Nach dreizehn Jahren erlebte die Internationale Musikwoche Grenchen in der Eusebiuskirche ein mit Pauken und Trompeten zelebriertes Revival. Das mit stehenden Ovationen gefeierte Eröffnungskonzert reihte einen Ohrwurm an den nächsten, huldigte mit Komponisten aus Deutschland, Österreich, Finnland und Russland der Marke «International».

Zumal das London Concert Symphony Orchestra aus England und Stargast Gábor Boldoczki aus Ungarn stammen. Festivaldirektor Werner Obrecht und der künstlerische Leiter Manfred Obrecht kommen aus dem Oberaargau, steuern helvetische Akkuratesse bei. Gemeinsam ist es dem Brüderpaar als Festivalorganisatoren und Inhaber von Obrasso Classic Events, dem Trägerverein Kuratorium Internationale Musikwoche Grenchen und dem Hauptsponsor Regiobank Solothurn AG gelungen, eine bis ins Jahr 1955 zurückreichende Grenchner Tradition nach einem Dornröschenschlaf wieder zu erwecken.

Eröffnungskonzert der Internationalen Musikwoche Grenchen mit dem London Concert Symphony Orchestra

Das London Concert Symphony Orchestra präsentierte viele bekannte Stücke.

Mit ansteckender Spiellaune

Da passte der Auftakt mit der Ouvertüre zu Webers «Oberon» ausgezeichnet. Dabei wurden die Qualitäten des Orchesters zum feinen Abstufen der Dynamik offensichtlich, ebenso der satte Streicherklang und die famosen Bläsersolisten. Vermisste man bei «Oberon» noch etwas das Schwebende und Leichte, kamen diese Facetten bei der «Morgenstimmung» aus Griegs Peer Gynt Suite umso fliessender zum Tragen. Manfred Obrecht und dem London Concert Symphony Orchestra ist es dabei gelungen, selbst im Fortissimo noch transparent und im Pianissimo auf Linie zu bleiben – ohne dass die einzelnen Stimmgruppen überborden oder verschwinden.

Unbestrittener Höhepunkt war indessen der Auftritt von Gábor Boldoczki. Der 1976 geborene Trompeter wurde letzten Oktober mit dem Echo Klassik als Instrumentalist des Jahres 2017 ausgezeichnet. Das Repertoire an Trompetenkonzerten ist ja relativ klein. Um so erstaunlicher, mit welcher Frische und ansteckender Spiellaune Boldoczki auftrumpfte. Der Solist serviert das oft dargebotene Trompetenkonzert von Haydn virtuos, jedoch gefühlvoll, elegant und geschmeidig.

Die Kantilene im Andante des zweiten Satzes gestaltete er behutsam im untersten Dynamikregister: Zart, ruhig, träumerisch. Ebenso das raffiniert-virtuose Spiel im Schluss-Satz, welchen er mit romantisch-virtuosem Drücker zum Glänzen brachte. Bestens sekundiert vom London Concert Symphony Orchestra. Frenetischer Applaus verlangte nach mehr und Gábor Boldoczki wählte die Draufgabe bedacht: Mit «Ombra mai fu» aus der Oper Xerxes verzauberte er mit blühendem Ton und grosser Innigkeit.

Verdiente Standing Ovation

Nach dem sanften, auch als «Largo» bekanntem Stück von Händel wirbelte und schmetterte das Orchester die Polonaise aus der Tschaikowsky Oper «Eugen Onegin». Unter der Stabführung seines langjährigen Gastdirigenten Manfred Obrecht kredenzte das Orchester zum Abschluss mit der «Unvollendeter» das zweite Highlight des Abends.

Schuberts Sinfonie Nr. 8 gehört zu den populärsten Sinfonien der Musikgeschichte. Manfred Obrecht und die Orchestermusiker wurden den dynamischen Gegensätzen wie auch dem melancholischen Gestus gerecht. Überzeugend gestalteten sie die Brüche und Abgründe, die den insgesamt heiteren Charakter der «Unvollendeten» durchziehen. Dabei erreichten sie ein entrücktes Piano, wie es selten zu erleben ist. Die verdiente Standing Ovation verdankten die Londoner mit Verdis Traviata-Ouvertüre, fügten dem Wunschkonzertcharakter des Festivalauftakts noch eine Opern-Perle aus Italien hinzu. International eben.