Es war abzusehen, dass die Forderung des Veranstalters der mia 2018 – Christian Riesen – die Messe in der Auffahrtswoche in der Tennishalle durchzuführen, statt wie kommuniziert drei Wochen früher im Velodrome, gehörig Staub aufwirbelt. Diese Zeitung hatte mit mehreren Exponenten gesprochen und eine Auslegeordnung der Argumente vorgenommen. In den sozialen Medien entbrannte vergangenen Samstag eine Diskussion, in der auch Veranstalter Christian Riesen Stellung bezog, der im Mai dieses Jahr die «mia» sozusagen im Alleingang auf die Beine gestellt hatte, nachdem die Messe im Jahr zuvor ausgefallen war.

Kritik am Tissot Velodrome-CEO

Nun geht Riesen noch einen Schritt weiter: Er hat Verantwortlichen bei der Stadt, dem Stadtpräsidenten, den Mitgliedern der GRK, Karin Heimann von der Wirtschaftsförderung und Weiteren am Montagmorgen eine Mail geschrieben, in der er unter anderem Peter Wirz, den Geschäftsführer des Tissot Velodromes, scharf kritisiert: Dessen Statement der Zeitung gegenüber sei komplett an den Haaren beigezogen beziehungsweise falsch. Sarkastisch schreibt Riesen, dank Wirz «unternehmerischer Voraussicht» habe es auch keine mia 2017 gegeben.

Durch das «Liken» eines kritischen Beitrags auf Facebook habe Wirz zudem zu Verstehen gegeben, dass er die mia in der Form als unwichtig erachte oder mit den «erfolgreichen» Verantwortlichen nicht mehr zusammenarbeiten wolle. «Auch wenn es einzelne Personen nicht gerne hören, wiederhole ich es nochmals: Peter Wirz ist als CEO vom Velodrome eine absolute und unannehmbare Fehlbesetzung!» Sehr vielen Leuten sei unklar, weshalb der Verwaltungsrat bezüglich dieser Personalie nicht handle. Riesen nimmt damit Bezug auf kritische Stimmen, die seit geraumer Zeit von verschiedenen Seiten zu vernehmen waren und die Zusammenarbeit mit dem Tissot Velodrome-Chef zumindest als schwierig bezeichneten.

Des Weiteren weist Riesen auf die Dringlichkeit seines Anliegens hin: «Ich bitte jetzt wirklich um schnelle Kommunikation darüber, was die nächsten Schritte seitens der Stadt sind.» Mia-Ausstellende an der HESO würden ihn mit Fragen löchern. Weiter sei er gefragt worden, ob es zutreffend sei, dass der Stadtpräsident ihm anlässlich des «Rock am Märetplatz» im Beisein von anderen Personen quasi das «Go» für die mia in der Tennishalle gegeben habe. «Ich bitte eindringlich um Unterstützung in der Form, dass die Stadt mein mia-Konzept vollumfänglich unterstützt und unserem Team – in welcher Form wir uns in Grenchen auch konstituieren werden – die komplette Freiheit für 2019 und die kommenden Jahre gewährt bezüglich der Wahl des Veranstaltungsortes – Tennishalle, Velodrome, Airport.»

Stadtpräsident konsterniert

François Scheidegger ist ganz und gar nicht glücklich über die Art und Weise, mit der Riesen die Stadt nun unter Druck setzt. «Wir hatten letzte Woche eine Sitzung mit Christian Riesen, an der wir beschlossen, gemeinsam zu kommunizieren, und zwar bis 30.9. Die Art und Weise, wie Riesen jetzt der Stadt in den Rücken fällt, noch bevor wir morgen Mittwoch in der GRK die Sache besprechen und sein ‹Wiedererwägungsgesuch› prüfen können, ist der Sache nicht dienlich.» Das sei auch der Grund, weshalb er zu diesem Zeitpunkt nichts zum Thema sagen wolle. Aber: «Wir haben schon letztes Jahr ganz klare Spielregeln aufgestellt. Eine Bedingung war schon immer, dass die mia im Velodrome stattfinden muss.

Es handelt sich dabei um ein Versprechen an die Bevölkerung, das man im Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Investitionsbeitrag der Stadt abgegeben hat. Zudem: Im Hinblick auf die mia im und um das Velodrome wurden seitens Stadt und SWG Investitionen getätigt. Ferner liegt ein Präzedenzfall vor, da es die GRK 2013 schon einmal abgelehnt hat, die mia ausserhalb des Velodroms durchzuführen. Daran hält die GRK fest.» Diese Auflage sei dem Veranstalter bekannt gewesen und in diesem Sinn habe Riesen nach der letzten mia diesen Mai das neue mia-Datum für nächstes Jahr selber kommuniziert. Auch im Wissen darum, dass die Auffahrt nicht in diese Woche falle.

Ob der Feiertag wirklich so match-entscheidend sei, wie behauptet werde, könne er nicht kommentieren, sagt Scheidegger. Dazu fehlten ihm die Grundlagen, da bisher noch keine mia ohne Feiertag durchgeführt wurde. Aber die Art und Weise der Kommunikation, Riesens Mails mit immer neuen Forderungen, seien indiskutabel. Und jetzt noch die Kritik an Tissot-Velodrome Geschäftsführer Peter Wirz. «Man darf nicht vergessen: Riesen hat den Vertrag mit der Stadt gekündigt.»

Wie mit Riesen abgemacht, werde man bis zum 30. September kommunizieren. «Meine Idee wäre, gemeinsam eine Lösung zu finden, die mia gemeinsam mit der Stadt auf eine solide Basis zu stellen, zu professionalisieren.» Immer unter der Prämisse, dass sie im Tissot Velodrome stattfindet.