Eingeladen zum Leichenschmaus hat die Witwe Lina Achermann – und zwar im engsten Familienkreis. Es treffen sich, neben der Gastgeberin, die Schwester des Verstorbenen Anna sowie deren Bruder Ernst mit Frau und zwei Kindern. Im angesagten Gourmet-Restaurant zur «goldige Birre» geht es dann schon schnell nicht mehr sehr distinguiert zu. Ein jeder und eine jede ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht, man kriegt sich trefflich in die Haare, spart nicht mit Sticheleien und Vorhaltungen. Die Zuschauer kommen in den Genuss von viel Situationskomik, witzig-ironischen Dialogen und harren mit Spannung der finalen Auflösung. Vor allem: Was ist eigentlich des Verstorbenen letzter Wunsch?

Regisseur Walter Stutz hat das eh schon ziemlich unverblümte Bühnenwerk bewusst und lustvoll derb inszeniert und mit einigen originellen Ideen versehen. Die augenfälligste ist dabei, dass er das Geschehen – jeweils beim Auftragen eines neuen Ganges – einfrieren und so den Zuschauenden und den Akteuren Zeit zum Durchschnaufen lässt.

Viel Bühnenpräsenz

«Siin letschte Wunsch» ist für die Schauspielerinnen und Schauspieler ein ungemein forderndes Stück, sind sie doch beinahe unentwegt auf der Bühne präsent, auch wenn der nächste Einsatz noch einen Moment dauert. Da ist vollste Konzentration gefordert. Umso höher ist die Leistung der Akteure einzustufen.

Famos und mitreissend gibt Pia Schild die bigotte Anna, eine vordergründig frömmelnde Jungfer, die mit zunehmendem Alkoholkonsum so richtig auftaut. Beat Jeannerat verkörpert authentisch deren Bruder Ernst, dem es ganz offensichtlich nicht ganz wohl in seiner Haut ist und dies nicht nur, weil er währschafte Kost dem aufgetischten Feinschmecker-Mahl vorgezogen hätte.

Felisa del Rio agiert ebenso souverän in der Rolle der tratschenden und besserwisserischen Ehefrau Sophie, die überdies keinen Stolperstein auslässt, den Fremdwörter und ihre Bedeutung nun einmal in den Weg stellen. Stark auch die beiden Debütierenden Brian Schild und Lisa Schädeli als (erwachsene) Kinder des Ehepaares. Er spielt glaubwürdig den etwas eitlen Typ Michael, der sich möglichst schnell an eine Party verdünnisieren möchte; sie interpretiert mit viel Verve die ökologische Hardcore-Aktivistin Corinne, die ihre nächste Zukunft ebenfalls nicht in der Familienrunde, sondern an einer Demo sieht.

Ausdrucksstark stellt Robert Koch zudem den überkandidelten Wirt dar, der ob der Ignoranz seiner Gäste so langsam, aber ganz sicher die Nerven verliert. Alexandra Hauser zeigt ihr Talent als Kellnerin Irma, die ein «süsses» Geheimnis hütet. Die Einzige, die in diesem Tollhaus einigermassen überlegt handelt und auch trauert, ist die Witwe Lina, abgeklärt dargestellt von Béatrice Brühlmann.

Für einmal eine stumme Rolle ist Bruno Meier zugedacht. Als Oberkellner macht er auch dank seines Rhythmusgefühls und seiner nonverbalen Fähigkeiten eine gute Figur, ebenso wie Bruno Bürgi als Koch und Partner des Gastwirtes.

Autor ist Diplomat

Das Stück stammt übrigens aus der Feder von Roland Moser, der im «zivilen» Beruf als Diplomat für die Eidgenossenschaft tätig ist und mit seiner Schreibe offensichtlich einen Ausgleich gefunden hat, denn «Siin letschte Wunsch» ist ein herrlich undiplomatisches Schauspiel, bestens umgesetzt vom Team der Schopfbühne.

Vorstellungen: März 3. /10. /11. /16. /17. /24. /25. /29.; April: 3. /6. /7. /8. /13. /14. /15. /19. /21. /22. /28. /29. jeweils 20.00 h, sonntags 17.00 h.