Arch

Nachfolge gesucht: Hännis braten im «Gasthof zur Arche» die letzten Güggeli

Das Wirtepaar des Gasthofs zur Arche in Arch, Bernhard und Marjana Hänni.

Das Wirtepaar des Gasthofs zur Arche in Arch, Bernhard und Marjana Hänni.

Bernhard und Marjana Hänni suchen Nachfolger für den Gasthof zur Arche in Arch

Während Jahrzehnten war der Gasthof zur Arche die Adresse für feines Schweizer Poulet. Dafür war das Restaurant in Arch über das Seeland hinaus bekannt. Zum Jahreswechsel hören Bernhard und Marjana Hänni nach 38 Jahren im Traditionshaus mit dem Wirten auf. Für den historischen Gasthof an der Hauptstrasse suchen sie eine Nachfolge.

«Wir hatten Kunden, die sogar von Zürich anreisten, um hier ihr Güggeli zu essen», sagt Bernhard Hänni stolz. Dem Trend folgend gibt es längst auch Poulet im Körbchen und Pouletflügeli – und darüber hinaus gutbürgerliche Küche mit einer breiten Menukarte.

Allerdings staunte selbst Bernhard Hänni, als er einmal auf einem Sessellift in Flims mit seinem Sitznachbarn aus einer anderen Ecke der Schweiz ins Gespräch kam und von diesem die Empfehlung erhielt, als Berner Seeländer müsse Hänni unbedingt in der «Arche» Poulet essen gehen. «Danke für das Kompliment, ich bin der Wirt der ‹Arche›», erinnert sich der Patron lachend an jene Zufallsbekanntschaft.

Das berühmte Schild

Der gebürtige Oberländer Bernhard Hänni ist Inhaber, Koch und Wirt zugleich. Seine Frau Marjana stammt aus Slowenien. Sie ist die Seele der Arche und kümmert sich um den Service. Wer kennt das Schild nicht an der Hauptstrasse Solothurn-Büren: «Hier kocht der Chef selbst, kommen Sie trotzdem!»? «Das hat mir ein Kollege bei einer Reise nach Österreich zum 50. Geburtstag geschenkt», sagt er mit einem Schmunzeln.

Inzwischen sind Bernhard und Marjana Hänni beide 66-jährig. Aus gesundheitlichen Gründen wollen sie es ruhiger nehmen. Deshalb suchen sie für den Traditionsgasthof einen Pächter oder Pächterin – «mit einem langjährigen Vertrag», wünscht sich das Ehepaar. «Nur dann lohnt es sich nämlich, die Küche zu sanieren.»

Die alte Küche

Seit dem Kauf der «Arche» 1980 haben Hännis laufend ausgebaut, renoviert und modernisiert. Als nächste Aufgabe steht nun der Ersatz der 25 Fenster im ersten Stock an und ein neuer Anstrich für die Fassade. Darüber hinaus darf diese nicht verändert werden, ist die Arche doch als erhaltenswertes Gebäude klassiert.

Die Küche hingegen, die haben sie unverändert von ihren Vorgängern, den Geschwistern Widmer, übernommen und genutzt – in der modernen Gastrobranche der Schweiz schon fast ein Kuriosum. Jetzt ist die Totalsanierung der mindestens 50-jährigen Kücheneinrichtung unabdingbar.

Bis vor einem Jahr zogen Hännis die Blumen für den Schmuck der Fenster und Tische sowie gewisse Gemüsesorten selbst. Dafür hatten sie im Garten im Hof ein Treibhaus.

Gutscheine einlösen

«Wir möchten all unseren Kunden und Kundinnen danken. Es war eine wunderschöne Zeit, die wir mit ihnen hatten», sagt Marjana Hänni. Sie bittet darum, dass alle Geschenkgutscheine vor dem Jahresende eingelöst werden. Bis und mit 1. Januar 2019 gelten die normalen Öffnungszeiten. Am 2. Januar ist Austrinkete, anschliessend finden lediglich noch einige Hauptversammlungen der Dorfvereine in der «Arche» statt, die bereits gebucht sind. Dann heisst es Lichterlöschen.

«Hoffentlich nicht für lang», wünschen sich Bernhard und Marjana Hänni. Ein Wunsch, dem sich Andreas Wey anschliesst, der mit seiner Hausarztpraxis in den historischen Mauern der «Arche» eingemietet ist. Auch Gemeindepräsidentin Barbara Eggimann kann und will sich das Dorf, das mit dem Gasthof den Namen teilt, nicht ohne «Arche» vorstellen: «Ohne die ‹Arche› würde dem Dorf ein wichtiger Treffpunkt für die Geselligkeit fehlen, gerade am Abend. Ich hoffe sehr, dass rasch ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden wird.»

Noch zwei Restaurants

Da derzeit auch das «Arcobaleno» an der Bürenstrasse geschlossen ist, ist die Gastroszene in Arch auf zwei Player zusammengeschrumpft: das Römer Café (Archer Beck) und das Restaurant Bahnhof (gutbürgerliche Küche).

Wie lange die «Arche» schon die Dorfbevölkerung mit Speis und Trank versorgt, haben Hännis nie in Erfahrung bringen können. «Ich weiss nur, dass der Graf von Büren die ‹Arche› um 1800 herum einmal wegen ‹Winkelwirtschaft› geschlossen und gebüsst hat – was auch immer das heisst», erzählt Bernhard Hänni und vermutet: «Vielleicht war es wegen Glücksspiel oder illegalem Alkoholausschank.»

Gasthof zur Arche, Bürenstrasse 2, Arch – Öffnungszeiten: Sonntag, Mittwoch und Donnerstag: 8.45 – 23.30 Uhr, Freitag und Samstag: 8.45 – 0.30 Uhr. Ab 11.30 Uhr durchgehend warme Küche. Montag und Dienstag geschlossen.

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