Grenchen

Mit dem Oldtimer P-2 kehrt ein Stück Schweizer Luftfahrt­geschichte nach Grenchen zurück

Ein Décolleteur-Mechaniker und Unternehmer im Heckradmodus: Rolf Bläsi brachte mit der Pilatus P-2 einheimische Luftfahrtgeschichte zurück nach Grenchen.

Das silberne Flugzeug nähert sich vor der Kulisse des Juras dem Flughafen Grenchen. Mit dem kernigen Ton des Motors wird die Maschine auf dem Gleitweg gehalten. Das grosse Hauptfahrwerk hängt heraus. Für einen Sekundenbruchteil greifen die Räder wie mächtige Tatzen in das Walmdach des Mattenhofes hinein. Dann setzt das Flugzeug auf dem Segelfluggelände sanft auf die Graspiste auf. Eben ist mit dem Pilatus P-2 ein wichtiges Stück Schweizer und Grenchner Luftfahrt­geschichte gelandet.

Auf dem Tarmac verabschiedet Rolf Bläsi seinen Passagier, den er in einem 50-minütigen Rundflug über den Creux-du-Van, den Neuenburgersee und den Militärflugplatz Payerne geführt hat. Die lange Schnauze des P-2 ragt auf den Stelzen des Hauptfahrwerks in den Himmel, der Schwanz mit dem Leitwerk steht auf einem kleinen Rad. Es ist ein sogenanntes Heckradflugzeug. Die haben es Rolf Bläsi angetan. Also Flugzeuge, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass sie einen alten Jahrgang haben, dass sie Oldtimer sind.

Die Begeisterung fürs Fliegen begann schon früh

Schon als kleiner Knabe sei er mit seinem Vater auf den Flugplätzen von Grenchen und Zweisimmen «herumgestiefelt», erzählt der 55-jährige Un- ternehmer und Pilot. In der Tat war Papa Urs Bläsi als nebenamtlicher Segelfluglehrer das Vorbild für den kleinen Rolf. Nach der Lehre als Décolleteur-Mechaniker griff Rolf Bläsi selbst zum Steuerknüppel, zuerst im Segelflug und gleich darauf auch im Motorflug. Beide Lizenzen hat er bis heute in der Tasche.

Von Mechanik war Rolf Bläsi immer fasziniert. Nicht nur an den Flug­zeugen, sondern auch im Beruf. Nach der Lehre kam er über die beiden Stationen Sphinx Werke Müller & Co. in Solothurn sowie Delta Langendorf zur Aeschlimann AG in Lüsslingen, wo er vom Mitarbeiter zum Haupteigentümer wurde. Bläsi ist nicht der Unternehmer im dunklen Anzug und Krawatte. Er ist der Typ, der gerne auch manuell selbst zupackt. In der Fabrik trägt er die gleiche Werkkleidung wie die Mitarbeiter.

Zupacken respektive schrauben kann er durch seine mechanische Ausbildung auch an seinen Flugzeugen, was die gesetzlichen Vorschriften erlauben. «Gerade bei Oldtimern ist es wichtig, dass man ein technisches Verständnis hat», hält Rolf Bläsi fest. Neben der Pilatus P-2 besitzt er noch einen Doppeldecker Bücker Bü-131 Jungmann sowie ein Segelflugzeug Let L-13 Blanik. In einem solchen Flugzeug sass er bei der Segelfluggruppe Solothurn hinter seinem Vater beim ersten Flug in seinem Leben.

Mit dem Bücker (Jahrgang 1939) und der P-2 (Jahrgang 1950) besitzt Bläsi jene zwei Flugzeuge, auf denen früher die Selektion und die Grundausbildung der Schweizer Militärpiloten in Locarno-Magadino durchgeführt wurden. «Man riecht in den Cockpits förmlich die Schweisstropfen und spürt die nervliche Anspannung, welche die Flugschüler in diesen Flugzeugen hatten in der Angst, die Selektion nicht zu bestehen», sagt Rolf Bläsi. Der P-2 sei mit einem aerodynamisch perfekten Flügel ein Traum zu fliegen. Aufpassen müsse man auf die Handhabung des Zwölfzylinder-Reihenmotors, der im Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde. Ebenso verlange die Landung mit dem hohen Hauptfahrwerk eine hundertprozentige Konzentration.

Respekt vor Ingenieurleistung und damaliger Technik

In den Worten von Rolf Bläsi spürt man den Respekt des Unternehmers vor der Ingenieurleistung, die bei Pilatus im Kanton Nidwalden kurz nach dem Zweiten Weltkrieg beim Bau dieses Flugzeugs eingeflossen ist. «Was die Konstrukteure aus der Aerodynamik herausgeholt haben ohne Computer und CAD, das ist allerbestes Können.» Respekt zollt Bläsi ebenfalls der Idee, dass Pilatus am P-2 etliche Teile des legendären Messerschmitt Me-109 verwendet hat. Die Schweizer Luftwaffe musterte dieses Zweit-Weltkrieg-Jagdflugzeug damals gerade aus. So stammt das gesamte Fahrwerk aus dem deutschen Jäger, den die Eidgenossenschaft quasi in letzter Minute vor dem Zweiten Weltkrieg für ihre damals völlig unvorbereitete Luftwaffe noch kaufen konnte. Auch jahrzehntelange Grenchner Industriegeschichte steckt im P-2, haben doch die Farner Flugzeugwerke das Heck gebaut und später Servicearbeiten ausgeführt (siehe Kasten).

Ambitionen für Vorführungen der P-2 an Airshows hat er keine. «Das suche ich nicht», gibt Bläsi zu verstehen. Gerne führt er aber Rundflüge durch, sowohl mit dem Bücker wie mit der P-2. Anderen mit einem Oldtimerflug auch Freude bereiten zu können, schätzt er sehr. «Mehrheitlich sind dies Leute, die bereits einen Bezug zum P-2 hatten, in dem sie etwa in der Nähe eines Militärflugplatzes aufgewachsen sind.»

Rundflüge mit dem Bücker gibt es auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Aeschlimann AG, die ein Firmenjubiläum feiern können, «wenn sie das auch wirklich haben möchten». Grosse Freude hat Bläsi, dass einer seiner Lernenden, im letzten Frühling den zweitbesten Lehrabschluss des Kantons als Polymechaniker geschafft hat. Nun er hat von seinem Chef einen Rundflug auf einem Flugzeug zugute, das nicht weniger als vier Mal so alt ist wie der junge Berufsmann.

Hinweis: Ein Video des Oldtimers ist online zu sehen.

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