Verleihung

Kulturvermittler, Musiker und Designer: Die Preisträger der Stadt und Region Grenchen stehen fest

Die Stadt gibt die Preisträger 2021 für den Kultur-, Anerkennungs- und Förderpreis der Stadt und Region Grenchen bekannt.

Heinz Westreicher erhält den Kulturpreis 2021 für sein langjähriges und konsequentes Schaffen als Kulturvermittler. Gemäss einer Medienmitteilung der Stadt habe Westreicher bei der Fasnacht, einer der grössten einheimischen Volkskulturen, in Grenchen bleibende, markante Spuren hinterlassen. Zum ersten Mal sei er einem grösseren Publikum aufgefallen, als er als «Heimweh-Basler» mit seinen in Reim und Versmass akkuraten und (oft hintergründigen) witzigen Schnitzelbänken verzückte. Schon bald engagierte er sich in verschiedenen Gremien und 1990 wurde er zum Obernarr gekrönt. «Dieses Amt versah er äusserst aktiv, dirigierte nicht vom Thron herab, sondern brachte sich vielerorts ein. Unzählige Larven (Masken) hat er für sich und seine Mitstreiter angefertigt, schrieb in der Fasnachtszeitung und trat weiter als Verseschmied auf», heisst es weiter in der Begründung von André Weyermann, dem Präsidenten der Kulturkommission der Stadt, die der Gemeinderatskommission die Vorschläge unterbreitete.

Grenchner Fasnachtsplausch 2018, Ehren-Obernarr Heinz Westreicher, die Stadtratten und Urs Wirth

Der Ehren-Obernarr Heinz Westreicher am Grenchner Fasnachtsplausch 2018.

Grenchner Fasnachtsplausch 2018, Ehren-Obernarr Heinz Westreicher, die Stadtratten und Urs Wirth

Legendär seien etwa seine Auftritte mit Hilari-Ober Urs Wirth. Damit habe er auch mitgeholfen, das damals mitunter etwas angespannte Verhältnis zwischen den beiden grössten Zünften zu entkrampfen. «Überhaupt gilt Heinz Westreicher als Obernarr, der zwar zu ‹seiner› Faschingszunft stand, der aber die Interessen aller Närrinnen und Narren zu vertreten wusste.»

Auch nach seiner Amtszeit sei er aktiv geblieben: «Kaum zurückgetreten rief er 1996 die ‹Schuelschwänzer› ins Leben. Ursprünglich als reine ‹Kindercombo› gedacht, hat sie sich in den letzten Jahren prächtig weiterentwickelt und begeistert heute als Familien-Gugge, die mit Menschen von 3 bis weit über 60 Jahren herrlich karnevaleske Musik bietet.» Inzwischen sei Heinz Westreicher zum Ehrenobernarr erkoren worden und noch immer äusserst tatendurstig: «Er tritt weiter als Schnitzelbänkler auf, baut diverse Larven, gilt als Motor der ‹Gosche› und ist wie selbstverständlich in die Rolle eines Beraters für die jüngere Generation geschlüpft. Sein Wort hat Gewicht, er hat aber auch kein Problem damit, wenn es die jetzige Führungscrew mal etwas anders sieht.»

Die ebenso wichtige Rolle als Kulturvermittler

Mindestens so wichtig sei die Rolle von Heinz Westreicher als Kulturvermittler, schreibt Weyermann. «Zwischen 1997 und 2009 verantwortete er als OK-Präsident gleich fünfmal die internationale Grafik-Triennale. Unter seiner Ägide wurden nicht nur erfolgreiche Ausstellungen organisiert, sondern die Triennale öffnete sich neuen Tendenzen und verblüffte mit ausserordentlichen Aktionen wie der legendären ‹Grafika Maxima›.»

Heinz Westreicher habe zudem jahrzehntelang als Sekretär der «Stiftung Kunsthaus» geamtet, war Präsident des Künstlerarchivs und arbeitet noch immer im OK Kulturnacht mit. In seiner Funktion als Präsident des Gewerbeverbandes gelte seine Aufmerksamkeit naturgemäss vor allem anderen Themen. Dank seines Ideenreichtums gelinge es ihm jedoch immer wieder, auch Künstlerinnen und Künstler einzubinden, wenn er sich davon eine fruchtbare Symbiose zwischen Kunst und Gewerbe erhoffe. So zum Beispiel an der letzten Kulturnacht, als er die Aktion «Kunstfenster – Künstlerbegegnungen in Grenchner Gewerbebetrieben» mitinitiierte.

