Stadtbummel

Knollenblätter- und Glückspilze

Glückspilze konnten dieses Jahr länger Pilze suchen als sonst. (SymbolbildI)

Glückspilze konnten dieses Jahr länger Pilze suchen als sonst. (SymbolbildI)

«Ruedi Zbinden bescherte dem FC Basel mit seinen Transfers über hundert Millionen» konnte man diese Woche in verschiedenen Zeitungen lesen. Wer? Ruedi Zbinden? Kommt dieser Name eingefleischten FCG-Fans nicht bekannt vor? Tatsächlich spielte Zbinden in der Rückrunde 1986 beim FC Grenchen am linken Flügel und fiel durch seine unermüdlichen Flanken auf. Genützt hatte es nicht viel. Der FC Grenchen landete auf dem vorletzten Platz und stieg in die damalige Nationalliga B ab. Hätten die damaligen Verantwortlichen geahnt, welche Begabung Zbinden als Talentspäher besass, sie hätten den Flankengott nicht ziehen lassen. Wer weiss, wo der FCG heute stehen würde? Immerhin, in der ewigen Rangliste des Schweizer Fussballs belegt der FCG nach 122 Jahren den 16. Rang, während sich der FC Solothurn mit dem 40. Platz begnügen muss. Das zu wissen, tut mancher geschundenen FCG-Seele heute noch gut.

Vor einer Woche endete die Pilzsaison, die dieses Jahr wegen des feuchten Wetters länger dauerte. Über mangelnde Arbeit konnten sich die Pilzkontrolleure Franz Forster, Seleno Campagna und Rolf Kel-ler nicht beklagen. Letzterer stellte erfreut fest, dass vermehrt junge Menschen auf die Pilzsuche gingen. Auch der vierteilige Einführungskurs für neue Pilzspürnasen war bis auf den letzten Platz besetzt. Auf die Frage, ob die Kontrolleure dieses Jahr giftige Pilze aussortieren mussten, erhielt ich von Rolf Keller, der dieses Amt bereits seit 21 Jahren ausführt, eine differenzierte Antwort. Man unterscheide zwischen Bauchschmerzen auslösenden giftigen und tödlich giftigen Pilzen wie der Knollenblätterpilz. Tödlich giftige Pilze wurden dieses Jahr keine gefunden. Sie dürfen also, sollten Sie in Grenchen zu einem Pilzgericht eingeladen werden, getrost zugreifen.

Die kalten, nebelgrauen Novembertage läuten auch dieses Jahr die Lottomatch-Saison ein. Meine ersten Erfahrungen mit einer solchen Veranstaltung hatte ich als Erstklässler vor über 50 Jahren. Mit dem Ziel, die Vereinskasse zu füllen, organisierten damals jeweils vier Vereine gemeinsam einen Lottomatch. Als Sekretär des Cercle Ouvriers schwitzte mein Vater schon Tage vor dem Anlass Blut. Personaleinteilungspläne und Portemonnaies bereitstellen gehörten zu seinen Aufgaben. Am Samstag war es so weit, das Restaurant Touring war bis auf den letzten Platz besetzt. Weil ich vor Lottomatchbeginn die Preise ins Restaurant trug, verdiente ich mir ein Sackgeld von 50 Rappen.

Am nächsten Tag schlich ich ins Touring, kaufte mir mit meinem Helferlohn eine Lottokarte und spielte eine Runde mit den Grossen mit. Mein Herz pochte, als die gezogenen Zahlen zweisprachig ausgerufen wurden. Die Sprüche wie, «treize – Therese» oder «schüttle im Säli» hallen noch heute nach. Mir fehlte auf der Karte nur die Zahl fünf. Ich hoffte vergeblich, die Hauptgewinne gingen an andere Mitspielende, bis schliesslich nur noch ein Preis übrig blieb. Und tatsächlich, jetzt wurde die fünf ausgerufen.

«Lotto», rief ich, so laut ich konnte. Im rauchgeschwängerten Saal und im immer lauter werdenden Gemurmel der Verlierer ging mein «Lotto» unter. Ein neben mir sitzender älterer Herr verhalf mir schliesslich zu meinem Preis, der aus einem tiefgefrorenen Poulet bestand. Ich fühlte mich wie der grösste Glückspilz und ahnte nicht, was mich erwartete, da ich meinen Eltern erklären musste, wie ich an einem Sonntag zu einem Poulet gekommen bin …

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