Stadtbummel Grenchen

Mein wohl schwierigster Stadtbummel der letzten 10 Jahre

Coronavirus: Stadt Grenchen Marktplatz am Freitag ist leer.

Coronavirus: Stadt Grenchen Marktplatz am Freitag ist leer.

Der Stadtbummler bummelt durch eine beinahe leere Stadt. Nur wenige Menschen sind draussen, die meisten halten sich an die Empfehlungen des Bundesrats, auch in Grenchen. Und doch gibt es die anderen, die es offenbar einfach nicht begreifen wollen.

Noch kann der Bummler durch die Stadt bummeln, durch eine fast leere Stadt. Der Stillstand, verordnet von oben. Der Bummler schlendert vorbei an geschlossenen Geschäften und Läden. Und unweigerlich kommen ihm die Gedanken hoch: Wie sieht Grenchens Innenstadt, um die es ja ohnehin nicht gut bestellt ist, nach dieser Krise aus? Wie vielen dieser Klein- und Kleinstunternehmer bricht SARS-CoV-2, wie das aggressive Virus korrekt genannt wird, letztendlich das Genick? Wie weit reicht der Schnauf?

Kommt der Bundesrat den unzähligen Forderungen nach, auch für eben gerade diese einzustehen, die bis jetzt leer ausgehen – die kleinen Lädeli- und Boutiquenbesitzer, die Restaurantpächter, Coiffeure, Kosmetiksalons und und und, die als Selbstständigerwerbende nicht einmal Arbeitslosengeld erhalten oder Kurzarbeit anmelden können?

Viele von denen «lüpft’s», wie es in Mundart so unschön heisst, wenn niemand etwas unternimmt. Der Bundesrat hätte es in der Hand: Für die Rettung der UBS bezahlten wir, die Steuerzahler, 60 Milliarden Franken. Das dauerte 2008 gefühlte 5 Minuten und war unbestritten. Da war es nur eine Bank. Hier geht es um Tausende KMU, das wirtschaftliche Rückgrat der Schweiz – und auch Grenchens.

Wer weiss, vielleicht hat zum Zeitpunkt, wenn Sie, liebe Leser, diese Zeilen lesen, der Bundesrat die entsprechenden Entscheide schon gefällt. Dann kann man nur hoffen, dass der Amtsschimmel nicht zu wiehern beginnt und die Hilfe wirklich unmittelbar, solidarisch und vor allem unbürokratisch geleistet wird. Oder ist das in unserer überorganisierten Schweiz etwa nicht möglich, ohne dass zig Formulare ausgefüllt werden, die dann von zig Amtsstellen geprüft und durchleuchtet werden und erst dann eventuell bewilligt werden? Beim Steuerrechnungen verschicken kann der Staat im Gegensatz dazu sehr speditiv sein ... Seien wir optimistisch und hoffen, der Amtsschimmel kann über seinen Schatten springen – sollte bei einem Pferd doch eigentlich ein Klacks sein, das Springen.

In den Kommentar- und Leserbriefspalten der Medien und in den Social Media häufen sich die Kommentare zu den Begleiterscheinungen dieser heimtückischen Krankheit Covid-19, über die man noch viel zu wenig weiss. Einige finden die Massnahmen des Bundes komplett übertrieben und völlig daneben. Der grössere Teil ist der Ansicht – mit Blick auf die Nachbarländer, wo zum Teil noch viel strengere Verbote, wie komplette Ausgangssperren durchgesetzt werden – die in der Schweiz verfügten Massnahmen seien massvoll und der Situation angepasst.

Machen wir uns nichts vor: Wenn sich jetzt nicht wirklich der Hinterste und Letzte an die verordneten Verhaltensregeln hält, bleiben wir früher oder später alle zu Hause und dürfen vielleicht noch 20 Minuten mit dem Hund Gassi gehen, sofern wir einen Hund haben. Es sollte jetzt wirklich jeder begreifen, dass wir die Ausbreitung dieses Virus verlangsamen müssen. Und das bedeutet: Social Distancing – oder zu Deutsch: Einander fernbleiben, Abstand wahren. Zu Hause bleiben.

Ein paar Mitarbeiter machen Pause

Ein paar Mitarbeiter machen Pause

Der Marktplatz ist leer, ein paar Angestellte der Bank machen stehend Pause, mit Abstand. Normalerweise wäre jetzt Markt, mit Gemüse, Fleisch, Fisch, Brot, Milchprodukten. Die Beizen wären voller Leute, die nach dem Einkauf noch ein Käfeli geniessen und mit den Bekannten die neusten Grenchner Geschichten und Tratsch austauschen. Jetzt herrscht Leere.

Und doch sind Leute unterwegs. Auch viele ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger im Pensionsalter. Mit Einkaufstaschen oder Rollatoren steuern sie auf einen der Grossverteiler zu. Ist das nicht genau eine der Bevölkerungsgruppen, die man speziell schützen möchte? Wegen derer die Geschäfte zu sind und die meisten Werktätigen von zu Hause aus arbeiten? Die vom Bundesrat und vom Bundesamt für Gesundheit explizit dazu aufgefordert wurden, jetzt zu Hause zu bleiben? Die Älteren werden, wenn sie sich mit dem Virus infizieren, mit grosser Wahrscheinlichkeit ernsthaft erkranken, und deshalb könnte das Gesundheitssystem zusammenbrechen, siehe Italien. Das wollen wir vermeiden.

Drum, liebe ältere Leserin, lieber älterer Leser: Bleiben Sie zu Hause, auch wenn Sie sich topfit fühlen. Lassen Sie Nachbarn oder Verwandte für Sie einkaufen, ohne Ihnen zu begegnen, und wenn Sie nach draussen gehen müssen, dann bitte alleine und meiden Sie den Kontakt zu anderen Menschen! Wenigstens die wenigen Wochen, die das Ganze noch dauert. Bleiben Sie gesund!

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