Am vergangenen Dienstag waren es genau fünf Jahre her, seit in Deutschland der erste Flixbus zwischen München und Nürnberg eine fahrplanmässige Verbindung aufgenommen hat. Eine Liberalisierung des deutschen Fernbusmarktes hatte dem Münchner Start-up diese Marktlücke geöffnet. Seither ist das Unternehmen rasant gewachsen. Gemäss eigenen Angaben haben seit 2013 über 100 Millionen Fahrgäste die grasgrünen Überlandbusse benutzt. 1000 Chauffeure arbeiten für das Unternehmen, neulich hat man in die USA (Kalifornien) expandiert. 

Inzwischen ist man auch in mehreren Ländern Europas auf dem (liberalisierten) Inlandmarkt aktiv (Frankreich, Italien, Benelux, Kroatien oder Dänemark) und Fernverbindungen würden zu 1400 Zielen in 26 Ländern angeboten. «Flixbus hat Reisen in Europa demokratisiert», sagt der Mitbegründer und Geschäftsführer Jochen Engert.

2018 gehts aufs Land

Allein im deutschsprachigen Raum sollen 2018 140 neue Destinationen dazukommen. In Europa will man jetzt vor allem in ländlichen Regionen ohne Fernbusangebot aktiv werden. So beispielsweise in Grenchen. Dieser Zeitung liegt ein Fahrplanentwurf von Flixbus vor, in welchem die Uhrenstadt neu Haltestelle auf der bestehenden Linie Lyon–Frankfurt ist. Täglich (ohne Dienstag) ist je eine Abfahrt nach Lyon (Abfahrt 16.30 Uhr, Ankunft 23.25 Uhr) und nach Frankfurt (Abfahrt 17.35 Uhr, Ankunft 0.00 Uhr) geplant.

Die Strecke nach Lyon führt über weitere Einsteigepunkte in der Schweiz: Neuchâtel, Yverdon, Lausanne, Genf, die Verbindung nach Frankfurt fährt ohne Halt weiter bis Basel. Ein Aussteigen innerhalb der Schweiz ist aufgrund des Kabotage-Verbotes nicht gestattet. Wer in Grenchen einsteigt, muss also mindestens bis Lyon fahren, in Deutschland mindestens bis Freiburg, Karlsruhe oder Mannheim, welche an derselben Strecke liegen.

Teil des europäischen Netzes

Flixbus-Sprecherin Susanne Hintermayr bestätigt die Verhandlungen mit Grenchen: «Im Rahmen des Ausbaus des Streckennetzes planen wir ab dem Frühjahr bzw. Sommer auch einen Halt in Grenchen.» Mit der Stadt seien bereits wichtige Aspekte geklärt. «Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Grenchen – vorbehaltlich entsprechender behördlicher Genehmigungen – bald an unser europäisches Streckennetz anbinden könnten», schreibt die Flixbus-Sprecherin auf Anfrage.

Wie kommt ausgerechnet Grenchen zum Flixbus-Halt? Laut Stadtpräsident François Scheidegger stand man schon vor einiger Zeit in Verhandlung mit einem einheimischen Anbieter (Domo Reisen), der allerdings dann für die geplanten Inlandverbindungen (vorerst) keine Konzession erhielt. In diesem Rahmen wurden umfangreiche Abklärungen über eine Haltestelle in der Stadt getätigt. «Weil wir gesehen haben, dass sich unsere Nachbarstädte Biel und Solothurn eher schwertaten mit dem Angebot für Flixbus-Haltestellen, haben wir von uns aus Kontakt aufgenommen», erklärt Scheidegger. Das Angebot der Billig-Fernbusse ist mancherorts auf politischer Ebene umstritten, da die Bahn konkurrenziert wird (vgl. Kasten).

Nordbahnhof: Tor zum Jura

Flixbus zeigte sich interessiert, da eine Haltestelle beim Bahnhof Grenchen Nord nebst dem Jurasüdfuss auch noch den ganzen Jura bzw. Berner Jura als Einzugsgebiet ermögliche. Zudem erlaube die Verkehrssituation in Grenchen dem Busbetreiber eher eine verspätungsfreie Fahrt, als wenn er in Biel oder Solothurn in den lokalen Stau gerät. Auch muss der Bus bei der Haltestelle selber eine problemlose Zu- und Abfahrtssituation vorfinden. Alle diese Bedingungen seien bei der vorgesehenen Haltestelle auf der Simplonstrasse, (beim nördlichen Ausgang der Bahnhofunterführung) erfüllt.

«Auf unserer Seite ist eigentlich alles klar, wir prüfen mit dem Grundeigentümer BLS noch, ob wir eine Haltestellentafel anbringen können», meint Scheidegger. So gesehen, sei die Bewilligung der Stadt bereits erteilt, meint der Stadtpräsident. Ein entsprechendes Schreiben an Flixbus wurde diese Woche abgeschickt.

Kommt der Fernbus-Anschluss zustande, würde die internationale Anbindung Grenchens durch den öV nochmals verbessert. Ab Dezember 2018 ist bereits vorgesehen, dass der Regio-Express ab (Biel-) Grenchen Nord bis zum TGV-Bahnhof bei Belfort fährt und damit den Anschluss nach Paris und weiteren Städten in Frankreich sicherstellt (wir berichteten).

Mehr Sitzleder als Geld

Die Flixbus-Reisenden haben es allerdings nicht auf Geschwindigkeit abgesehen. Das Kriterium der oft jungen Kunden ist der im Vergleich zur Eisenbahn billige Preis. Dafür muss man mitunter stundenlang in Staus stehen. Der Fahrplan gleicht eher einer groben Schätzung. Laut Angaben des Unternehmens sind ein Drittel der Flixbus-Passagiere zwischen 18 und 25 Jahre alt, ein Alter, in dem das Budget eine wichtige Rolle spielt. Eine zwölfstündige Fahrt von Frankfurt nach Lyon kostet heute 32.90 Euro, von Zürich nach München gibts Tickets ab 15 Euro. Der Preis der im Internet gebuchten Tickets schwankt dabei je nach Wochentag, Tageszeit oder gewählter (Umweg-)Route.