Das führte zu einer ungewohnt turbulenten Generalversammlung am Freitagabend in der Tennishalle Grenchen. Zuerst verlief es für die Chefs plangemäss. Die 1094 Genossenschafterinnen und Genossenschafter stimmten den Anträgen zur Jahresrechnung zu und folgten den Erläuterungen von Verwaltungsratspräsident Silvio Bertini und des Bankleitungs-Vorsitzenden Tony Broghammer wie in den Vorjahren ohne aufzumucken.

Als es aber um die Verzinsung des Genossenschaftskapitals ging, meldete sich ein Genossenschafter und forderte 6 Prozent wie bisher. Es sei unverständlich, dass die Ausschüttung gesenkt werde, wenn der Gewinn mit 535 000 Fr. praktisch gleich hoch sei wie im Vorjahr, begründete der Votant.

Mehr Eigenkapital äufnen

Bertini liess abstimmen. Nicht aber, wie sonst Usus über diesen Antrag, sondern zuerst über den Antrag des Verwaltungsrates. Die Bank werde von den zuständigen Behörden neuerdings als systemrelevant taxiert und brauche deshalb mehr Eigenkapital, begründete Bertini den Antrag auf 4 Prozent.

Zuerst liess er ohne zu zählen abstimmen und sah vom Podium aus, dass der Verwaltungsratsvorschlag obsiegte. Zuhinterst in der schlecht beleuchteten Halle wähnten sich aber die Gegner in der Mehrheit und forderten eine Auszählung der Stimmen, was man auf dem Podest nur widerwillig gewährte.

Es war augenfällig, dass man auf dem Bankleitungs-Podium mit diesem Verlauf nicht gerechnet hatte. Die Auszählung der Stimmen zeigte zwar, dass der Verwaltungsrat mit seinem Antrag mit 602 Stimmen in der Mehrheit blieb, die Opposition jedoch mit 488 Stimmen weitaus grösser war, als zunächst vermutet.

Bertini orientiert zum Schluss über die Pläne des Verwaltungsrats die drei Raiffeisenbanken Wandfluh, Solothurn und Weissenstein zu fusionieren. Und dies bereits auf die GV 2016. Dieser Schritt sei nötig, um dem raschen Strukturwandel zu begegnen.