Stadtbummel
Kommunikation ist alles!

Unsere Stadtbummlerin beleuchtet den Ausfall von Facebook und Co. und kommt zu einem persönlichen Schluss aus der der Sache.

Claudia Dahinden
Claudia Dahinden
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Facebook, Instagram und WhatsApp sind Anfang Woche für sechs Stunden ausgefallen.

Facebook, Instagram und WhatsApp sind Anfang Woche für sechs Stunden ausgefallen.

Richard Drew / AP



Wo wart Ihr so, als letzten Montagabend mit Facebook, Whatsapp und Instragram die heilige Dreieinigkeit der Internet-Kommunikation ausgefallen ist? Ich war auf Twitter und amüsierte mich über die Heimatlosen, die unter den Schwingen des blauen Vögelchens den harschen Verlust ihrer «Seht-mein-neues-Selfie-ohne-Filter-bin-ich-nicht-toll»-Plattformen beweinten.

Daneben prasselte Häme auf Zuckerberg nieder wie die Bemerkung, Facebook sei noch nie so wirksam gegen Falschinformationen vorgegangen, und Emil präsentierte in einem Video, wie er Facebook kaputtgemacht und wiederherstellt hat.

Am allermeisten genossen habe ich die fehlenden Gift-Galle-Posts übers Impfen und fragte mich am kommenden Morgen: Wäre eine Welt ohne diese zu sozialen Spaltpilzen entarteten und zur Selbstbeweihräucherung einladenden Plattformen eine bessere?

Einerseits finde ich es bereichernd, dass ich in Echtzeit mit Leuten auf der anderen Seite des Globus Beziehungen pflegen kann: In einer Facebook-Gruppe kam ich mit einer Frau aus dem Bundesstaat Delaware ins Gespräch und konnte ihr ein paar Tipps für ihre Schweizreise geben, die ich nun anhand ihrer Foto-Posts auf Facebook mit Begeisterung verfolge.

Alles in allem ist es aber schon bedenklich, wie oft wir über unseren Geräten hängen. Kürzlich habe ich gelesen, dass der durchschnittliche amerikanische Nutzer an einem Tag rund 2500 mal auf sein Handy drückt. Selbst wenn es bei uns weniger sein sollte: Die Zahlen dürfen auch hier schockieren.

Fast sehne ich mich in die Zeit vor der Industrialisierung zurück, als bezahlte Läufer Briefe transportierten. Da hatte man noch Zeit! Doch dann erhöhten erst die Postkutsche, dann die Eisenbahn das Kommunikationstempo beträchtlich. 1863 bekam Grenchen einen Telegrafen, 1890 das Telefon – damals mit sechs Firmenanschlüssen, einem Gemeindeanschluss und vier privaten Geräten. Schon 1895 produzierten dreissig Anschlüsse in einem Jahr 24401 Anrufe, und ehe man sich’s versah, erfand jemand Computer, E-Mail und Internet.

Jetzt haben wir den Salat. Die einzige Rettung vor dem Bildschirm ist heute, wenn Zuckerberg sich selbst ins Bein schiesst. Oder doch nicht? Mir hat der virtuelle Kommunikations-Ausfall vor Augen geführt, dass analoge Beziehungen eben doch unersetzbar sind.

Wir haben es in der Hand: Reissen wir uns von unseren Bildschirmen los und geniessen einen Tag mit unseren Lieben. Fangen wir an mit einem Spaziergang über den Flohmi auf dem Märetplatz und einem Besuch am Abschluss der Elite-Bahnmeisterschaften im Velodrome. Anschliessend schauen wir uns den Aha-Film im Palace oder den neuen Bond im Rex an.

Dann schicken wir die Teenager zum «MidnightSports» in die Doppelturnhalle und treffen uns im Baracoa, um auf weitere zwanzig Jahre anzustossen. Man sieht sich!

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