Kevin Cahannes, seit vergangenem August hört man Sie regelmässig als Nachrichtensprecher im Radio SRF. Ging da ein Bubentraum in Erfüllung?

Kevin Cahannes: Ja und nein. Geplant hatte ich es jedenfalls nicht. Aber ich war tatsächlich schon als kleiner Bub von den Medien fasziniert. Irgendwie war es klar, dass ich Journalist werden möchte. Ich habe dann bei der Zeitung angefangen, später für Online und beim Fernsehen gearbeitet. Als sich dann die Möglichkeit bot, zum Radio zu wechseln, dachte ich mir: Es wäre spannend, auch noch dieses Medium kennen zu lernen.

Was ist journalistisch gesehen die grösste Herausforderung, der man sich als Nachrichtensprecher stellen muss?

Eine Nachricht in der gebotenen Kürze den Zuhörern verständlich nahezubringen. Gerade bei komplexen politischen Themen oder Konflikten mit langen Vorgeschichten ist das eine Herausforderung. Besonders bei den Kurznachrichten, die eine Minute dauern. Da gibts höchstens zwei Sätze pro Meldung.

Gibt es da bestimmte Anforderungen oder Regeln an die Satzgestaltung beim Nachrichtenlesen?

Man darf nicht fürs Lesen schreiben, sondern fürs Hören. Also nicht überfrachten. Jeder Satz muss eine eindeutige Aussage beinhalten. Und Schachtelsätze sind zum Beispiel eher schlecht.

Sie schreiben also Ihre Nachrichten-Texte selbst und lesen diese dann ab?

Ja, teilweise. Man schreibt nicht jede Meldung selber. Es sind auch viele Texte von Kolleginnen und Kollegen dabei.

Sind Sie da ganz allein? Entscheiden Sie auch darüber, welche Nachricht überhaupt verlesen wird?

Für eine Sendung sind wir in der Regel zu zweit: ein Dienstleiter, der die News auswählt, die Abfolge bestimmt und auch den Überblick über sämtliche Nachrichtensendungen hat. Da heisst es dann am Schluss: «Verantwortlich war xy». Ich bin der sogenannte Journalier, der Meldungen schreibt und
dessen Stimme eben dann auch zu hören ist.

Apropos Stimme: Benötigten Sie eine eigentliche Sprechausbildung für diese Arbeit?

Ich hatte bereits Schulungen in dieser Richtung vom Fernsehen her. Aber wir haben einen Sprechlehrer im Haus, der Fehler erkennt und ausmerzt. Bei mir ging es in erster Linie darum, die Sprachmelodie besser kontrollieren zu können. Nachrichtenlesen soll nicht zu emotional sein, darf sich aber auch nicht monoton oder zu distanziert anhören.

Wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit Versprechern um?

Man darf sich während des Lesens nicht darüber ärgern. Das kann passieren, denn wir sind ja alles Menschen. Studiert man beispielsweise seinem ersten Versprecher nach, folgt gleich der zweite und dritte. Schwierige Textpassagen, exotische Namen beispielsweise, spreche ich vor der Sendung ein paarmal aus und markiere sie mir beim Lesen. Das hilft.

Jede Nachrichtensendung im Radio ist also eine Live-Sendung?

Ja. Darauf legen wir Wert. So kann die Aktualität gehalten werden. Sämtliche Nachrichten für alle Kanäle von Radio SRF kommen immer live aus dem Studio in Bern.

Was fasziniert Sie am eigentlich altmodischen Medium Radio, nachdem Sie sieben Jahre beim Fernsehen tätig waren?

Radio ist toll, weil es im Prinzip so einfach ist. Man braucht nur zuzuhören. So erreicht man Menschen sehr direkt und kann ohne viel Drumherum Informationen vermitteln. Und man ist überall bei den Leuten – im Auto, im Büro, beim Zmorge, im Bett. Diese Vorstellung ist schon noch speziell. Und dann ist es auch die hohe Glaubwürdigkeit, welche die Hörer dem Medium Radio entgegenbringen. Das fasziniert mich ebenfalls, verpflichtet aber auch.

Und wie war es, zum ersten Mal auf Sendung zu sein?

Ich war ziemlich nervös, doch ich glaube, es ist mir gut gegangen. Ich hatte mir schon im Vorfeld vorgenommen, meine erste Sendung nie abzuhören. Und daran habe ich mich bis heute gehalten. Mittlerweile habe ich schon Hunderte Bulletins verlesen. Doch noch jedes Mal verspüre ich eine gewisse gesunde Anspannung. Das braucht es.