Wenige Hundert Meter hinter der Kantonsgrenze steht das Jurahaus, bestehend aus dem Altbau «Ferme» und dem Neubau «Annexe». In Massenschlägen und Mehrbettzimmern kann das Lagerhaus bis zu 104 Personen unterbringen, doch die Gäste, die vom Bachtelen kommen, sind längst nicht so zahlreich. Deshalb soll das Jurahaus weiterhin Vereine und Schullager beherbergen. Die Einnahmen, die sie bringen, kommen der Renovation der Ferme zugute. Diese braucht ein neues Dach, dichte Fenster und eine Modernisierung der Küche.

Dabei kommt das Timeout-Angebot ins Spiel. Der einstige Wohngruppenleiter Guy Petitat, der das Haus zusammen mit seiner Frau Carmen leitet, erklärt: «Mit dem Projekt «Zentrum für Arbeit und Pause ZAP» verfolgt das Bachtelen hauptsächlich zwei Ziele. Erstens das Timeout vom Schulunterricht und zweitens Hilfe bei der Berufsfindung für unsere Klassen.»

Zöglinge zeigen ihre beste Seite

Kinder und Jugendliche im Timeout werden nach Aussage von Guy Petitat überall eingesetzt, wofür sie sich eignen, bei Arbeiten im Garten, im Haus oder auf dem benachbarten Bauernhof. «Wir haben eine ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit diesen Nachbarn. Sie vertreten mich in den Ferien auch im Lagerbetrieb.» Bei der Betreuung von Timeout-Schülern braucht Guy Petitat keine Ablösung, auch wenn er mit seiner Familie jeweils nur für kurze Zeit im Lagerhaus wohnt. Timeouts finden nur während der Schulzeit statt.

Jedes zweite Wochenende betreut die Familie Petitat zudem diejenigen Bachtelen-Zöglinge, die das Weekend nicht daheim verbringen können. Da leisten die kleinen Töchter (3- und 1-jährig) des Leiterpaars einen wertvollen Beitrag. «Es ist spannend zu beobachten, wie fürsorglich sich Kinder und Jugendliche, die im Alltag recht ruppig sein können, um die Kleinen kümmern.» Begeistert erzählt Guy Petitat auch vom Arbeitseinsatz des Foyer Jeunes Femmes, das innert weniger Tage den Saal im Annexe frisch gestrichen hat. Das Ergebnis braucht den Vergleich mit der Arbeit von Profis nicht zu scheuen.

Vor erster Bewährungsprobe

Dank diesen Hilfskräften konnte seit dem Start des Bachtelenprojekts letztes Jahr der Altbau mit neuen Matratzen versehen werden. Doch damit wollen sich weder das Sonderpädagogische Zentrum für Verhalten und Sprache begnügen, noch Bernhard Schoch, dessen Stiftung das Jurahaus gehört. Dieses steht dem Bachtelen gratis zur Verfügung. «Ich bin ein bisschen ungeduldig. Wir sind noch nicht da, wo ich es gerne hätte», sagt der Burgdorfer mit entwaffnender Offenheit.

Dabei findet eine wichtige Etappe Ende Juni ihren Abschluss, wie Guy Petitat erläutert. Erstmals würden Jugendliche vom Bachtelen das Kader einer Firma bei dessen Retraite bekochen, tatkräftig unterstützt vom Küchenchef und der Betriebsleiterin aus Grenchen. «Bei der Berufsfindung wollen wir Alltagserfahrungen ermöglichen. Das Schwergewicht liegt auf der Küche.» Glückt das Experiment mit dem Geschmack von Managern und Co., will sich das Bachtelen im Jurahaus aufs Kochen für Gruppen spezialisieren. «Ziel ist, ab dem neuen Schuljahr ständig ein Team im Annexe zu haben.»

Guy Petitat ist sich bewusst, dass man im Bachtelen das benötigte Personal nicht von den Apfelbäumen pflücken kann. Dennoch ist er zuversichtlich, dass genügend Kapazitäten für den Jura freigemacht werden können.

www.jurahaus.ch