Luigi Bono lebt seit über fünfzig Jahren in der Schweiz. Als junger Mann ist er eingewandert, mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er erzählt von seinem Arbeitsalltag der Sechziger- und Siebzigerjahre, von seinen Eindrücken und wieso ihn die Gartenarbeit und die Kunst durch sein Leben begleiten.

Rund 20 Stunden verbringt Luigi Bono wöchentlich in seinem Garten an der Hohlenstrasse. Der Gemüsegarten ist Bonos Hobby: Es verwundert dementsprechend nicht, dass er leidenschaftlich gerne kocht. So bringt er auch am traditionellen Grillfest von Granges Mélanges jeweils eine Hauptspeise oder ein Dessert mit, das aus Zutaten aus seinem eigenen Garten besteht. Der Garten war für ihn schon immer der perfekte Ausgleich zum sonstigen Alltag.

Mehr Lohn in der Schweiz

Bono ist 1963 aus der norditalienischen Gemeinde Ghisalba in die Schweiz eingewandert, schickte von seinem Lohn einen Teil nach Italien, seinen Eltern. 1978 zog er schliesslich nach Grenchen, wo er noch heute lebt. «Italien boomte zwar zu dieser Zeit, jedoch war der Lohn sehr schlecht», erinnert sich Bono. So hoffte er, in der Schweiz eine bessere Zukunft zu finden. Ein Freund, der selbst aus Italien ausgewandert war, hat ihm in Thun eine Stelle in einer Maschinenbaufirma als Schaber verschafft. Um Universalmonteur zu werden, habe er Deutsch am Goethe- Institut in Deutschland gelernt.

«Für mich war es damals ein sehr schönes, unbeschwertes Leben. Ich verbrachte auch viel meiner freien Zeit damit, mit meinem englischen MG herumzufahren.» Zudem habe er aus Italien seine Handorgel mitgenommen. Mit anderen Italienern habe er eine Musikkappelle gegründet und sei in Thun und Umgebung aufgetreten.

Reisen in rund 40 Länder

Nach Grenchen kam Bono, als er wegen eines Vorfalls seine Stelle verlor. «1976 wurden ein paar Angestellte, darunter auch ich, nach Brasilien versetzt. Der Plan war, dort die Produktion zu starten. Doch dann gab es einen Spionagevorfall, eine einheimische Firma war an unseren Unterlagen interessiert.» Schliesslich sei er von der Polizei verschleppt und freigekauft worden. Bono habe daraufhin den Vertrag zu Brasilien mit seiner Firma gekündigt, um in die Schweiz zu seiner Familie zurückkehren zu können. Die Firma hat ihn daraufhin entlassen. Bei der Konkurrenz, bei der Tschudin AG, fand er schliesslich wieder Arbeit.

«Da die Tschudin AG die gleichen Maschinen herstellte, galt ich als Spezialist und wurde mit offenen Armen empfangen.» Doch es blieb nicht bei der einen Auslandsreise nach Brasilien. Auch bei der Firma Tschudin erklärte sich Bono bereit, für In- und Auslandeinsätze, dies sei von der Firma her bei Stellenantritt bedingt worden.

So besuchte er für seine Arbeit rund 40 Länder, unter anderem China, Indien, Mexiko, die USA und den Irak. Neben Italienisch und Deutsch spricht er auch Französisch und Portugiesisch. Die vielen, teilweise langen Auslandsreisen seien für ihn kein Problem gewesen. «Ich bin von Natur aus ein sehr neugieriger Mensch. Alles Neue hat mich schon immer interessiert.»

Er sei gegenüber jeder Kultur offen, bezeichnet sich als kritisch, aber nicht als pessimistisch. «Die Hautfarbe und die Passfarbe macht einen Menschen nicht aus. Natürlich gibt es viele unterschiedliche Kulturen, aber die Bedürfnisse der Menschen sind überall die Gleichen», so Bono, der später die Tschudin AG verliess und in der Technica arbeitete.

«Goldene Mitte anpeilen»

Auch, um seine Tochter zu besuchen, reisen er und seine Frau ins Ausland, nämlich nach Texas, wo die Tochter mit ihrem Mann lebt, der Sohn ist in der Schweiz wohnhaft. Nach wie vor pflegt Bono Kontakt mit seinen italienischen Verwandten. Er hat sechs Geschwister und immer wieder seine und Grosseltern besucht. Aus seinem Herkunftsland hat er die italienische Küche beibehalten. Und auch die italienische Mentalität. «Italienerinnen und Italiener sind meist sehr fantasievoll, spontan und verstehen sich im Improvisieren, das kann für Menschen aus anderen Ländern manchmal etwas speziell sein.»

Die Schweiz hat Bono, der seit 2006 pensioniert ist, als ein Land kennen gelernt, das vom Methodischen lebt. «Nach der goldenen Mitte dieser beiden Extreme leben zu können, wäre wohl ideal», meint er augenzwinkernd. Neben seiner Arbeit im Garten spaziert er nahezu täglich durch Grenchen. Die Stadt hat er ins Herz geschlossen. «Hier haben wir alles, was wir brauchen. Und da, wo wir an der Hohlenstrasse wohnen, komme ich mir vor wie im Paradies. So schön ist die Gegend.»

Etwas, was Bono auch nach wie vor begleitet, ist die Kunst. Er hat immer gern gemalt und Musik gemacht. «Mein Traum war es ursprünglich, Künstler zu werden.» Das Musizieren hat er aufgegeben, aber der Malerei widmet er sich nach wie vor. So hat er für zwei Grenchner mit Wandmalereien den Garten gestaltet.