Flughafen Grenchen

Stärkung des Ausbildungsflugplatzes Grenchen mit neuem Tower und Hangar

Von links: Ivo Erard, Architekt, David Birrer, Geschäftsführer Lufthansa Aviation Training, Ernst Kohler, CEO Rega, Ernest Oggier, Flughafendirektor und Erich Blösch, VR-Präsident Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG.

Spatenstich für den neuen Hangar mit Tower auf dem Regionalflughafen Grenchen

Von links: Ivo Erard, Architekt, David Birrer, Geschäftsführer Lufthansa Aviation Training, Ernst Kohler, CEO Rega, Ernest Oggier, Flughafendirektor und Erich Blösch, VR-Präsident Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG.

Mit einem symbolischen Spatenstich feierte man den Baubeginn für den neuen Hangar für die Rega, mit Ausbildungszentrum der European Flight Academy und der Einsatzzentrale der Flughafenfeuerwehr. Auf das Gebäude kommt der neue Tower zu stehen.

«Jeder hat eine Liste mit Dingen, die er einmal in seinem Leben machen will, eine sogenannte ‹Bucket List›». Auf seiner Liste, sei einer der Punkte, die den Flugplatz Grenchen beträfen – nebst der Einführung von Instrumentenflug ohne Flugkontrolle beispielsweise – der Spatenstich für einen neuen Werkhof, sagte Flughafendirektor Ernest Oggier zur Begrüssung. Wo sich noch letztes Jahr die alten Gebäude für die Flughafenfeuerwehr und die Werkstätten befanden, wird in ein paar Monaten ein neues Gebäude mit einem neuen Tower, dem Werkhof des Airports, der Einsatzzentrale für Rettung und Feuerwehr (die bis dahin provisorisch in einem Zelt vor dem jetzigen Tower untergebracht sind), einer Trainings- und Ausbildungsbasis der REGA und einem neuen Schulungszentrum für die European Flight Academy stehen.

Beeindruckende Zahlen

Der Holz-Betonbau kommt auf einer Platte zu stehen, die auf 73 Mikropfählen von zwischen 10 - 14 Metern Länge ruht. Für die Platte werden 275 m3 Beton und 27 t Stahl verwendet, für die Wände des Gebäudes nochmals 70 m3 Beton und 6 t Stahl. Der Holzbau wird aus regionalem Holz – Fichte, Tanne und Buche – in einem regionalen Verarbeitungszentrum vorgefertigt. 3,5 Kilometer Rohre werden verlegt, 15,5 km Kabel eingezogen, damit 150 Steckdosen, 230 EDV-Anschlüsse und 285 Leuchten versorgt werden können.
Auf das Gebäude kommt ein neuer Tower. Allerdings ist noch unklar, ob man dort neue Geräte installiert oder die bisherigen am neuen Standort weiterbenutzt. Das sei davon abhängig, wer zukünftig die Flugverkehrskontrolle in Grenchen übernehme, hiess es am Rande des Spatenstichs. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich auf rund 5,5 Millionen Franken.

Erstes erfreuliches Geschäft

Erich Blösch, Verwaltungsratspräsident der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG, freute sich darüber, das eigentlich erste erfreuliche Geschäft in seiner bisherigen Amtszeit auf dem «Sorgenkind» Flughafen Grenchen erleben zu dürfen. Der langersehnte Werkhof werde endlich realisiert. Es sei ein sichtbares Zeichen, das man hier setze. «Grenchen ist der wichtigste Flughafen der Schweiz in Sachen Ausbildung: Über 50% aller Ausbildungsflüge auf Regionalflughäfen werden hier in Grenchen absolviert.» Weltweit herrsche ein akuter Mangel an Piloten. «Mit dem neuen Gebäude, wo die European Flight Academy in ein modernes Ausbildungszentrum einziehen wird, setzen wir auch ein Zeichen, damit Ihr in Grenchen bleibt», so Blösch an die Adresse von David Birrer, dem Geschäftsführer von Lufthansa Aviation Training. Blösch sagte, man sei stolz , nun auch die REGA als Partner mit an Bord zu haben. «Nach wie vor ist die Rega die beliebteste Nonprofit-Organisation der Schweiz. Wir schätzen uns sehr glücklich, dass nun hier eine Ausbildungs- und Trainingsbasis entstehen wird.»

Roter Teppich wurde ausgerollt

Ernst Kohler, der CEO der Rega, meinte, in Grenchen habe man der Rega, die seit Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Standort sei, sozusagen den roten Teppich ausgerollt. «Die Rega hat letztes Jahr rund 17 000 Einsätze geflogen, davon 12 000 mit dem Heli. Um den stetig steigenden Anforderungen gerecht zu werden, müssen wir die Möglichkeit haben, unsere Piloten auszubilden und zu trainieren. Und dafür eignet sich Grenchen ganz besonders.» In den nächsten Monaten und Jahren will die Rega die jüngsten ihrer Piloten auf dem Ecureuil B3 in Grenchen ausbilden, aber auch der brandneue Rettungshelikopter H 145 wird zeitweise in Grenchen zu Schulungs- und Trainingszwecken stationiert. Die Rega lege insbesondere Wert auf die Instrumenten-Flugausbildung in Grenchen, denn ab 2020/21 wird man mit dem AW 169 einen allwettertauglichen zweimotorigen Rettungshelikopter im Einsatz haben, der auch bei Null Sicht einen entsprechend ausgerüsteten Flugplatz oder Spitallandeplatz anfliegen kann. Kohler schloss überdies auch nicht aus, dass die Rettungsflugwacht zeitweise ihre Tagesbasis nach Grenchen verlegt, wenn dies erforderlich sei, wie er am Rande der Veranstaltung gegenüber dieser Zeitung sagte.

Ideal für die Ausbildung

«Grenchen ist für uns ein Zuhause», meinte David Birrer von Lufthansa Aviation Training. Seit 2003 bilde zuerst die Swissair, dann die Swiss und jetzt die Lufthansa in der European Flight Academy, der die Austrian Airlines, die Lufthansa, die Swiss, Brussels Airlines und Eurowings angeschlossen sind, ihre Piloten aus. Vor etwa fünf Jahren sei die Idee entstanden, sich auch infrastrukturell hier zu verankern – bisher war die European Flight Academy in Räumlichkeiten der Flugschule Dysli eingemietet. «Wir bilden pro Jahr rund 100 Piloten aus, junge Menschen, die hier ihren Traum verwirklichen», so Birrer. Der Bedarf sei so hoch wie nie zuvor und Grenchen biete mit seiner Infrastruktur und der Trainingsumgebung, mit der Luftverkehrskontrolle im Tower und den anderen Benutzern des Flughafens ideale Bedingungen. «Unsere Piloten können hier die Prozedere üben, die sie später im Jet anwenden. Wir haben vor, noch ganz lange in Grenchen zu bleiben.»

Der Grenchner Architekt Ivo Erard, der mit seinem Büro den Bau realisiert, hatte ebenfalls zu danken. Den beteiligten Partnern und Unternehmen und nicht zuletzt dem Bundesamt für Zivilluftfahrt und den kantonalen Behörden, die ein «rekordverdächtiges» Plangenehmigungsverfahren und eine unkomplizierte und rasche Sanierung des durch Altlasten belasteten Untergrundes ermöglichten. 22 Jahre zuvor nämlich stand dort die Tankstelle des Flughafens, deren Leitung möglicherweise geleckt hatte. Nun sei der gesamte Flughafen altlastenfrei, so Erard.

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