Fasnacht 2021

«Se la wi»: Grenchen hat ein augenzwinkerndes und «gspüriges» Motto

Nur einen Schnappschuss lang sind sie sich etwas nahe: Vizeobernarr Milton Faulhaber (links) und Obernarr Patrick Meier präsentieren die Finalisten bei der Motto-Kür.

Nur einen Schnappschuss lang sind sie sich etwas nahe: Vizeobernarr Milton Faulhaber (links) und Obernarr Patrick Meier präsentieren die Finalisten bei der Motto-Kür.

Das Grenchner Fasnachtsparlament nimmt seine Verantwortung wahr. Bei der Findung des neuen Fasnachtsmottos wurde auf politisches Geplänkel und Ränkespiele verzichtet. Das Motto lautet: «Se la wi».

«Se la wi» heisst das Fasnachtsmotto für die nächsten närrischen Tage. Mit viel Augenmass und äusserst speditiv erledigten die Delegierten der VFZ (Vereinigte Fasnachtszünfte Grenchen) ihre Aufgabe in nicht ganz einfachen Zeiten. Der zwar unverhohlene und dennoch irgendwie dezente Hinweis auf Grenchen als Brückenkopf zur französischen Sprache und damit einhergehend eine Reminiszenz an unsere «welschen» Mitbürgerinnen und Mitbürger, ohne die die frühere Uhren-und jetzige Technologiestadt kaum je zum Blühen gekommen wäre, hat übrigens durchaus Tradition. Erinnert sei hier an das Moto von 1982 «Duschuur a Schuur», kreiert von Fritz Flury, oder auch an «Sa Roule» (1988, Carlo Domeniconi).

Die Verantwortlichen der Fasnacht um Obernarr Patrick Meier standen vor der heiklen Aufgabe, ob und wie der Traditionsanlass vor Auffahrt durchgeführt werden könnte. Da die Delegierten der VFZ aber mitunter als eigentliches Parlament, das den regierenden Obernarren unterstützt, zu bezeichnen ist, hat man sich entschieden – natürlich nach Rücksprache mit dem städtischen Führungsstab – unter Einhalt von klaren Verhaltensregeln die Abstimmung doch ordnungsgemäss abzuhalten. So fanden sich denn die 31 Stimmberechtigten auf der Tribüne des altehrwürdigen «Brühl», das mit seinen Tausenden von Sitzplätzen wahrlich prädestiniert ist, die Abstandsregeln einhalten zu können. Hygienemassnahmen und ein klares Schutzkonzept waren selbstredend ebenfalls etabliert worden.

Dazu verzichtete man auf das sonst übliche Vorspiel, in welchem sich die Delegierten normalerweise in sportlicher Fitness, kulturellem und politischem Wissen in einem Gruppenwettkampf massen. Auch sonst waren sich die Abgeordneten der Zünfte ihrer Verantwortung bewusst. Auf politische
Geplänkel, überfraktionelle Absprachen, Rückkommensanträge und weitere zeitraubende Ränkespiele wurde verzichtet. Vizeobernarr Milton Faulhaber hatte so im Gegensatz zu früheren Jahren relativ leichtes Spiel.

Dies hing auch damit zusammen, dass aus den gut 150 Vorschlägen (wobei ein Drittel via soziale Medien vom «gewöhnlichen» Narrenvolk eingegangen war) sich schon bald ein klarer Favorit herauskristallisierte. Keine Gnade fanden vor den Abgeordneten Vorschläge, die sich – wenn auch hie und da ziemlich gewitzt – mit der nun herrschenden Situation beschäftigten. Auch Evergreens «böimig» und durchaus reizvolle lautmalerische Versuche «pandamanda» wurden nicht goutiert. So standen sich nach rekordverdächtig kurzer Zeit «Mah Meh!», «Säg Sali» und schliesslich das eben haushoch gewählte «Se la wi» in der endgültigen Ausmarchung gegenüber.

Bereits konnte auch der Plakettenkünstler präsentiert werden, der die Veranstaltung sichtlich genoss. Mit Hanspeter «Schumi» Schumacher hat sich ein Vertreter des Genres zur Verfügung gestellt, der über eine grosse Reputation weit über die Region hinaus verfügt. Er ist unter anderem Kulturpreisträger (2011) der Stadt und Region Grenchen. Und noch etwas: Wie die Lage im kommenden Februar aussehen wird, kann nun wirklich niemand mit Bestimmtheit voraussagen. Deshalb wird darauf verzichtet, die Plakette mit der Jahreszahl zu versehen.

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