«Bühne frei für den Märetplatz»

Offener Bücherschrank in Grenchen wird von Literarischer Gesellschaft geplündert

Schauspielerin Sandra Sieber fesselt mit ihrer Lesung das Publikum.

Schauspielerin Sandra Sieber fesselt mit ihrer Lesung das Publikum.

«Bühne frei für den Märetplatz» für einmal ganz im Zeichen von Literatur: Bücherfans präsentierten ihre Lieblingswerke.

«Manchmal wäre es doch ganz gut, wenn man öfters mal die Klappe halten würde», sagt Amira Hafner-Al Jabaji. Sie meint dies im wörtlichen Sinne. Denn anschliessend schlägt die Islamwissenschafterin ihr Buch auf und liest den Klappentext von «Das Museum der Unschuld» des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk vor, während das Publikum gebannt zuhört.

Dies geschah im Rahmen der Aktion «Grenchen liest», welche am Montag stattfand und von der Literarischen Gesellschaft Grenchen lancierte wurde. Deren Mitglieder und befreundete Bücherfans plünderten den offenen Bücherschrank beim Märetplatz und präsentierten in kurzen Liveblöcken die darin gefundenen literarischen Schätze. Die Palette reichte von Liebesromanen über melancholische Geschichten bis hin zu satirischen Lesungen, die bei der Zuhörerschaft für den einen oder anderen Lacher sorgten. Der Anlass fand sowohl am Morgen wie auch am Abend statt. Wobei die feierabendliche Stimmung deutlich mehr Leute anzulocken vermochte.

Während am Vormittag ausschliesslich Romane vorgelesen wurden, kamen abends zudem lyrische Werke zum Einsatz. Neben bekannten Dichtungen von François Villon oder Shakespeare, gab es auch Eigenkreationen zu hören. «Das ist das erste Mal seit 18 Jahren, dass ich eines meiner eigenen Gedichte vorgetragen habe», erklärt Holger Greis, Präsident der Literarischen Gesellschaft Grenchen, dazu schmunzelnd.

Wer kam, der kam, um zu bleiben

Zwei Stunden dauerte eine Vorstellung jeweils. «Wir dachten eigentlich, dass die Leute kommen und gehen würden», sagte Hafner-Al Jabaji. Doch das Publikum wurde des Zuhörens mitnichten überdrüssig. Wer es sich erst einmal auf einem der farbigen Stühle mit dem Aufdruck «jurasonnenseite» gemütlich gemacht hatte, verweilte im Allgemeinen bis zum Schluss. Und auch so mancher Passant blieb aufgrund der Szenerie, die sich unter dem Stadtdach abspielte, kurz stehen und lauschten den vorgelesenen Texten.

Dabei wurde im Vorfeld sogar darauf verzichtet, kräftig die Werbetrommel zu rühren. Aufgrund des regen Interesses stehen die Chancen gut, dass es nun zu einer Zweitauflage kommt. «Ich denke, wir werden dies nochmals wiederholen», so Greis.

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