Petitio.ch
392 Unterschriften für ein Impfzentrum in Grenchen

Die Online-Petition für ein Coronaimpfzentrum hat innerhalb eines Monats 392 Unterschriften generiert. Sind das nun viel oder wenig?

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen
Die Forderung nach einem Impfzentrum für Grenchen ist noch nicht verhallt.

Die Forderung nach einem Impfzentrum für Grenchen ist noch nicht verhallt.

Martial Trezzini / KEYSTONE

Es kommt drauf an, wie man es anschaut. Mit 392 Unterschriften ist die Petition die bisher in Grenchen mit Abstand meistbeachtete des Portals petitio.ch. Schon nach der Hälfte der 30-tägigen Laufzeit wurde die Mindestanzahl von 200 Unterzeichnungen erreicht.

In diesem Sinne erfolgreich waren in Grenchen erst zwei solcher Petitionen; eine im Jahr 2019 für die Rettung der Robinien auf der Solothurnstrasse und eine 2017 für die Beibehaltung der Glassammlung.

Andere Themata auf petitio.ch mit auf dem ersten Blick publikumsträchtigen Themen hatten in Grenchen kaum Echos ausgelöst, so eine Petition gegen 5G-Antennen oder für das Abschalten der Kirchenglocken in der Nacht.

Region Grenchen blitzte bisher ab

Einen Antrag der Stadt Grenchen, Bettlach und Selzach, dass es auch in der Uhrenstadt ein Impfzentrum gibt, hat der Regierungsrat abgelehnt. Ebenso hat der Kantonsrat in seiner letzten Session einen entsprechenden Vorstoss der Grenchner Kantonsrätin Nicole Hirt als nicht dringlich erklärt.

Mit dem Konzept des Kantons werde Grenchen, die zweitgrösste Region des Kantons, mitsamt dem nahegelegenen Bezirk Bucheggberg benachteiligt. «Es kann nicht sein, dass über 17'500 Einwohnerinnen und Einwohner nach Solothurn fahren müssen, um sich zu impfen», schreibt Petitio-Initiant Sascha Nussbaumer.

Brief an Regierungsrätin Susanne Schaffner

Nachdem die Sammelfrist abgelaufen ist und die nötige Unterschriftenzahl auf petitio.ch erreicht wurde, wurde vom Portal ein Schreiben mit dem Petitionstext an die zuständige Behörde ausgelöst – in diesem Falle an Regierungsrätin Susanne Schaffner.

Oder sollte man das besser unterlassen? Sind knapp 400 Internet-Unterschriften in einem Monat für ein Impfzentrum nicht eher ein Indiz für Impfskepsis, in einer Stadt mit rund 18'000 Einwohnerinnen und Einwohnern?

Sascha Nussbaumer meint, nicht unbedingt, und verweist auf das Potenzial der oben beschriebenen Petitionen. Auch die erfolgreichen haben jeweils die Schwelle der 200 nötigen Unterschriften nur knapp erreicht. Jetzt sind es fast das Doppelte.

Nussbaumer: «Für Grenchen gute Beteiligung»

«Ich denke, 400 sind schon eine recht gute Zahl und als Erfolg zu werten. Er denke nicht, dass dies deshalb ein Indiz für Impfskepsis wäre. «Ich hatte beim Überfliegen der Teilnehmer eher das Gefühl, dass mehr ältere als jüngere Personen die Petition unterstützt haben. Ich denke, es ist eher der Punkt, dass dieses Thema die jüngeren weniger tangiert und deshalb auch nicht interessiert.» Zudem sei in Grenchen halt immer die geringe Wahlbeteiligung ein Thema – «das Schweigen der Mehrheit», wie Nussbaumer meint.

Die Impfstrategie des Kantons basiert bisher auf Impfzentren in Breitenbach, Olten und Solothurn. Ein weiteres Angebot werde in einer späteren Phase zusammen mit Grundversorgern der Gemeinden und Regionen (z.B. Hausarztpraxen) für die allgemeine Bevölkerung aufgebaut, heisst es.

So sieht die erste Seite des Briefes aus:

Der ganze Brief an die Regierung