Fazit: Heinz Westreicher habe nicht nur die Volkskultur Fasnacht mit seinem Wirken gefördert und bereichert. Er habe in verschiedenen verantwortungsvollen Positionen Kultur vermittelt, das Verständnis dafür in der Bevölkerung bereichert und suche auch heute noch nimmermüde nach Berührungspunkten, insbesondere zwischen Gewerbe und Kultur, heisst es weiter. Exemplarisch dafür stehe die erst kürzlich durchgeführte Aktion «Usestuehle». Heinz Westreicher gelte zudem als ausgesprochener Teamplayer, der, auch wenn er in der Verantwortung steht, ein offenes Ohr für Ideen und Anregungen anderer hat. Bemerkenswert sei zudem, dass er sich ausschliesslich neben seinem beruflichen Wirken kulturell engagiert habe.

Anerkennungspreis für Musiker und Leiter des Stadtorchesters

Der Anerkennungspreis 2021 wird Ruwen Kronenberg verliehen. Der Musiker (Violine), Musikpädagoge, Notensetzer, Arrangeur und Komponist ist in Grenchen aufgewachsen und spielte mit 16 Jahren zum ersten Mal im Stadtorchester. Die Eltern hätten ihn als Cellisten gesehen, er aber habe seiner Schwester nacheifern wollen und sich für die Geige entschieden, schreibt Myriam Brotschi Aguiar, die Vizepräsidentin der Kulturkommission. «Der heute 45-Jährige absolvierte erst das Lehrerseminar in Solothurn und folgte dann seiner Berufung, der Musik. Er studierte bei Claudia Dora in Basel Violine und erhielt 2003 das Lehrdiplom.»

Eröffnung des umgebauten kulturhisorischen Museums Grenchen, Ruwen Kronenberg (Violine), Peter Schenker (Piano)

Ruwen Kronenberg spielt auf einer Violine. (Archivbild)

Eröffnung des umgebauten kulturhisorischen Museums Grenchen, Ruwen Kronenberg (Violine), Peter Schenker (Piano)

Aktuell ist Kronenberg Musiklehrer an der Musikschule Grenchen und Leiter des Streicherensembles. Er leitet seit 2017 das Stadtorchester und ist als Dirigent Mitglied der Projektleitung des rjso (Regionales Jugendsinfonieorchester Solothurn). Sein musikalisches Spektrum sei sehr breit, schreibt Brotschi. Es reiche von der Klassik, über Volksmusik und Jazz, bis hin zur Unterhaltungsmusik. Während vier Saisons habe Kronenberg die Zirkusband des Kinder- und Jugendzirkus Pitypalatty geleitet. Besucherinnen und Besucher des Freilichttheaters Grenchen würden ihn ebenfalls von der Formation Les Rubis kennen, wo er zusammen mit Silvan Bolle, Peter Schenker und Bruno Schaad den Soundtrack für das Stück «Uhregrübler», «Näbu» und «Wiiberheer» lieferte.

Bindeglied zwischen Musikschule und Stadtorchester

Kronenberg ist in verschiedenen Formationen musikalisch tätig und leitet seit 2017 das Stadtorchester. Als Instrumentallehrer habe er sich immer in der Rolle als Bindeglied zwischen Musikschule und Stadtorchester gesehen, schreibt Brotschi. «Dann wurde er gebeten, ein Konzept auszuarbeiten, mit dem die Kosten gesenkt und der Nachwuchs gefördert werden sollte.» Kronenberg setze seither mehr auf den «internen» Nachwuchs aus der Musikschule und es gebe weniger Zuzüger (Gastmusiker). «Für Aufregung sorgte seine Idee, 15 Musikschüler aus dem Ensemble direkt ins Stadtorchester und auf die Bühne zu bringen. Der stärkere Einbezug des Nachwuchses hatte ein Anpassen der Literatur zur Folge, das heisst einfachere Stücke, die für den Nachwuchs spielbarer sind.»

Trotz Spina bifida und Teillähmungen sei Velofahren sein Ausgleich zur Musik. Er habe kein Auto, aber viereinhalb Velos: eins zum Reisen, eines fürs Tempo, ein Altes, ein Bike und ein Einrad.

Nachwuchsförderpreis für Künstler und Designer

Der Nachwuchsförderpreis 2021 geht an Aaron Doukpo, schreibt Sandra Sieber, Mitglied der Kulturkommission in der Medienmitteilung. Aaron Doukpo ist ein 21 Jahre alter Künstler (Bildende Kunst) und Designer aus Grenchen. Seit 2013 designt und näht er Kleider für seine eigenes Fashion Label «FYL». Unter diesem Label habe Doukpo schon sieben Fashion-Shows geplant und durchgeführt.

Fashion Show Aaron Doukpo

Hier sieht man eine Fashion Show von Aaron Doukpo. (Archivbild)

Fashion Show Aaron Doukpo

«Erste Handgriffe an der Nähmaschine hat ihm seine Grossmutter beigebracht», heisst es weiter. Die Lehre als Metallbauer schloss Doukpo in der Mecaplex ab. Momentan arbeite er weiter an seinen Kleiderkreationen und sei als Bildender Künstler aktiv. «Seine Bilder sind einzigartig und stehen mit einer starken Bildsprache für sich allein.»

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