Grenchen

Soll App die Parkuhren gänzlich ablösen?

Diese Parkuhr an der Centralstrasse wird demnächst abmontiert.

Diese Parkuhr an der Centralstrasse wird demnächst abmontiert.

Ein Teil der Parkuhren in Grenchen wird ausser Betrieb genommen. Die Barbezahlung bleibt jedoch weiterhin möglich.

Ein Plakat neben der Parkuhr unterhalb des Viadukts an der Centralstrasse und eines, das bis vor kurzem beim Südbahnhof vor dem Schuhmachergeschäft Kliegl stand, machte darauf aufmerksam, dass die betreffenden Parkuhren bereits Anfang Februar ausser Dienst gestellt werden und man stattdessen die Parkgebühren per Smartphone bezahlen soll. Konkret über die App von «Parking Pay», die an dieser Stelle bereits vorgestellt wurde.

Stefan Kliegl machte seinem Ärger Luft und wandte sich in einem Schreiben an Christian Ambühl, den Kommandanten der Stadtpolizei Grenchen. «Wie sollen Leute ihre Parkgebühr zahlen, die keine App haben?» Er sei zwar einer der Ersten, welche diese App heruntergeladen haben, aber nun sei das eingetroffen, das er befürchtet habe, und dies nur knapp ein Jahr nach der Einführung der Apps. «Ist das bürgernahe?»

App statt Parkuhren?

Tatsächlich kommen einige Parkuhren bereits per 5. Februar weg, wie Ambühl auf Anfrage mitteilt. Konkret sind es auf diesen Zeitpunkt deren zwei, nämlich die beim Viadukt an der Centralstrasse und eine Parkuhr südlich des Bahnhofs Süd an der Riedernstrasse. Doch damit sei der Prozess noch nicht abgeschlossen, erklärt Ambühl: «Die Parkuhren werden ausgedünnt: Von insgesamt 43 auf dem Stadtgebiet werden wir auf 26 runtergehen.»

Das hat plausible Gründe: Der eine Typ Parkuhr, das Modell «Tom», ist vom Hersteller bereits aus dem Sortiment gekippt worden. Von den 28 Geräten, die in Grenchen vorhanden sind, hat die Hälfte die maximale Lebensdauer in spätestens drei Jahren erreicht. Ein vollständiger Ersatz würde die Stadt rund 250'000 Franken kosten.

Eine Viertelmillion kann also gespart werden, indem man diese Modelle nach und nach ausser Betrieb nimmt und durch modernere Zahlungsmethoden ersetzt. Moderner heisst, entweder wird die Bezahlung übers Handy per Parking Pay-App getätigt oder man füttert neue Parkuhren, die eine grössere Anzahl von gebührenpflichtigen Parkfeldern abdecken können, so wie man das seit rund eineinhalb Jahren an der Marktstrasse praktiziert. Nicht nur die Anschaffungskosten für den Ersatz der veralteten Parkuhren können eingespart werden, auch die Unterhaltskosten von jährlich 35'000 Franken würden faktisch halbiert, sagt Ambühl.

Wird man also an gewissen Orten nur noch übers Handy bezahlen können? Tatsächlich gibt es auch in Grenchen viele Leute, die noch kein Smartphone ihr Eigen nennen und von daher etwas aufgeschmissen wären. «Nein», versichert Ambühl: «Praktisch auf dem ganzen Stadtgebiet kann man auch in Zukunft mit Bargeld die Parkgebühr bezahlen. Nur muss man unter Umständen ein paar Meter weiter gehen, um zu einer Parkuhr zu gelangen.»

Nur südlich des Südbahnhofs, im Gebiet bei den Stadien und rund um die SWG werden alle Parkuhren wegfallen. Dort wird man künftig nur über die Parking Pay-App bezahlen können. «Dort sind ausschliesslich Langzeitparkplätze. Diesen Leuten kann man es zumuten, mit der App zu bezahlen», sagt Ambühl. Immerhin: Die erste Viertelstunde bleibt vorläufig gratis und man bezahlt nur die effektive Parkzeit, wird sogar daran erinnert, wenn die Parkzeit abläuft.

Für jedes Smartphone

Die App der Firma Digital Parking gibt es für Apple iPhones und für Android-Smartphones. Aber auch andere Mobiltelefone können verwendet werden, solange sie Zugang zu einem Browser bieten, erklärt Reto Schläpfer, Geschäftsleiter und technischer Leiter bei Digital Parking AG, auf Anfrage. «Es genügt, mit irgendeinem Browser auf unsere Website www.parkingpay.ch zu kommen, dann kann man dort seine Gebühren genau gleich bezahlen, wie wenn man die App installiert hätte.» Nur mit ganz alten Handys funktioniere es nicht, aber er denke, da sei eine verschwindend kleine Anzahl Personen betroffen.

150 Schweizer Städte

Parking Pay ist inzwischen schon in über 150 Schweizer Städten und Gemeinden in Betrieb, und es kommen laut Schläpfer ständig neue dazu. Auch rund 160 Parkhäuser sind mit dem Zugangssystem von Parking Pay ausgerüstet, so zum Beispiel die Parkhäuser in Solothurn, die Aussenplätze bei der Tissot-Arena in Biel und vier Parkhäuser in der Stadt. Man stehe mit Biel und Lyss im Gespräch, das System grossräumig einzuführen. Grenchen, das die App flächendeckend eingeführt hat, habe eine gewisse Vorreiterrolle inne, sagt Schläpfer. Denn obwohl die Firma bereits seit 10 Jahren besteht und sich schon immer mit der bargeldlosen Bezahlung von Parkgebühren beschäftigt hat, sei es nicht einfach, ein solches System erfolgreich einzuführen.

Zumal die Konkurrenz aus dem Ausland nicht zu unterschätzen sei. Manche Städte arbeiteten mit dem System «Park Now» des BMW-Konzerns, mit «Pay by Phone» von VW oder einem anderen ausländischen System, erklärt Schläpfer. Aber diese Anbieter setzten voll auf Kreditkarte, und das komme in der Schweiz eben weniger gut an. «Der Schweizer Markt ist diesbezüglich noch viel konservativer. Der durchschnittliche Schweizer hat nicht gerne Schulden. Darum bezahlen über 50% unserer Kunden per E-Banking oder verlangen sogar Einzahlungsscheine bei uns, um ihr Konto aufzufüllen.»

Die Firma, eine Schwesterfirma der Parkuhrenhersteller Taxomex in Dietlikon und von Ballmoos in Horgen, evaluiert sogar eine enge Zusammenarbeit mit Twint, sodass künftig auch über dieses Zahlungssystem die Gebühren bezahlt werden könnten und die App nicht mehr nötig wäre. «Viele Leute stören sich daran, sich registrieren und ein Konto eröffnen zu müssen. Dem wollen wir Rechnung tragen.»

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