Dok-Film Grenchen

Kritik am Abschlussbericht: «Bericht ist eine Farce»

«Die schweigende Mehrheit» stiess eine Thematik an, die die Grenchner nach wie vor bewegt.

«Die schweigende Mehrheit» stiess eine Thematik an, die die Grenchner nach wie vor bewegt.

Grenchen macht gravierende Verfahrensfehler geltend. Der Abschlussbericht zum Dok-Film «Die schweigende Mehrheit» sei unvollständig, die Aussprache gar nicht berücksichtig worden, monieren Vertreter der Uhrenstadt.

In einem Schreiben ihres Anwalts, Andreas Kummer, nimmt die Stadt Grenchen Stellung zum Abschlussbericht des Ombudsmanns zu den Beschwerden gegen den Dok-Film «Die schweigende Mehrheit. Eine Schweizer Nabelschau in Grenchen». Die Stadt halte an sämtlichen Punkten der Beanstandung vollumfänglich fest, heisst es. Keiner der Punkte sei im Abschlussbericht widerlegt worden – im Gegenteil: Das Schweizer Fernsehen SRF habe – was äusserst unüblich sei – nach einer mündlichen Beanstandung sogar eine Szene herausgeschnitten und eine weitere korrigiert. Diese Tatsache werde aber im Abschlussbericht nicht einmal erwähnt. Dieser sei ohnehin unvollständig und setze sich mit den Argumenten der Stadt gar nicht oder nur oberflächlich auseinander, das Verfahren sei mit groben Fehlern behaftet.

Am 20. Juni hatte eine Aussprache stattgefunden, an der Stadtpräsident François Scheidegger, Andreas Kummer als Anwalt und Dagobert Cahannes als Kommunikationsberater auf Seite der Stadt Grenchen beteiligt waren. Die Filmemacherin Karin Bauer, Daniel Pünter, Bereichsleiter DOK, Redaktionsleiterin Belinda Sallin und eine Anwältin vertraten die Position von SRF. Geleitet wurde das Gespräch von Ombudsmann Roger Blum, der das Protokoll verfasste und dessen Stellvertreter, Manfred Pfiffner. Blum habe nebenbei erwähnt, dass der Abschlussbericht eigentlich schon fast vollständig geschrieben sei, nur das Protokoll fehle noch.

Die Stadt erhielt nach Kritik des ihrer Meinung nach unvollständigen Protokolls Zeit bis 27. Juni um Mitternacht für Ergänzungen, erhielt den fertigen Schlussbericht aber schon am Morgen dieses Tages, «Das wäre so, wie wenn ein Gerichtspräsident das Urteil vor den Schlussplädoyers eröffnen würde – ein grober Verfahrensfehler», schreibt Kummer. Das ergänzte Protokoll zeigt tatsächlich eine ganze Reihe wichtiger Punkte, die im Abschlussbericht nicht berücksichtigt wurden.

Unter anderem die Tatsache, dass Bauer schon vor zwei Jahren einen Film zur Uhrenkrise in Grenchen hatte drehen wollen, der aber nicht zustande kam. Das lässt stark vermuten, dass sie mit einer vorgefassten Idee nach Grenchen kam und stützt den Vorwurf des Thesenjournalismus. Den unfertigen Abschlussbericht habe der Ombudsmann anschliessend unfairerweise mit Sperrfrist an die Medien verschickt, ohne die Stadt Grenchen zu informieren. Dass Grenchen aufgrund des unglaubwürdigen Berichts erneut in negative Schlagzeilen gerate, sei nicht akzeptabel.

Das Verfahren bei der Ombudsstelle des Schweizer Fernsehens halte man für eine absolute Farce, heisst es weiter. Man nehme zur Kenntnis, dass die im Dok-Film erfolgte Verunglimpfung einer ganzen Stadt unter dem Titel «Pressefreiheit» als zulässig erachtet werde, die Wut und der Frust der Grenchner Bevölkerung sprächen jedoch eine eindeutige Sprache.

Die Beschwerde weiterziehen will man hingegen nicht: «Die Stadt Grenchen verzichtet auf weitere rechtliche Schritte.»

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