Grenchen

Nach 20 Jahren im Amt: Franz Schilt tritt als Präsident der Bürgergemeinde ab

Der abtretende Bürgergemeindepräsident Franz Schilt in seinem Wintergarten.

Der abtretende Bürgergemeindepräsident Franz Schilt in seinem Wintergarten.

Der scheidende Grenchner Bürgergemeindepräsident spricht über Höhe- und Tiefpunkte seiner Amtszeit. Er ist überzeugt: «Es ist Zeit, Platz für Jüngere zu machen.»

Am Montagaben, 9. Dezember wird Franz Schilt zum letzten Mal die ordentliche Bürgergemeindeversammlung durchführen. Per Ende Jahr übergibt er den Stab an seinen Nachfolger Eduard Sperisen, der dem Bürgerrat angehört.

«Irgendwann in den letzten Jahren fragte mich mal jemand, ob dieses Amt eigentlich auf Lebenszeit vergeben werde. Da wurde mir klar, dass es langsam Zeit ist, den Jüngeren Platz zu machen», sagt der 74-Jährige schmunzelnd.

Den Entschluss, das Präsidium in jüngere Hände zu geben, habe er bereits vor zwei Jahren gefällt und beim Bürgerrat seine Demission eingereicht. «Verwalter Renato Müller hat sie mir spasseshalber aber gleich wieder zurückgegeben, die werde nicht akzeptiert.»

Highlights und Meilensteine in seiner Amtszeit

Schilt ist schon seit 38 Jahren für die Bürgergemeinde tätig: Zuerst als Mitglied der Rechnungsprüfungskommission, danach als Bürgerrat und seit 1999 als Präsident. Er folgte auf Georg Hetzel. Schilt war bis zu seiner Pensionierung vor 13 Jahren während rund 25 Jahren Filialleiter der Niederlassung des Bankvereins, später der UBS in Grenchen.

Bürgergemeindeverwalter Renato Müller und er verstünden sich sehr gut, sagt Schilt. Ohnehin bezeichnet er dessen Anstellung als seine erste wichtige Tätigkeit als Bürgergemeindepräsident. «Die Zusammenarbeit mit Renato hat sich immer wieder bewährt», so Schilt.

Als weitere Meilensteine in seiner Amtszeit bezeichnet Schilt die Überarbeitung der Gemeindeordnung und der Dienst- und Gehaltsordnung der Bürgergemeinde zu Beginn seiner Amtszeit und ein neues Holzenergiekonzept, das man durch eine externe Stelle ausarbeiten liess.

«Ein Konzept, auf das man auch jetzt noch zurückgreifen kann», erklärt Schilt. In den Jahren 2001/2002 wurde der neue Forstwerkhof gebaut, im Folgejahr erneuerte man das Trink- und Löschwasserreservoir Obergrenchenberg für über eine halbe Million Franken. Die Solothurnische Gebäudeversicherung und der Kanton beteiligten sich zur Hälfte daran.

2004 ersetzte man die alte Ölheizung im Bürgerhaus mit einer modernen Holzschnitzelheizung. Das Haus wurde in der Folge teilsaniert und in den Jahren 2012/2013 einer Totalsanierung unterzogen. «Das war dringend nötig, denn über die Jahre hatte sich der Handlungsbedarf mächtig aufgestaut.» Inzwischen ist das Haus voll vermietet und ein echtes Bijou.

Der Forstbetrieb bildete schon immer das wichtigste Standbein der Bürgergemeinde Grenchen als zweitgrösste Waldbesitzerin im Kanton Solothurn. «Das Projekt Schutzwald, bei dem man im steilen Bergwald Bäume schlägt und sie teilweise quer liegen lässt, um die Bergstrasse und ihre Benützer vor Steinschlag zu schützen, wurde über Jahre in Zusammenarbeit mit dem Kanton umgesetzt. Durch den Ertrag im Holzgeschäft war dieses Projekt weitgehend selbsttragend», erklärt Schilt.

2008 begann eine Geschichte in Grenchen, die Franz Schilt und die Bürgergemeinde bis heute stark beschäftigt: Die SWG gab ihre Pläne für einen Windpark auf dem Grenchenberg bekannt. «Das war der Start mit der Windenergie, und wir sehen heute: Grossprojekte brauchen in der Schweiz Zeit, im Entscheid Verfahren liegt das Dossier nach 11 Jahren immer noch beim Bundesgericht.

