Abenteuer

Unterwegs mit «Heidi»: Grenchnerin rudert mit drei Schweizerinnen über den Atlantik

Die Boots-Crew mit von links: Tatiana Baltensperger, Astrid Schmid, Carla Lemm und Sandra Hönig.

Die Boots-Crew mit von links: Tatiana Baltensperger, Astrid Schmid, Carla Lemm und Sandra Hönig.

Vier Schweizerinnen gehen ihrer Abenteuerlust nach und rudern gemeinsam über den Atlantik. Mit dabei ist auch die Grenchnerin Carla Lemm.

So kann man den Jahresübergang auch gestalten: rudernd. Vier Frauen im Alter zwischen 34 und 54 Jahren haben das härteste Ruderrennen der Welt, die «Talisker Whisky Atlantic Challenge» in Angriff genommen. Darunter als jüngste die Grenchnerin Carla Lemm (zusammen mit Tatiana Baltensperger, Astrid Schmid und Sandra Hönig).

Sie sind die erste rein weibliche Schweizer Crew, die sich auf dieses Abenteuer eingelassen hat. Gestartet wurde Mitte Dezember, in der Zwischenzeit haben die vier Sportlerinnen mehr als die Hälfte des Parcours absolviert. Die «Atlantic Challenge» führt von La Gomera nach Antigua über rund 5000 Kilometer (3000 Meilen).

Swiss Ocean Dancers und ihre «Heidi»

Die Swiss Ocean Dancers, wie sie sich nennen, werden mit ihrem Boot Heidi zwischen 29 und 90 Tagen unterwegs gewesen sein und dabei 1,5 Millionen Ruderschläge absolviert haben. Es erwarten sie bis zu zehn Meter hohe Wellen. Die zehn Liter Wasser pro Tag und Person stammen aus einem solarbetriebenen Wasseraufbereiter. Während des Wettkampfes wird jedes Crew-Mitglied 5000 Kalorien pro Tag verbrennen und schliesslich bis zu 12 Kilo Gewicht verlieren. Die Mahlzeiten bestehen vor allem aus Trekkingnahrung, wobei auch Schweizer Schokolade als eine der wenigen Annehmlichkeiten mit an Bord ist.

In diesem Boot sind die Frauen auf hoher See.

In diesem Boot sind die Frauen auf hoher See. 

Schon öfters auf abenteuerlichen Wegen

Die Frauen rudern jeweils zu zweit während zweier Stunden und lösen sich danach ab. Ihr Ziel ist klar definiert: gesund ankommen und keine Risiken eingehen.

Carla Lemm, die gebürtige Davoserin, die seit einigen Jahren in Grenchen wohnt, ist durch eine Freundin auf die neue Herausforderung gestossen. Für sie ist «der Weg das Ziel». Die 34-Jährige hat bereits einige sportliche Abenteuer hinter sich. Ihre bisherigen Highlights waren der Halbmarathon in Nordkorea 2018 und davor die einjährige Reise 2016/17 mit ausgedehnten Fahrrad-Etappen durch Qatar, Libanon, Oman, Vietnam, Kambodscha, Thailand und durch südosteurpäische Länder bis nach Österreich und Deutschland. Dieses Erlebnis hat ihre Wanderlust definitiv entfacht.

Die Atlantiküberquerung kostet gegen 200'000 Franken. Da ist es selbstverständlich, dass die vier Frauen auf Geldgeber angewiesen sind. Mit einem namhaften Betrag beteiligt sich der sportbegeisterte Hans Roth (Cupsieger mit dem FC Grenchen 1959). Dabei stand der Zufall Pate. Hans Roth interessierte sich für ein Mückengitter in seiner Wohnung und beauftragte dafür eine Fachfirma. Diese schickte die Innendekorateurin Carla Lemm. Die beiden kamen im schon bald auf Carlas Vorhaben zu sprechen. «Vor mir stand eine feine, junge Frau, die einen Traum verwirklichen wollte. Wir brauchen solche Personen», erklärt Hans Roth sein Engagement. Zusammen mit seiner Frau Elsbeth liess er es sich auch nicht nehmen, am Start in La Gomera dabei zu sein. Auch hier half der Zufall. Die beiden verbringen nämlich seit Jahren einige Wochen Ferien auf der Kanareninsel.

Einige Extremsituationen geübt

Die Vorbereitung mit «Heidi» wurde übrigens teilweise auf dem Vierwaldstättersee und in den Niederlanden absolviert. Geübt wurden neben der Rudertechnik auch das Durchkentern des Bootes, der Einsatz des Treibankers, mit dem die «Heidi» bei Sturm oder Gegenwind auf Kurs gehalten werden soll, der Einstieg in die Rettungsinsel. Nach dem Rennen wird das gut neun Meter lange und nicht ganz zwei Meter breite Boot an ein nächstes Team verkauft. Der Erlös fliesst an die Initiative «Viva con Agua Schweiz», die sich für die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern engagiert. Zuerst soll es aber die vier «toughen» Frauen sicher ans Ziel bringen. Interessierte können dabei mitfiebern.

Im Internet auf www.swiss-oceandancers.ch gibt ein Storybook regelmässige Einblicke in das Geschehen und das Befinden der Sportlerinnen. Und die Website www.taliskerwhiskyatlanticchallenge.com hat einen Race-Tracker aufgeschaltet, auf welchem jederzeit die Position der teilnehmenden Boote sowie ihre aktuelle Rangierung abzulesen ist.

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