Caritas

Projekt zur Flüchtlingsbegleitung: «Co-Piloten» in Grenchen gesucht

Der Infoanlass Anfang März konnte mit Sicherheitsabstand noch durchgeführt werden.

Der Infoanlass Anfang März konnte mit Sicherheitsabstand noch durchgeführt werden.

Caritas Kanton Solothurn hat 2016 mit einem Projekt zur Flüchtlingsbetreuung begonnen. Freiwillige begleiten dabei Flüchtlinge und Migranten während mindestens eines Jahres. Das Projekt hat im Kanton schon an verschiedenen Orten Fuss gefasst. Jetzt soll auch eine Gruppe in Grenchen gegründet werden.

Luzia Meister, Stadtschreiberin und Integrationsbeauftragte der Stadt Grenchen, lud zu einem Anlass ein, an dem über das Projekt «Co-Piloten» informiert wurde. So nennt sich die von Caritas durchgeführte Initiative. «Es handelt sich um ein Mentoring-Projekt für erwachsene Flüchtlinge mit einer gewissen Aussicht, länger in der Schweiz bleiben zu können. Für sie ist es wichtig, dass sie sich mit den Schweizer Gepflogenheiten vertraut machen können», sagte Annette Lüthi von der Caritas an der Informationsveranstaltung im Schulhaus IV, die von rund 20 interessierten Personen besucht wurde. Der Anlass konnte – mit gebührendem Sicherheitsabstand der Teilnehmer, noch vor dem Veranstaltungsverbot durchgeführt werden.

136 Flüchtlinge werden schon begleitet

Lüthi informierte, dass das 2016 gestartete Projekt im Kanton inzwischen 136 Flüchtlinge in sogenannten «Tandems» begleitet werden oder in den Begriffen des Projekts: für 136 Piloten (Flüchtlinge) ebenso viele Co-Piloten (Begleiter) im Einsatz sind. Diese sind in neun lokalen Gruppen organisiert und mit ihren Schützlingen – das können Einzelpersonen oder Familien sein – während mindestens eines Jahres unterwegs. Sie erklären ihnen dabei, wie der Alltag in der Schweiz funktioniert. «Das kann verschiedene Bereiche umfassen vom Lösen eines Bustickets über Hilfe bei administrativen Kontakten, bei der Wohnungssuche oder im Verhältnis Schule-Elternhaus bis hin zur Jobsuche», erklärte Lüthi.

Die zur Begleitung geeigneten Personen werden dabei von der Caritas vorgeschlagen und an einem sogenannten «Matching-Day» mit ihren Co-Piloten bekanntgemacht. «Wir setzen bei den Migranten voraus, dass sie sich sprachlich verständigen können und auch motiviert sind, Unterstützung anzunehmen.»

Zeit investieren ist das Wichtigste

Die einheimische Co-Pilotinnen und -Piloten müssten ihrerseits gut integriert sein und gewillt, sich mit fremden Lebensrealitäten auseinanderzusetzen. Die meisten Migranten kommen heute aus Syrien, Eritrea und Afghanistan. «Das Wichtigste ist, dass man regelmässig Zeit mit den Flüchtlingen verbringt. Wir erwarten, dass man sich mindestens zweimal monatlich trifft, um die anstehenden Dinge zu besprechen.» Caritas bereitet die Freiwilligen an zwei Einführungsabenden auf ihre Aufgabe vor, veranstaltet ein weiteres Austauschtreffen und leistet Spesenentschädigungen. Auch ein Sozialzeitausweis wird ausgestellt.

In einem zweiten Teil berichtete Erwin Egli von seinen Erfahrungen als Co-Pilot. Der ehemalige Grenchner Schuldirektor begleitet seit 2016 einen jungen Eritreer, der inzwischen vor dem Abschluss seiner zweijährigen Einführungslehre als Logistiker steht. Dabei habe er durchaus auch turbulente Zeiten mit seinem Zögling erlebt, wie Egli einräumte. Die Gratifikation, einem jungen Menschen beim Start in einer für ihn fremden Umgebung zu helfen, wiege das für ihn aber längstens auf.

Aus den Kontakten kann Freundschaft entstehen

Dies äusserte sich auch darin, dass Egli den jungen Mann nun schon weit länger als das vorgesehene eine Jahr begleitet. «Wir besuchen uns auch gegenseitig und er hat bei uns gelernt, dass in der Schweiz auch Männer in der Küche stehen und kochen», berichtete Egli schmunzelnd. «Dass sich längere Freundschaften entwickeln, kommt regelmässig vor», erklärte Lüthi dazu. Dennoch halte man an der möglichen Beendigung der Kontakte nach einem Jahr fest. Damit senke man auch die Hürden, um sich auf diesen Schritt überhaupt einzulassen. Nur selten komme es vor, dass ein Tandem wegen persönlicher «Inkompatibilität» vorzeitig beendet werde.

Einige Veranstaltungsbesucher zeigten sich spontan interessiert, am Co-Piloten-Projekt mitzumachen. Es werden aber noch weitere gesucht. «Es wäre schön, wenn wir in Grenchen mit einer Zehnergruppe starten könnten», meinte Luzia Meister. Die Idee ist, dass sich Leute aus Grenchen um Flüchtlinge in Grenchen kümmern. Es seien aber auch Teilnehmer der Nachbargemeinden (z. B. Lengnau, Bettlach) willkommen.

Projekt durchziehen – trotz Corona

Die Informationsabende wurden ursprünglich für den 21. April (unverbindlicher Informationsabend) und 28. April (Matching-Day) vorgesehen. Ob sie im Zuge der Coronamassnahmen durchgeführt werden, oder auf später verschoben werden müssen, ist laut Luzia Meister derzeit noch nicht klar. Dass das Projekt in Grenchen dieses Jahr gestartet werden kann, bleibe aber das Ziel.

Laut Luzia Meister richtet sich das Projekt auch an Personen, die bereits in Kontakt mit Migranten sind. «Sie können dann vom Wissen der Caritas und dem Erfahrungsaustausch mit anderen Teilnehmern profitieren.

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