Der Grenchner Gemeinderat gibt Rätsel auf. Einerseits klönt man über lahmende Wirtschaft und leere Schaufenster. Kommt ein Investor und will 55 Millionen in behindertengerechte Wohnungen investieren, will der Gemeinderat nichts davon wissen.

Und das mit hanebüchenen Argumenten: Eine dreieinhalb Zimmer Wohnung für 1650 Fr. sei für Grenchen «zu billig». Da ist es einigen gehörig in den Kopf gestiegen. Gerade jetzt, da Grenchen allmählich auf dem Radar von Pensionskassen auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten erscheint, wollte man das Messer reinlassen.

Und das nicht bei irgendjemand, sondern bei jenem hoch gefeierten Willi Gyger, der aus dem geschlossenen Spital ein Bijou gemacht hat. Er musste sich sogar anhören, geldgierig zu sein.

Das ist starker Tobak. Gyger hätte allen Grund, den Bettel hinzuwerfen. Nun, ein Rückkommensantrag hat das Geschäft im Rat knapp gerettet. Es soll weiter verhandelt werden. Doch über was? Über ein Projekt, das dann allen 42 unzufriedenen Anwohnern genügt? Der bisher angeschlagene Tonfall gegenüber den Investoren macht nicht gerade Hoffnung.

In Grenchen haben immer noch viele nicht begriffen, was es geschlagen hat. Deindustrialisierung ist mehr als ein Gespenst. Gerade Alterswohnungen mit dem Service des Sunnepark könnten da eine Lücke füllen.

Aber die Politik lässt sich von ein paar einflussreichen Quartierbewohnern vor ihren Karren spannen. Das ist kurzsichtig und provinziell. Hoffentlich ist es einfach nur ein Aussetzer.

andreas.toggweiler@azmedien.ch