Papiersammlung Grenchen
Schülerinnen und Schülern entgeht viel Geld – weil Altpapier im Entsorgungshof landet

Die Papiersammlung liefert seit Jahrzehnten einen willkommenen Zustupf in die Klassenkassen. Dieser Zustupf wurde auf einen Schlag kleiner, seit man das Papier im Entsorgungshof abgeben kann.

Oliver Menge
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Parat für die Papiersammlung.

Parat für die Papiersammlung.

Walter Christen

Man kennt es, die meisten sogar aus der eigenen Vergangenheit als Schülerin oder Schüler: Die Papiersammlung. Heute sieht das in der Regel so aus: An einem Donnerstagmorgen wuseln überall in der Stadt Schülerinnen und Schüler in gelben Warnwesten umher, schieben oder ziehen Handkarren vor sich oder hinter sich her, oft beladen mit schweren Zeitungsbündeln.

Zwar wird die Bevölkerung ein paar Tage vorher darum gebeten, die alten Zeitungen gebündelt an die Strasse zu stellen, oft sieht man aber starke Jungs die alten Zeitungen aus den Kellern schleppen und sie auf die Karren türmen. Doch in letzter Zeit kamen immer weniger Bündel zusammen.

Über 1000 Tonnen pro Jahr

Markus Altermatt organisiert seit 15 Jahren die Papiersammlung der Schulen Grenchen. Er beschreibt es so: «In den besten Jahren, von 2004‒2009 haben wir jährlich ungefähr 1’100’000 Kilogramm Papier gesammelt. Also 1100 Tonnen. Je nach Papierpreis haben wir so zirka 70’000 Franken verdient, welche an die Schulklassen verteilt werden konnten.» Natürlich sei damit auch Material angeschafft worden, wie die Handwagen. Diese kosten einmalig rund 500 Franken pro Stück.

Irgendwann habe auch der Werkhof einen Container für die Bevölkerung aufgestellt, erklärt Altermatt, die Papiermenge bei den Sammlungen sei zurückgegangen, während sie im Werkhof ungefähr im gleichen Ausmass gestiegen sei. «Dies hat uns aber nicht gestört, da die Gemeinde Grenchen das Papiergeld aus dem Werkhof ebenfalls den Schulen gutgeschrieben hat.»

Der Container für Papier im Entsorgungshof ist gut gefüllt - der Erlös geht an die Betreiberfirma.

Der Container für Papier im Entsorgungshof ist gut gefüllt - der Erlös geht an die Betreiberfirma.

Peter Brotschi

Nur noch die Hälfte des Erlöses

Seit die Stadt aber die Entsorgung extern vergeben habe, sei die Papiermenge noch einmal zurückgegangen und der Erlös habe sich gegenüber der guten Jahre sozusagen halbiert.

«Das sind ein paar 10'000 Franken im Jahr, die weniger in die Klassenkassen fliessen.»

Aktuell habe er 32 Klassen, die an der Papiersammlung teilnehmen, und 50 Prozent weniger Papier, sagt Altermatt. «Da merkt man schon, ob 500 Franken oder weniger als 300 Franken zusammenkommen pro Klasse.»

Das Geld in den Klassenkassen wird zur Finanzierung von Exkursionen, Lagern, Skilager und Ähnlichem verwendet, um das Portemonnaie der Eltern etwas zu entlasten. Damit das auch weiterhin möglich ist und man sich bei der Stadt nicht plötzlich überlegt, die ganze Sache einzustellen, weil sie zu wenig einbringt, hat Altermatt gehandelt.

Er hat ein Schreiben entworfen, das auf die nächsten Sammlungen diesen Donnerstag und Mitte März 2022 hinweist. Darin äussern die Schulklassen auch die dringende Bitte an die Bevölkerung, das Altpapier nicht mehr zur offiziellen Entsorgungsstelle zu bringen, weil sonst der Erlös an eine private Firma geht und die Schulen Grenchen leer ausgehen.

Diesen Brief lag im Briefkasten etlicher Grenchner Haushalte.

Diesen Brief lag im Briefkasten etlicher Grenchner Haushalte.

Oliver Menge

Dass es sich lohnen könnte, beweist der aktuelle Preis, den Perlen, der langjährige Vertragspartner der Schulen Grenchen, für eine Tonne Papier bezahlt: Es sind satte 90 Franken und es sieht auch gar nicht danach aus, als ob der Papierpreis in nächster Zeit sinkt.

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