Grenchen

Passion ist die Voraussetzung zum Erfolg

Die Gastgeber Kurt Gilomen (links) und  Dagobert Cahannes (rechts) mit den Gästen Freddy Steady Frutig und Kevin Schläpfer

Die Gastgeber Kurt Gilomen (links) und Dagobert Cahannes (rechts) mit den Gästen Freddy Steady Frutig und Kevin Schläpfer

Bei der jüngsten Ausgabe des Feierabend-Talks «Ganz unger üs» trafen sich zwei Schwergewichte aus Musik und Sport: Freddy Steady Frutig und Kevin Schläpfer.

Die beiden Talkmaster Dagobert Cahannes und Kurt Gilomen bewiesen mit der Wahl ihrer Gäste ein ausgesprochen glückliches Händchen. Mit Freddy Steady Frutig, langjährigem Schlagzeuger der Solothurner Band «Krokus» und Drummer von Gianna Nannini sowie «Hockeygott» Kevin Schläpfer, Eishockey-Profi mit über 800 Spielen in der Nationalliga, Sportchef und Trainer des EHC Biel in dessen turbulentesten Zeiten, gaben sich zwei Grössen aus ihren Sparten ein Stelldichein. Und, so verschieden die Karrieren der beiden auch sind, konnte das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzten «Centro-Lounge» viele Gemeinsamkeiten entdecken.

Die beiden Gastgeber liessen ihren Gästen den nötigen Raum und es entwickelte sich ein für alle Seiten interessantes Gespräch über Leadership, Rituale, Teamarbeit und die Grundvoraussetzung für den Erfolg: die Leidenschaft, die Passion. Etwas, das unabdingbar sei, wie beide stark betonten, um überhaupt Erfolg zu haben.

In der Vorstellungsrunde berichtete Frutig über seinen Werdegang: Für ihn sei schon als kleiner Junge klar gewesen, er wolle Rockstar werden. Eine Ausbildung in der Jazzschule habe er bereits nach 15 Minuten abgebrochen, sich das Drummen selber beigebracht und in Bands mitgespielt. Mit «Krokus» begann der kometenhafte Aufstieg im Rockbusiness. Frutig erzählte von den Erfolgen, die die Band in Amerika feiern konnte. Aber – wie allgemein bekannt – nach sieben Jahren gab es Knatsch bei «Krokus» rund um Chris von Rohr und Fernando von Arb und er sei «entfernt» worden. «Ich war schon sehr deprimiert und davon überzeugt, ich sei halt einfach schlecht», berichtete Frutig.

Anlässlich eines Interviews bei einem Schweizer Magazin kurz darauf habe er den Musikmanager von Gianna Nannini getroffen, die er bis anhin nicht gekannt habe. Dieser lud ihn zu einem Vorspielen nach Italien ein. «Gianna betrat irgendwann die Bühne und meinte, ‹you are a Metal-Drummer, so hit it harder› – du bist ein Metal-Drummer, also hau drauf. Als der Bassist, ein Jazzer, dann die Regler aufdrehte und voll mithielt, erlebte ich erstmals, wie es ist, mit einem guten Bassisten zu spielen.»

Eine Woche später im Jahr 1985 spielte Nannini mit dem neuen Drummer aus der Schweiz am «Rock am Ring» vor über 60 000 Leuten und geschätzten 3 Millionen vor dem Fernseher. Nach vier Jahren beendete Frutig seine Karriere und widmete sich diversen neuen Projekten. Inzwischen verkauft er Harleys.

In der Runde entwickelte sich rasch ein angeregtes Gespräch.

In der Runde entwickelte sich rasch ein angeregtes Gespräch.

Hart aber menschlich bleiben

Kevin Schläpfer braucht man keinem Eishockey-Fan vorzustellen. Der ehemalige Trainer des EHC Biel, der diesen Posten «in extremis» erhalten hatte – er musste als Sportchef einspringen – ist bekannt als Trainer, der mit Emotionen an der Bande und in Interviews nie zurückhält. Schläpfer erzählte von seinen Anfängen, auf einem kleinen Eisfeld in Sissach, auf dem man Eishockey spielen durfte. So klein, dass seine läuferischen Fähigkeiten immer hinter seinen Skills mit dem Stock geblieben seien.

Nach 20 Jahren in der Nationalliga mit Stationen in Lugano, Zug, Olten und Biel beendete Schläpfer seine Karriere als Spieler. Als Sportchef hatte er grossen Anteil am Aufstieg des EHC Biel in die NLA und wurde dessen Trainer. «Das waren damals richtige Schlachten, die wir zu schlagen hatten, es ging um viel, eine sehr aufreibende Zeit». Schläpfer erzählte auch von den Erlebnissen mit den beiden kanadischen Superstars Patrick Kane und Tyler Seguin, die während des Lockouts der NHL nach Biel verpflichtet wurden. Stars mit grossen Gehältern, aber ohne Allüren. Seine grösste Sorge zu Beginn sei gewesen, dass die beiden Spieler zu Beginn gleich Reissaus nehmen würden, sobald sie die Garderoben im damals noch alten Stadion sähen, so Schläpfer. Aber die beiden hätten das völlig cool genommen: «It’s like in Junior League, no problem» – es ist halt wie bei den Junioren, kein Problem.

Schläpfer wies auch auf eine problematische Entwicklung hin, die in manchen Sportarten bereits an der Tagesordnung sei. Denn eigentlich sei der Trainer der Chef, der sage, wo’s lang gehe. Aber der habe immer öfter Spieler, die ein Mehrfaches verdienten. «Wenn Ronaldo ein Problem mit seinem Trainer hat, wer muss dann gehen? Bestimmt nicht der gutbezahlte Superstar.»

Nicht fehlen durften natürlich Fragen zu seiner Emotionalität. Schläpfer, dessen Sohn bei den U-18 Junioren Biels spielt, meinte, das sei seine Art und er müsse sich zusammenreissen, habe auch Fortschritte gemacht. «Aber wenn mein Sohn verliert und erst noch schlecht spielt, hab ich ein Problem.» Doch für ihn sei wichtig, bei aller Härte, als Trainer nie die Menschlichkeit und den Respekt zu verlieren.

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