Fernwasserleitung

Leitung aus dem Wasseramt wird repariert

Schon seit Monaten macht diese Baugrube am Bahnweg auf die defekte Fernleitung aufmerksam.

Die Fernwasserleitung entlang der Bahnlinie ist schadhaft - mit dem Leckdetekor führte erst ein weiterer Versuch zum Ziel.

Nach vier Monaten soll es bei der Baustelle auf dem Bahnweg endlich vorwärts gehen. Nächste Woche werden die Bagger auffahren, damit die Fernwasserleitung ins Wasseramt auf rund 700 Metern saniert werden kann. Im Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt der Bahnweg für den motorisierten Verkehr gesperrt, wobei die Baustelle für Fussgänger und Velofahrer passierbar bleiben soll.

Tüfteln an der richtigen Sanierungsmethode

Seit April kurvt der Freizeitverkehr auf dem Bahnweg im Osten der Stadt um eine Baugrube herum. Der Grund für den langen Stillstand der Arbeiten erklärt SWG-Direktor Per Just folgendermassen: «Diese 60-jährige Fernwasserleitung stellt im Leitungsnetz der Stadt einen Spezialfall dar, von der Grösse her (70 Zentimeter Innendurchmesser), von der Lage her (neben dem Trassee der Bahn) und auch, was das Material angeht (armierter Beton). Deshalb können wir diese Leitung nicht mit herkömmlichen Methoden flicken, wie sie jeden Tag verwendet werden. Wir haben die Zeit seit dem Frühling gebraucht, um uns über das beste Vorgehen klarzuwerden.» Die Baugrube war nötig, damit sich die Spezialisten ein Bild vom Schaden machen konnten.

Ein dünneres Rohr aus Kunststoff einziehen

Jetzt ist die Lösung gefunden, wie Per Just sagt. «Wir werden auf den rund 700 Metern, auf denen die Leitung beschädigt ist, ein Kunststoffrohr einziehen.» Eine Technologie, die für die SWG in diesem Ausmass Neuland bedeutet, wie der SWG-Direktor ausführt. «Zum Glück ist die alte Leitung deutlich überdimensioniert, so dass das neue Rohr problemlos hineinpasst.»

Dieses soll einen Innendurchmesser von 40 Zentimetern haben. Diese Grösse reiche aus, um das Wasser aus dem Wasseramt ins Grenchner Leitungsnetz einzuspeisen. Zum Einziehen des Kunststoffrohrs braucht es voraussichtlich ein paar zusätzliche Löcher auf dem Bahnweg. Wie viele, müsse im Lauf der Arbeit entschieden werden. Hingegen sei es unnötig, deswegen einen Graben aufzureissen, so Just.

Beton und Erschütterung vertragen sich nicht

Übrigens bedeutet die Baustelle nicht, dass Grenchen kein Wasser mehr von auswärts beziehen kann. Dieses fliesse seit dem Baubeginn im Frühling durch eine Leitung nördlich der Bahn, erklärt Per Just.

Was er sich nicht erklären kann, ist die Wahl des Baumaterials der Fernwasserleitung vor 60 Jahren. «Beton verträgt absolut keinen Zug.» Damit meint er nicht die Eisenbahn, obwohl diese durch die Erschütterung und möglicherweise durch Kriechströme vermutlich zum Schaden beigetragen hat, sondern allgemein die mechanischen Kräfte, die in einem dynamischen Boden auf die alte Röhre gewirkt haben.

Ergebnisse der Vermessung in Staad

Vom Dezember bis zum Mai hat die SWG auch an den berüchtigten an den Duktilgussleitungen zwischen Grenchen und Staad mithilfe von elektrischem Strom Messungen durchgeführt. Dies mit dem Ziel, prophylaktisch Schäden zu lokalisieren, ohne die Leitungen grossflächig aufgraben und von Auge überprüfen zu müssen, was viel teurer käme.

Dazu sei ein Verfahren aus der Pipeline-Technologie verwendet worden, erklärt SWG-Direktor Per Just. Anhand des Magnetfeldes lassen sich Unregelmässigkeiten feststellen. Erstmals wurde das Verfahren auch für Wasserleitungen getestet, um herauszufinden, ob es auch für die Schadensdetektion an jenen Leitungen geeignet ist, die der SWG so viel Sorgen bereiten, weil sie vorzeitig altern.

Man war sich schon damals bewusst, dass man mit dem Versuch zusammen mit einer deutschen Firma Neuland betrat. «Der erste Versuch schlug fehl», sagt Per Just. «Wir haben es im Boden mit einer grossen Zahl von Faktoren zu tun, die variieren können.» Er nennt einige Beispiele: Nässe, Trockenheit, unterschiedliche Temperaturen, andere Leitungen, die das Magnetfeld stören können.

Weiterer Versuch im Mai war nötig

Nach der Auswertung des ersten Versuchs sei das System neu ausgerichtet worden. «Der zweite Versuch im Mai war dann erfolgreich», sagt Per Just. «Wir haben an zwei Stellen Unregelmässigkeiten gefunden. Bei beiden hat sich die Diagnose bewahrheitet. Die Leitungen hatten Lecks von einer Grösse einer Handfläche.» Geflickt wurden die Lecks mit so genannten Reparaturschellen, Manschetten aus Gummi und Stahl, die man sich ungefähr wie eine Gummidichtung vorstellen kann. «Wir hoffen nun, dass die Leitungen weitere zehn bis 20 Jahre halten».

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