieses Missgeschick und entschied sich für einen Testlauf: 20 Stühle wurden aufgestellt. Diese überzeugten die Initianten. So stand der eigentlichen Umsetzung theoretisch nichts mehr im Wege.

Die Sitzmöbel wurden geliefert, die Anzahl stimmte. Ein Fauxpas, über den man nicht hinwegschauen konnte, war jedoch die falsche Beschriftung. Anstelle der bestellten Gravierung «Jurasonnenseite», zierte der Schriftzug «Olten» die Ware. Dies bedeutete Stress für die französischen Lieferanten, denn die Einweihung sollte am geplanten Datum durchgeführt werden.

Ein Ort zum Wohlfühlen

Obschon das Projekt also am Anfang nicht unter einem guten Stern stand, stehen nun wie geplant gute Stühle unter freiem Himmel. Denn sie sind robust, wetterfest und schön anzusehen. «Wir haben uns bewusst nicht für zu viele Stühle entschieden, denn der Platz soll wirken», erklärte Stadtpräsident François Scheidegger. In Zweierpaaren zusammengehalten darf sich die Bevölkerung auf drei Modellen entspannen: mit Armlehnen und ohne sowie einer Relax-Variante. Wegen Diebstahl macht sich Scheidegger keine Sorgen. Beim letztjährigen Probelauf wurde nichts gestohlen und auch Zürich und Olten, die das Projekt ebenfalls lanciert haben, berichten Gutes. «Nichts tun ist auch keine Option», meinte Scheidegger, der es sich auf dem orangenen Metallmöbel gemütlich machte. Wenn man etwas Neues probiere, gehe man immer ein Risiko ein. Es sei aber wichtig, dass man die gesellschaftliche Entwicklung und die Bedürfnisse der Bürger beachte. Das Freizeitverhalten habe sich verändert und das mediterrane Flanieren in der Öffentlichkeit wird von den Menschen gewünscht und geschätzt. Deshalb will man einen Ort bieten, an dem die Menschen sich wohlfühlen. Der «Märetplatz» wird also quasi zum Wohnzimmer.

Zu einer gutbürgerlichen «Stube» gehört natürlich auch ein Bücherregal. Auch das wird in der nächsten Zeit geboten. Die einstigen Telefonkabinen werden zu einer offenen Bücherstation umfunktioniert. Die Literarische Gesellschaft Grenchen hat sich freiwillig für die Instandhaltung gemeldet. Das freut auch Mike Brotschi, Projektleiter für die Standortförderung Grenchens. Denn es zeige, dass die Grenchnerinnen und Grenchner etwas aus der Stadt und dem Platz machen wollen. Man wünscht sich, dass in Zukunft Vereine oder private Gruppen ihr Training dort ausüben oder ihr Können zeigen, ohne das vorher anmelden zu müssen. Dass ein Vereinsauftritt viele Zuschauer anlockt oder Fussgänger zum Bleiben bewegen kann, bewies der Auftritt der Karateschule Nippon. Zur Debatte steht übrigens auch eine Gemeinderatssitzung im Freien.