Robinson Spielplatz Grenchen

Spielplatz abgebrochen - Ersatz lässt auf sich warten

Auf diesem Areal an der Lindenstrasse soll der Spielplatz gebaut werden

Auf diesem Areal an der Lindenstrasse soll der Spielplatz gebaut werden

Der Spielplatz Öelirain wurde letztes Jahr abgebrochen. Mit dem Neubau lässt sich die Stadt Zeit. Woran liegt das? Eine Spurensuche.

Auf dem Areal Oelirain befand sich bis Mitte vergangenen Jahres der so genannte Robinsonspielplatz. Er verfügte über Spielgeräte und eine Baracke, in der ehrenamtliche Mitarbeitende der ISG (Interessengemeinschaft Spielplätze Grenchen) jeweils am Mittwoch- und Freitagnachmittag Kinder betreuten und mit ihnen beispielsweise bastelten.

Bereits früher wurde bekannt, dass das Areal mittelfristig überbaut wird. Der Eigentümer hatte den entsprechenden Gebrauchsleihevertrag mit der Stadt schon per Mitte 2017 gekündigt. Die Stadt wollte zunächst einen Teil des Grundstücks kaufen, um die Zukunft des Spielplatzes zu sichern. Die Grundeigentümer verkauften aber an einen Investor, der ankündigte, er wolle das ganze Areal mit mehreren Mehrfamilienhäusern überbauen.

Die Wohnüberbauung verzögert sich

Am 3. Dezember 2018 informierte die neue Bauherrschaft die ISG, dass der Baubeginn per 4. März 2019 erfolge und das Grundstück rechtzeitig geräumt werden müsse. Im Frühjahr wurden die Spielgeräte weggeräumt, im Mai dann auch der Spielpavillon. Sowohl Spielgeräte als auch die Baracke erwiesen sich dabei als baufällig.

Allerdings war zu jenem Zeitpunkt bereits klar: neu gebaut wird auf dem fraglichen Areal offensichtlich nicht. Nur das bestehende alte Mehrfamilienhaus, wo sich auch das Künstlerarchiv befand, wird zurzeit umgebaut. Von einem Baubeginn der laut Gestaltungsplan fünf weiteren Mehrfamilienhäuser ist bis heute nichts zu sehen.

«Der Spielplatz wurde aus heutiger Sicht sicher zu früh abgebrochen», meint denn auch Stadtpräsident François Scheidegger. Auch Gemeinderätin Angela Kummer, die vor einem Jahr Unterschriften für den Ersatz des Robi-Spielplatzes gesammelt hatte, stimmt dieser Einschätzung zu. Für sie ist es allerdings Zeit, dass die Stadt in Sachen neuer Spielplatz das Heft in die Hand nimmt. «Ich verstehe, dass es aus verschiedenen Gründen zu Verzögerungen gekommen ist. Jetzt, wo der Standort an der Lindenstrasse gefunden ist, ist es wichtig, dass die Stadt das beschlossene Konzept endlich umsetzt.»

In der Tat hat der Gemeinderat am, 14. Mai 2019 einem Zusatzkredit von 295000 Fr. für die Erstellung eines Spielplatzes auf dem Areal zwischen der christkatholischen Kirche und der Minigolfanlage zugestimmt. Im Vorfeld hatte man verschiedene Standorte auf ihre Eignung überprüft. Der Kredit wurde mit der Auflage verbunden, dass für den Betrieb der städtischen Spielplätze eine Leistungsvereinbarung mit der ISG abgeschlossen wird. Auch wurde schon damals die Erwartung geäussert, dass sich die ISG an den Kosten beteiligt.

Ziel ist, im Sommer einen Spielplatz zu haben

Laut Mike Brotschi, Projektleiter und Koordinator Standortförderung, Kultur, Sport und Freizeit der Stadt, befindet sich das Projekt auf der Zielgerade. Ziel sei, im Sommer einen Spielplatz zu haben und dies sei Stand jetzt auch realistisch. Die Gemeinderatskommission könne an einer ihren nächsten Sitzungen über die Freigabe des Kredites beschliessen für ein gemeinsames Projekt von Baudirektion und ISG. Den beschlossenen Kreditrahmen könne man einhalten, auch wenn Wasseranschluss und WC vorgesehen sei. Ein Baugesuch soll zudem erst publiziert werden, wenn die Anrainer (Christkatholische Kirche und Minigolf) informiert seien.

Auch seitens der ISG hofft man, dass mit dem Bau des Spielplatzes möglichst bald begonnen werden kann, meint Chantal Heusser, Verantwortliche für die Quartierspielplätze. Die Verzögerung habe sich nicht zuletzt daraus ergeben, dass man die Mittel für die Möblierung des Platzes nicht habe. «Der zunächst angedachte Wagen war für uns zu teuer», meint Heusser. Auch die jetzt beschlossene Hütte koste den Verein 57000 Fr. und werde von der ISG aus eigenen Mitteln bezahlt. Dazu kämen die Kosten für das Mobiliar. «Wir konnten vom alten Standort lediglich das Bastelmaterial übernehmen, die andere Inneneinrichtung war verrottet», erklärt Heusser. «Wir brauchen also sicher noch Sponsoren.»

Offene Fragen bei Leistungsvereinbarung

Hinsichtlich der Leistungsvereinbarung sieht Heusser ebenfalls noch offene Fragen, beispielsweise, ob die Stadt qualifizierte Pädagoginnen für die Betreuung des Spielplatzes erwarte. Dies sei zurzeit in der Regel nicht der Fall. «Diese Auflage hätte natürlich Auswirkungen auf die Kosten». Der Leistungsauftrag soll überdies gemäss Heusser nur den neuen Spielplatz umfassen. «Wir haben bisher die anderen Spielplätze ehrenamtlich betreut und gedenken dies auch weiterhin so zu handhaben.»
Ob dies den Erwartungen der Stadt entspricht, ist fraglich. Laut Brotschi wurde die kantonale Koordinationsstelle für Kinder- und Jugendfragen konsultiert. Die Stadt erwarte auch ein Controlling zu den Aktivitäten auf den Quartierspielplätzen. «Wir möchten wissen, wie und vom wem die Angebote genutzt werden.»

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