Kurt Boner

Leiter der «Sozialen Dienste Oberer Leberberg» geht in Pension

Sozialamtschef Kurt Boner vor dem Ebosa-Gebäude wo das Sozialamt Grenchen hinzügeln will

Sozialamtschef Kurt Boner

Sozialamtschef Kurt Boner vor dem Ebosa-Gebäude wo das Sozialamt Grenchen hinzügeln will

Mit unkonventionellen Projekten sorgte der Leiter der Sozialen Dienste Oberer Leberberg immer wieder für Aufsehen. Nach 17 Jahren als Sozialamtschef geht Kurt Boner Ende Monat in Pension.

Die letzten zehn Jahre war er dabei Leiter des regionalen Sozialamtes, das 2009 mit den Sozialregionen geschaffen wurde und das als «Soziale Dienste Oberer Leberberg» der Bevölkerung von Grenchen, Bettlach, Selzach und Lommiswil in den Wechselfällen des Lebens weiterhilft. Bevor Boner abtritt, wird er am kommenden Dienstag im Gemeinderat noch eine wichtige Vorlage vertreten, nämlich den Umzug des SDOL ins Ebosa-Gebäude zum «Netzwerk Grenchen» (vgl. Kasten). Dort soll unter der neuen gemeinsamen Leitung von Reto Kämpfer eine Organisation entstehen, welche die Bereiche Arbeitslosigkeit, Bedürftigkeit, Beschäftigung und Weiterqualifikation, Kindes- und Erwachsenenschutz und Sozialversicherungen in einem neuen, ganzheitlichen Ansatz angeht.

Neuer Ansatz stellt andere Fragen

Dieser neue Ansatz mit dem Namen «Info & Intake», welcher nach einer Pilotphase nach positiven Erfahrungen definitiv eingeführt wurde, ist ein wichtiges Vermächtnis von SDOL-Leiter Kurt Boner. «Statt der manchmal zeitintensiven Abklärung, welche Stelle zuständig ist und welche Sozialhilfe in welcher Höhe jemand zu Gute hat, stellen wir die Fragen anders», meint Boner. Nämlich: «Wie können wir Ihnen behilflich sein, Ihr Problem zu lösen und sind Sie bereit, selber etwas zur Lösung beizutragen.» Die Triage anhand dieser Frage hat in den ersten neun Monaten (1. Oktober 2018 bis 30. Juni 2019) dazu geführt, dass von 317 Personen, die sich auf dem Sozialamt gemeldet haben, es bei 225 zu einem Fallabschluss kam. Davon mussten «nur» 61 an den Sozialdienst überwiesen werden. Für die anderen Personen ergaben sich andere Lösungen, darunter 37 Ablehnungen von Sozialhilfeanträgen, 29 Gesuchsrückzüge, 25 freiwillige Beratungen oder 21 Ablösungen durch die Sozialversicherung. Die viel diskutierten Testarbeitsplätze zur Abklärung des Arbeitswillens von gewissen Klienten kamen nur in vier Fällen zur Anwendung.

Alle Dienstleistungen
unter einem Dach

Für Kurt Boner ist «Info & Intake» somit eindeutig ein Erfolg. Mit der räumlichen Zusammenlegung von SDOL und Netzwerk könne dieser noch konsolidiert werden, ist er überzeugt. Denn wenn die ganzen Handlungsfelder und Angebote unter einem Dach vereint seien, seien weitere Synergien möglich. Auch das gegenseitige Ausspielen von Amtsstellen und Diensten sei nicht mehr so einfach möglich.

Die Verwaltungskosten werden eingedämmt

Im Statusbericht zum SDOL zuhanden des Gemeinderates hält Boner ferner fest, dass sich die Verwaltungskosten des SDOL seit dem Start der Reorganisation von 3,7 Mio. Fr. auf 3,46 Mio. Fr. jährlich vermindert haben. Teil der Einsparungen sind auch ein neuer Leistungsauftrag mit der Ausgleichskasse des Kantons, der demnächst unterzeichnet wird und in Zukunft wird auch der Umstand, dass eine Chefstelle wegfällt finanziell ins Gewicht fallen. Ferner sind auch die Sozialhilfekosten selber stabilisiert worden. «Die Effekte beginnen sich in die richtige Richtung zu summieren und das ist nicht zuletzt auch unserem Team zu verdanken, das ganzheitlich und mit Augenmass handelt. Es gilt am Ende auch an den Steuerzahler zu denken», kommentiert Boner.

«Jeder Fall ist anders gelagert»

Es gehe dabei nicht darum, hohe Hürden für Sozialhilfebezüger einzuführen, sondern angemessen auf die Bedürfnisse zu reagieren. «Jeder Fall ist anders gelagert. Wer mit 25 den Einstieg ins Erwerbsleben nicht geschafft hat, ist nicht gleich zu behandeln wie jemand, der mit 58 nach 40 Jahren im Job seine Lebensstelle verloren hat. Die Lösungen für diese Menschen werden, ja müssen verschieden sein.»

Er selbst steht jetzt auch - natürlich freiwillig - am Ende seiner beruflichen Laufbahn. Diese war insofern aussergewöhnlich, als der gelernte Uhrmacher, der sich zum Sozialversicherungsspezialisten weiterbildete, vor seiner Zeit als Sozialamtschef in Grenchen auch während 10 Jahren beim Departement des Innern in Solothurn tätig war und sich von dort aus «zum Fronteinsatz» nach Grenchen berufen liess.

Als Querdenker viele Diskussionen angestossen

Boner hat als SDOL-Chef immer wieder Diskussionen angestossen, unter anderem auch mit dem Einsatz von Sozialdetektiven. Er hielt nicht mit seiner Meinung zurück, wenn er Entwicklungen auf Ebene Kanton oder Gemeindeverband kritisch kommentierte. Als Präsident des grössten Altersheims im Kanton (Kastels und Weinberg) dachte er zudem laut über unkonventionelle Alters- bzw. Demenzbetreuung in der alternden Gesellschaft nach.
Die SDOL sind unter Kurt Boners Ägide ein Vorreiter geworden. Orte, die ähnlich gelagerte Probleme haben, haben Grenchens Ansätze mit Interesse verfolgt. «Grenchen ist von der Grösse her ein idealer Ort, um Neues auszutesten, um logische Synergien auszuprobieren, wo man andernorts ganze Ämter fusionieren müsste», blickt Boner auf seine Zeit im SDOL zurück. Soziale Probleme einer industriell geprägten Agglogemeinde mit hohem Ausländeranteil führten bisweilen dazu, dass Not erfinderisch macht. Die laufende Streichung von niederschwelligen Arbeitsplätzen in der Industrie, aber auch in der Verwaltung bedeutet eine zunehmende Herausforderung für die Sozialämter. «Es gibt aber zum Glück immer noch löbliche Ausnahmen», meint der SDOL-Leiter.

Pensionskasse auf Vordermann gebracht

Boners Kompetenz in sozialpolitischen Fragen liessen ihn auch Präsident der Pensionskasse der Stadt werden. Diese hat er kürzlich erfolgreich vom Leistungs- ins Beitragsprimat überführt.
Mit seinem (bereits erfolgten) Wegzug nach Luzern (seine Frau wurde Agentur-Leiterin der Suva Zentralschweiz) werde er zwar etwas geografische Distanz zu Grenchen bekommen, verrät Boner. Was allerdings nicht heisse, dass er Grenchen den Rücken kehre, wie er betont.

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