Baumfällen

Ritsch, ratsch und der Baum ist weg: Warum im Grenchner Wald ein Harvester zum Einsatz kommt

Der Forstdienst der Bürgergemeinde Grenchen hatte für zwei Tage einen Vollernter im Einsatz. Revierförster Patrik Mosimann erklärt, weshalb.

Ein Ungetüm auf Raupen bewegt sich durch den Wald in der Nähe des Vita-Parcours. Keineswegs leise. Der Motor dröhnt. Die Raupen wühlen den gefrorenen Boden aber kaum auf. Ab und zu greift der 8 Meter lange Greifarm seitwärts in den Wald und packt einen Baum. Zack! Und schon ist er knapp über der Wurzel durchgesägt – eine spezielle Säge unten am Greifer erledigt das im Nu.

Dann wird der gesamte Baum zu einer freien Stelle geschwenkt. Innen am Greifer sorgen scharfe bezahnte Räder dafür, dass der Stamm innerhalb des Greifers in beide Richtungen bewegt werden kann. Dabei werden Sägen in Gang gesetzt, die den Stamm von allen Ästen befreien. Ratsch, der Stamm liegt blank. Jetzt wird er wieder im Greifer von der einen auf die andere Seite bewegt und mit der Säge in gleich lange Stücke zersägt.

Schwere Maschinen sind im Wald der Bürgergemeinde Grenchen am Werk

Schwere Maschinen sind im Wald der Bürgergemeinde Grenchen am Werk

«Vollernter machen alle Arbeitsgänge des Holzfällens in einem einzigen Arbeitsgang», erklärt Patrik Mosiman, Revierförster bei der Bürgergemeinde. «Das ist für uns die rationellste Art, das Holz zu ernten», erklärt er. Der Forstbetrieb der Bürgergemeinde mietet jeden Winter einen Vollernter. «Normalerweise für eine Woche im Februar, aber als sich die Kältewelle vor etwa einer Woche ankündigte, reagierte ich rasch und reservierte einen Vollernter für zusätzliche zwei Tage.»

Die schwere Maschine und der noch schwerere «Forwarder», ein zweites, vierachsiges Ungetüm, das die vorbereiteten Stämme auflädt, fahren stets auf denselben Wegen durch den Wald. «Der Forwarder wiegt voll beladen um die 35 Tonnen. Deshalb bleiben die Maschinen immer auf denselben Wegen, um den Waldboden nicht unnötig zu verdichten», erklärt Mosimann. Der Vollernter mit Raupen eignet sich besonders gut für steiles Gelände. Bäume, die ausserhalb der Reichweite des Greifarms liegen, werden von Mitarbeitern des Forstbetriebs «zugefällt», sodass der Greifer sie dann packen kann.

Pro Tag verarbeitet die Maschine rund 100 Kubikmeter Holz, das sind zwischen 100 und 200 Bäume, je nach ­Dicke. Bedient wird die Maschine von einem Spezialisten, der «im Mietpreis» – rund 400 Franken pro Betriebsstunde – inbegriffen ist. Vieles ist computergesteuert, wie zum Beispiel die Längenschnitte, je nach Wunsch des Auftraggebers.

Kein Kahlschlag mehr, sondern Dauerwald

Der Grenchner Wald wird als sogenannter «Plenterwald» bewirtschaftet. Ein Plenterwald ist ein relativ dichter Wald, der hauptsächlich aus Bäumen besteht, die wenig Licht benötigen: Tannen, Fichten und Buchen. Auf den 930 Hektaren bewirtschafteter Waldfläche, die der Bürgergemeinde Grenchen gehören, verzichtet man auf grossflächige Räumungen, bei denen alle Bäume gefällt, verwertet und anschliessend wieder junge Bäume gesetzt werden. Stattdessen setzt man darauf, nur einzelne Bäume zu fällen oder entfernt nur kleine Gruppen von Bäumen.

Das hat zur Folge, dass nachwachsende Bäume, die im Schatten der älteren und grossen Bäume schon eine ansehnliche Grösse erreicht haben und entsprechend widerstandsfähig sind, mehr Licht erhalten, schnell wachsen und den Platz einnehmen.

«Das Ziel dieser Art der Bewirtschaftung ist ein struktur- und artenreicher Wald», erklärt Mosimann. Ausserdem bringe diese Art der Bewirtschaftung auf der gesamten Waldfläche dauernd einen hohen Holzzuwachs.

Der Einsatz von Vollerntern eignet sich besonders an Orten, wo vor rund 30 Jahre der Wald stellenweise komplett kahl geschlagen und neu aufgeforstet wurde. Aber auch dort nimmt man nur einzelne Bäume heraus, um das System Dauerwald auch dort langfristig zu erreichen. «Wir haben im Bergwald einen Turnus von 12 Jahren, im Talwald machen wir das alle sechs Jahre.» Ein Grossteil der Bäume, die gefällt werden, sind Eschen. Sie alle leiden am Eschentriebsterben. Gegen die Krankheit, verursacht von einem aus Ostasien eingeschleppten Pilz, gibt es kein Mittel. Der hochinfektiöse Krankheitserreger breitet sich seit dem Jahr 2000 in ganz Europa aus.

Die Esche, nach der Buche der zweithäufigste Laubbaum in der Schweiz und seit Jahrtausenden ein vielseitig genutzter Holzlieferant für Werkzeuge und Sportgeräte, wird grösstenteils aussterben. Insbesondere beim Vita-Parcours nimmt der Vollernter alle Eschen raus. «Die Bäume sind zum Teil schon dürr und drohen, umzufallen. Wir müssen sie nur schon aus Gründen der Sicherheit entfernen.» Einzelne Eschen, die nicht nahe am Vita- Parcours gewachsen sind, lasse man stehen in der Hoffnung, dass sie eventuell doch überleben. Aber selbst Bäume, die gesund aussähen, hätten bereits Pilzbefall an den Wurzeln und seien am Absterben, erklärt der Revierförster.

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