Der 68-jährige Grenchner Medienberater und Moderator Dagobert Cahannes ist seit vielen Jahren die Stimme zahlreicher nationaler und internationaler Sportanlässe. Am Schlusstag der Lauberhornrennen wurde er geehrt: Von seinem Nachfolger Rainer Maria Salzgeber, von den Veranstaltern und nicht zuletzt von vielen Athleten. Warum er eine persönliche Beziehung zu vielen Fahrern aufbauen konnte, erzählt er Michael Grossenbacher im TalkTäglich von TeleBärn.

"Der Respekt vor den Athleten", darauf führt Dagobert "Dago" Cahannes seinen Erfolg bei den Sportlern zurück und erzählt, wie Ski-Legende Ivica Kostelic in Wengen die Strasse überquerte, um ihn mit einer Umarmung zu verabschieden. In Wengen zeigten sie ihm ihre Wertschätzung mit einer Reihe von Bildern, die "Dago" mit den Fahrern zeigt.

Rennfahrer Marco Büchel überredete er nach seinem letzten Rennen in Wengen seine Emotionen mit dem Publikum im Zielbereich zu teilen, worauf Cahannes unmittelbar mit dem Interview startete und die Leute zu Tränen rührte.

Marcel Hirscher rührte hingegen Cahannes zu Tränen, wegen dessen starken Händedrucks. "Ein schmerzhaftes Erlebnis, denn ich habe Arthrose in den Fingern", so "Dago". Seither grüssen sich die beiden, indem sie sich kumpelhaft mit den Fäusten berühren.

Cahannes stellt klar, dass Speaker nicht eine Einmannshow bedeutet. Hinter ihm steht mittlerweile ein ganzes Team mit Regie, Ton und Bild sowie Assistenz, um in Wengen das Publikum vor Ort über Lautsprecher und Leinwand zu unterhalten. 

Was tun, wenn ein Fahrer verunglückt? "Ruhig bleiben", so Cahannes. Die Musik muss abgestellt werden, es darf keine Werbung ausgespielt werden. Zudem muss eine saubere Kommunikationsverbindung zum Organisationskomitee stehen. Von Spekulationen um den Gesundheitszustand sei abzusehen. Es brauche auch viel Fingerspitzengefühl nach so einem Moment zu merken, wann man "wieder Gas geben" kann bei der Moderation.

Cahannes erzählt auch die Geschichte, wie ein Schwinger an einem Anlass an einem Herzinfarkt verstarb und wie er den nächsten Wettkampftag angemessen einmoderierte - ohne übertriebene Emotionen und aufpeitschende Musik. Eine ganze Nacht lang habe er überlegt, wie er dem traurigen Umstand gerecht werden und den Anlass trotzdem weiterführen könne. Und dann merkte er, wie das Publikum den schweren Moment aufgriff und würdigte, indem sich alle zum Gedenken an den Verstorbenen von den Sitzen erhoben. Da habe es ihn geschüttelt vor Rührung.

Cahannes, der gebürtige Ostschweizer, der seit 50 Jahren in Grenchen wohnt, hat 82 Länderspiele der Fussball-Nationalmannschaft am Mikrophon begleitet. Bei Eidgenössischen Schwingfesten prägte er den Begriff "Manne ad Arbet". Diesen Satz - er ist auch nach Cahannes Rücktritt als Speaker noch Kult - sagte er jeweils wenn der Gong erklang, der Startschuss für die einzelnen Durchgänge.

Ist Speaker-sein eine Kunst? Cahannes will nicht angeben, sagt aber: "Es ist ein Handwerk, das man beherrschen muss." (jk)