Vor ein paar Jahren ist aus «Frau Ramensperger» «Marlis» geworden. Nachdem sich eine junge Amtskollegin den Kindern mit dem Vornamen vorgestellt hatte, bot ihnen Marlis Ramensperger ebenfalls das du an, um Verwirrung zu vermeiden. Auf ihre Beziehung zu den Sonntagsschulkindern hatte das keinen Einfluss. Wenn sie sie im Dorf oder auf ihrem Balkon sehen, rufen die Kinder ihr einen fröhlichen Gruss zu und winken. «Ich habe mich in all den Jahren jede Woche auf den Sonntagmorgen gefreut. Ich habe mich nie gelangweilt», sagt die Seniorin im Rückblick. Höchstens, dass der eigene Gottesdienstbesuch zurückstehen musste, habe sie dann und wann bedauert.

Das Versprechen

Angefangen hatte alles im Alter von 19 oder 20 Jahren, nach den Haushaltslehrjahr und dem Welschlandaufenthalt. «Wir konnten den Beginn auf das Jahr 1959 datieren», erklärt Matthias Hochhuth, der Pfarrer der Kirchgemeinden Arch und Leuzigen. Marlis Ramensperger ergänzt: «Ich hatte dem damaligen Pfarrer versprochen, in der Sonntagsschule tätig zu werden. Den Kindern aus der Bibel zu erzählen, war und ist mir ein Herzensanliegen. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Sonntagsschule weitergeht, auch wenn meine Nachfolge noch nicht geregelt ist und Leuzigen vorerst nur noch eine Sonntagsschullehrerin hat.» 

Bei der Vorbereitung der Kinderkirche, wie das Angebot heute heisst, stützte sich Marlis Ramensperger auf das Heft «Der Weg zum Kind» des Sonntagsschulverbandes, in dessen Herausgeberkommission Pfarrer Hochhuth sich einige Jahre engagierte. Altersgerecht werden da der Verlauf des Kirchenjahres und Schwerpunktthemen für die Lektionen aufbereitet. «Die jüngsten Kinder liegen mir besonders, doch ich habe zu allen Altersgruppen ein gutes Verhältnis», sagt Marlis Ramensperger, inzwischen selbst Grossmutter.

Freiwillig macht froh

Die Kinder hätten sich über die Jahrzehnte nicht gross verändert. Das gelte auch für die unkomplizierte Beziehung zu den Eltern – eine Erscheinung, um die sie unzählige Lehrkräfte der Volksschule beneiden dürften. «Heute entscheiden die Eltern bewusst, ihr Kind in die Sonntagsschule zu schicken, früher gehörte das einfach dazu. Wahrscheinlich macht die Freiwilligkeit den Unterschied, auch bei den Kindern, die mit grossem Eifer bei der Sache sind», erklärt sie das gute Verhältnis. Geschichten erzählen, Singen, Beten, Basteln: Marlis Ramensperger, die sich beruflich bei der Spitex engagierte, betätigte sich bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Allrounderin.

Kleine Geheimnisse

Hunderte Kinder haben der Sonntagsschullehrerin ihr Herz ausgeschüttet und wissen ihre Anliegen dort gut aufgehoben. «Ich habe nie etwas gehört, weswegen ich hätte aktiv werden müssen», versichert sie. Dennoch sorgte das Leben gelegentlich für belastende Momente, etwa, wenn Marlis Ramensperger am Krankenbett eines ihrer Sonntagsschulkinder stand.

Zu den Höhepunkten ihrer Tätigkeit zählt sie das jährliche Sonntagsschullager von Leuzigen, Arch und Rüti und das Krippenspiel, das letzten Sonntag einmal mehr die Kirche Leuzigen füllte. Auch den Herbstausflug, mit dem die Kirchgemeinde die Flaute beim Sonntagsschulbesuch nach den Sommerferien überbrückt, wird sie vermissen. Nun, im Alter von Mitte siebzig, müsse sie aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten, bedauert Marlis Ramensperger und versichert, dass sie für Ablösungen weiterhin gern zur Verfügung stehe.