Die Bürgergemeinde baute 2009 die neue Aussenterrasse des Berggasthofs Untergrenchenberg. «Zwar war schon eine kleine Terrasse vorhanden, aber das war eher ein Provisorium, das auf einem Trafohäuschen der SWG stand. Dieses hat die SWG dann hinter das Haus verlegt, wodurch Raum für die grosse, schöne Terrasse entstand.»

2014 dann eine eher unrühmliche Geschichte: Eine Doline in der Nähe des Berggasthofs Obergrenchenberg musste saniert werden. Sie war als Abfallgrube missbraucht worden. Die Kosten für die Sanierung beliefen sich auf rund 250000 Franken.

«Eine äusserst unschöne Sache, von der wir komplett überrascht wurden. Wir hatten aber auch Glück im Unglück, denn der Vergiftungsgrad überschritt die Grenzwerte, so dass sich der Bund im Rahmen der Bewältigung von Altlasten finanziell an der Sanierung beteiligte».

Der Einbruch der Bergstrasse war gravierend

Ende Juni diesen Jahres dann das wohl gravierendste Ereignis in seiner Amtszeit, wie Schilt sagt: Der Einbruch der Bergstrasse und die fünf Wochen dauernde Sanierung auf einer Länge von rund 20 Metern. «Die Schlussabrechnung in der Höhe von 485000 Franken ist deutlich höher ausgefallen, als ursprünglich erwartet.»

Die 100-jährige Strasse im Besitz der Bürgergemeinde, die im Grunde für Fuhrwerke ausgerichtet war, muss jetzt das Gewicht von Lastwagen und Bussen aushalten. «Eine Gewichtsbeschränkung auf der Bergstrasse ist für uns kein Thema. Wir müssen dafür sorgen, dass die Strasse ihren Zweck erfüllt und die Bedürfnisse der Landwirtschaft, der Gasthöfe und nicht zuletzt der gesamten Bevölkerung in diesem wichtigen Naherholungsgebiet befriedigt werden können.»

Die Probleme kamen von aussen

Er habe die Arbeit im Bürgerrat sehr geschätzt, sagt Franz Schilt. «Sie war nie politisch gefärbt, sondern sachbezogen. Wir hatten nie ein vergiftetes Klima, und wenn es Probleme gab, dann kamen die von aussen.

So, wie beispielsweise der Dok-Film des Schweizer Fernsehens, in dem auch Mitglieder der Bürgergemeinde unfair in ein schlechtes Licht gerückt wurden. «Ein unqualifiziertes Machwerk übelster Sorte, und die Beschwerdeinstanz hat dann einmal mehr auch versagt» sagt Schilt.

Auch die heute geltende Einbürgerungspraxis macht Schilt Mühe, wie er sagt: «Wir bürgern in der Schweiz masslos ein. 1999 hatten wir rund 1500 in Grenchen wohnhafte Grenchner Bürgerinnen und Bürger. Innerhalb von 20 Jahren haben wir rund 800 Personen eingebürgert, überwiegend Leute aus andern Kulturkreisen. Aber weniger als 1 % davon kümmert sich effektiv um die Belange Grenchens.»

In 20 Jahren also eine Einbürgerungsquote von über 50 %, das ist masslos. Die Einbürgerungskommission schaue immer genau hin. Aber bisher sei jede Ablehnung durch Einbürgerungskommission, Bürgerrat und Bürgergemeindeversammlung mittels Rekurs beim Kanton wieder rückgängig gemacht worden. Das sei doch sehr frustrierend.

Mit einem lachenden und weinenden Auge

Franz Schilt gibt sein Amt nach 20 Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge ab, wie er sagt. Ab Ende Dezember bekleidet er kein offizielles Amt mehr in der Bürgergemeinde, die ihm aber nach wie vor sehr wichtig ist.

«Die Bürgergemeinde ist es wert, dass man sich für sie einsetzt. Sie vermittelt Werte und Tradition.» Nun habe er mehr Zeit für seine Hobbys: Das Golfspiel, Tennis bei den Grenchner Senioren, Gartenarbeiten, das Klavierspiel und die Betreuung seiner Enkel.

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