Grenchen

Problem Parkplätze: Ein Quartierladen kämpft ums Überleben, ein anderer mit Chaos

Kein einziger eigener Parkplatz: Der Schmelziladen mit Postagentur ist auf öffentliche Parkplätze angewiesen.

Kein einziger eigener Parkplatz: Der Schmelziladen mit Postagentur ist auf öffentliche Parkplätze angewiesen.

Die Parkiersituationen bei Grenchner Quartierläden bringen Gemüter in Wallung. Der Laden im Schmelziquartier kämpft wegen einer Baustelle vor dem Haus ums Überleben. Im türkischen Günes-Supermarkt ist derweil der Andrang trotz 14 eigenen Parkplätzen am Wochenende so gross, dass es zu chaotischen Situationen kommt.

Auch Quartierläden müssen in der «Autostadt Grechen» genug Parkplätze haben, wenn sie überleben wollen. Aber: Zu viel motorisierte Kundschaft ist auch nicht gut und provoziert sogar politische Interventionen. Zwei Beispiele aus dem Norden und dem Süden der Stadt.

Schauplatz 1: der Maxi Laden von Hüseyin Akduman im Schmelzi-Quartier. Der Detaillist mit Postagentur hat sich letztes Jahr im Quartier etabliert und ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Seit aber an der Schmelzistrasse und an der Kirchstrasse gebaut wird, herrscht bei ihm Krisenstimmung. «Ich habe seit Anfang Jahr Zehntausende Franken an Umsatz verloren, und das kann ich belegen», beklagt sich der Ladenbetreiber. Weil aufgrund der Bauarbeiten und dem Rotlichtsignal keine Autos mehr direkt vor dem Laden abgestellt werden konnten, sei der Umsatz total eingebrochen. Schlimmer noch: Auch etliche Parkplätze hinter dem Feuerwehrmagazin und auf der Schild-Hugi-Strasse seien durch die Baustelleninstallation bis auf weiteres belegt. «Die Situation wurde für mich existenziell, und ich musste eine Mitarbeiterin entlassen.»

Problem zu viele Kunden?

Schauplatz 2: der Günes-Markt an der Schlachthausstrasse. Die ehemalige Coop-Filiale ist heute ein Spezialitäten-Geschäft der türkischen Community aus einem weiteren Einzugsgebiet. Besonders an Wochenenden herrscht dort Hochbetrieb, und die Parkplätze sind, gelinde gesagt, gut ausgelastet. Einige werden gar für das Angebot von Waren benutzt, was die Situation angeblich noch prekärer macht. Denn hier kommen – mehr wohl noch als beim Schmelziladen – die meisten Kunden mit dem Auto. Was Gemeinderätin Nicole Hirt (GLP) auf den Plan rief, die in einer kleinen Anfrage Konfliktpotenzial ortete. Die Situation sei gefährlich und müsse hinsichtlich Verkehrs-, Lärm-, Abgas- und Parksituation verbessert werden.

14 Parkplätze und dennoch bisweilen ein Chaos: Günes-Supermarkt an der Schlachthausstrasse.

14 Parkplätze und dennoch bisweilen ein Chaos: Günes-Supermarkt an der Schlachthausstrasse.

Bisher keine Beschwerden

Die Polizei sieht es weniger dramatisch: Es seien bisher keine Beschwerden eingegangen, und die Verkehrsunfallstatistik zeige auf diesem Abschnitt keine Auffälligkeiten, heisst es in der Antwort der Stadt auf den Vorstoss. «Es wurden keine Unfälle festgestellt.»

Zurück zum Schmelziladen: Das Problem scheint hier ein echtes zu sein, wenn auch nur ein temporäres. Die Stadt habe ihm beschieden, dass er sich in sein Schicksal fügen müsse, da auch andernorts auf Stadtgebiet immer wieder Gewerbebetriebe von Bauarbeiten betroffen seien, erzählt der Ladenbetreiber weiter. Und entgegen den Zusicherungen der Stadt verliere er nach den Umbau nun doch einen Parkplatz vor dem Haus.

Keine eigenen Parkplätze

Stadtbaumeister Aquil Briggen dementiert dies: Es würden genau gleich viele Parkplätze markiert wie zuvor. Die Stadt hatte sogar, um keine Parkplätze aufheben zu müssen, extra eine bauliche Sonderlösung für die neu behindertengerechte Bushaltestelle Schmelzi gefunden (wir berichteten). Unter Vorbehalt der Witterung werde der Deckbelag am 27. Juni aufgebracht. Danach werden bis Mitte Juli die Markierungen angebracht und die Baustelleninstallationen weggeräumt.

Zum Thema Parkplätze fällt bei den zwei Standorten noch etwas auf: Der Günes-Markt an der Schlachthausstrasse hat nicht weniger als 14 eigene (gelb markierte) Parkplätze, der Schmelziladen mit doch beträchtlichem Sortiment bzw. Ladenfläche laut Akduman keinen einzigen. Wie ist das möglich?

Es gibt keine Vorschriften

Während der Stadtbaumeister davon ausgeht, dass in der Tiefgarage der 1962 erstellten «Schmelzipost» die zu jener Zeit erforderlichen Parkplätze erstellt worden seien, ist der Stellungnahme der Stadt zur Situation beim Günes-Markt zu entnehmen, dass gar keine gesetzliche Vorgabe bestehe in Bezug auf Parkplätze in Verbindung zur Verkaufsfläche. Dies offensichtlich im Unterschied zu Wohnungen. Die Parkplätze vor dem Maxi-Laden sind öffentlich (weiss markiert) und können von jedermann genutzt werden, nicht nur von Kunden. Dies wird auch nach der Neumarkierung so bleiben. Eine Umwidmung in fest zugeordnete, gelbe Parkfelder – eine Hoffnung die Akduman im Gespräch äussert – ist offenbar nicht möglich. Gelbe Parkplätze können nämlich nur auf Privatgrund markiert werden.

Parkplätze zumieten

Was die Lage beim Günes-Supermarkt betrifft, sieht Gemeinderätin Nicole Hirt die Lebensqualität der Quartierbewohner durchaus beeinträchtigt. «Autofahrer mit Kontrollschildern aus der ganzen Schweiz biegen in die Bucheggstrasse ein, finden keinen Parkplatz, kehren um, bleiben auf der Schlachthausstrasse stehen und warten so auf einen freien Platz», beobachtet sie. Sie schlägt vor, dass die Firma Breitling (auf der anderen Strassenseite) die Parkplätze für ihre Angestellten am Wochenende für die Kunden des türkischen Supermarktes vermietet. Die Stadt sieht das als mögliche Variante.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1