Grenchen

Sprachliche Finessen, kreative Wortspiele — die Slam-Poeten beeindruckten im Kleintheater

Kleintheater Grenchen

Kleintheater Grenchen

Das Künstlerduo Remo Zumstein und Michael Kuster beeindruckte im Kleintheater. Wie überlebt man als Poet in dieser Welt? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch das überzeugende zweistündige Programm «Lyrik & Panik».

Wortakrobat Remo Zumstein und Gitarrist Michael Kuster entliessen die zahlreichen Besucherinnen und Besucher im Kleintheater mit einem furiosen Auftritt in die Weihnachtsferien. Die Frage stellt sich immer wieder, wenn Slam-Poeten auf die Bühne treten: Reicht das auch für ein abendfüllendes Programm? Es reichte locker. Das war aber auch nicht wirklich verwunderlich, denn Remo Zumstein ist nicht nur vielfach ausgezeichneter Spoken Word-Künstler, sondern hat für sein Wirken in der Zwischenzeit auch schon Kabarettpreise eingeheimst. Sein Bühnenpartner Michael Kuster akzentuierte das Gesagte mit exakten und pointierten musikalischen Einsätzen, gab dazu das eine oder andere Müsterchen seiner Virtuosität und wagte gar eigene, zarte Ausflüge in die Welt der Wortspielereien.

Frage zog sich wie ein roter Faden durchs Programm

Wie überlebt man als Poet in dieser Welt? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch das überzeugende zweistündige Programm «Lyrik & Panik». Zurücklehnen galt dabei für die Zuschauenden kaum, höchste Aufmerksamkeit war gefragt. Zwar bediente sich Remo Zumstein zumeist des eher behäbigen Berndeutsch, beziehungsweise der berndeutsch angehauchten Standartsprache. Allein, es galt schon höllisch aufzupassen, um die Wortspiele und -verdrehungen, die verklausulierten Pointen wie auch die eher offensichtlichen alle aufzuschnappen. Wie Remo Zumstein mit der Sprache umgeht, ist schlicht umwerfend, seine Wortkaskaden atemberaubend. Es entstehen geistreiche Geschichten, garniert mit teils innovativ-frechen End- und Stabreimen, Anklängen und Gleichklängen innerhalb der Strophe. Er erlaubt es sich zuweilen aber auch, das Reimschema effektvoll zu durchbrechen, sprachliche Kontrapunkte zu setzen.

Vielfältig und einfallsreich die Themen: Die beiden mokieren sich über Gratiszeitungen, ironisieren die in der Szene weitverbreitete Mode der geographischen Pointen und Wortspielereien, ergötzen sich ob missglückter Redewendungen, versuchen sich als selbstständige Poeten bei der AHV anzumelden und einiges mehr. Besonders beeindruckend erscheint die Sprachwucht in der Exkursion in die Welt der Laute. Wie Remo Zumstein das einschmeichelnde «M» gegen das ungehobelte «T» phonetisch-poetisch ausspielt, lässt die Zuhörenden in schierer Sprachlosigkeit verharren.

Der Künstler weiss zudem seine Sprachkenntnisse einzusetzen. Italienisch, Französisch oder Englisch kommen zum Zuge, vor allem aber Holländisch: Dreist-komisch übersetzt er Sätze ins pseudo-niederländische Idiom derart, dass man sich auch als sprachlich weniger gewandter Zaungast sofort heimisch fühlt. Schliesslich verabschieden sich die beiden mit einer feinsinnigen, in Lyrik gepackten Betrachtung über ihr bisheriges Leben.

«Wie also kann ein Poet in der heutigen Zeit überleben»? Remo Zumstein und Michael Kuster haben im Kleintheater eine eindeutige Antwort darauf gegeben.

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