Stadtbummel
Weihnachten steht vor der Tür – aber was für Weihnachten werden das sein?

Weihnachtsessen werden abgesagt, Weihnachtsmärkte finden nicht statt, manche Geschenke sind nur schwer erhältlich – der Stadtbummler macht sich seine Gedanken dazu.

Oliver Menge
Oliver Menge
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Haben Sie, werte Leserin, werter Leser, die Weihnachtsgeschenke bereits eingekauft? Beispielsweise am Freitag von den «unglaublichen Rabatten und Vorteilen» profitiert, die uns in den letzten Tagen buchstäblich um die Ohren gehauen wurden auf allen Kanälen? Ja genau, die Rede ist vom Black Friday - und an dieser Stelle muss der Stadtbummler als erstes mit einem Mythos aufräumen:

Der «Black Friday» wird nämlich oft fälschlicherweise mit dem amerikanischen «Black Thursday» verwechselt, dem Tag des Börsencrashs in New York im Jahr 1929. Mit «Black Friday» wird in Amerika der Tag nach Thanksgiving bezeichnet, und damit immer der vierte Freitag im November. Die Amerikaner nutzen ihn als Brückentag und erledigen an diesem Tag ihre Weihnachtseinkäufe. Geschäfte bieten ihren Kunden lukrative Rabatte, Sonderangebote und Werbegeschenke.

Irgendwann schwappte der Brauch über den Atlantik - wie beispielsweise auch Halloween - der Grossverteiler Manor lancierte 2015 den ersten Black Friday in der Schweiz, der hier inzwischen vor allem von Onlinehändlern zelebriert wird. Allerdings war das in diesem Jahr bekanntlich etwas schwieriger als sonst, wie man allenthalben lesen konnte: Insbesondere bei elektronischen Geräten und anderen Dingen, wie beispielsweise Fahrrädern, bestehen Lieferengpässe, seit einem Corona-Ausbruch in einem grossen Hafen 250 Kilometer südlich von Shanghai: Der Hafen von Ningbo-Zhoushaz ist der zweitgrösste Frachthafen Chinas und der drittgrösste der Welt. Ein Terminal, an dem rund 6 Millionen Container umgeschlagen werden pro Jahr, wurde wegen eines einzigen Corona-Infizierten im August geschlossen und 2000 Hafenarbeiter verbrachten einige Wochen in Quarantäne.

Zwar sind die Schiffe wieder unterwegs, die Verzögerungen in den Lieferketten aber bleiben bestehen. Folglich werden unter Umständen teure, elektronische Geräte wie iPads oder Smartphones unter dem Weihnachtsbaum fehlen dieses Jahr.
Ist das schlimm? Den Stadtbummler persönlich stört das kein bisschen, denn in seinem Umfeld wurden die Weihnachtsgeschenke schon längst abgeschafft. Nur gerade das Wichteln haben wir beibehalten, mit kleinen Aufmerksamkeiten, die Freude bereiten.

Die Advents- und Weihnachtszeit ist doch die Zeit des gemütlichen Beisammenseins, der warmen Lichter, dekorierten Fenster und mit Weihnachtsbeleuchtung geschmückten Strassen. Die Zeit, in der es nach Guetzli, Glühwein und Tannenchris riecht. Doch leider macht uns das Virus auch dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung: Der Grenchner Weihnachtsmarkt wurde abgesagt, Weihnachtsessen diverser Firmen werden gecancelt, die Alterszentren feiern ohne Angehörige. Wenigstens die Offene Weihnacht kann am 24. ihr Fest für einsame und hilfsbedürftige Menschen durchführen - Stand jetzt. Die Pandemie verlangt viel Geduld von uns allen.

Die Gastronomie beklagt den Ausfall, der ihr dadurch entsteht, wenn Firmen ihr Weihnachtsessen absagen. Agnes Chirico von der Team-Papeterie teilte diesbezüglich unlängst eine tolle Idee auf den Sozialen Medien: Arbeitgeber, schenkt Euren Mitarbeitenden doch Gutscheine für diese Restaurants. Dann haben nämlich alle etwas davon. Und irgendwann werden wir die Krise ja hoffentlich hinter uns lassen, möglicherweise geboostert und hoffentlich nicht betroffen von der neuen, noch ansteckenderen Version der Delta-Variante, die offenbar entdeckt wurde.

Freuen wir uns auf geruhsame Stunden zu Hause mit den Liebsten oder alleine mit der Lektüre eines guten Buchs. Der Stadtbummler hat sich den Krimi von Iris Minder vorgenommen, für den er bisher keine Zeit fand. Und wer gar nicht auf einen Weihnachtsmarkt verzichten kann: Nicht alle wurden bisher abgesagt ...

In diesem Sinne wünscht der Stadtbummler eine schöne, friedliche Adventszeit!

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