Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – aber immerhin gab es auf dem Grenchner Flugplatz eine Notlandung. Eine Vampire konnte ihr Fahrwerk nicht mehr ausfahren und wurde ins Gras neben der Piste gesetzt, um grössere Schäden am Rumpf zu vermeiden. Auch dieses Manöver gelang geschmeidig.

Die Rasanz und die Akrobatik der Modellflieger kann mit einem Wort beschrieben werden: Spektakulär. Die bis zu fünf Meter langen Modellflugzeuge sehen nicht nur täuschend echt aus, auch die Motorgeräusche sind den Originalen zum Verwechseln ähnlich. Zudem sind die kleineren Kopien wendiger und leichter, weshalb Manöver möglich sind, die ein lebender Pilot im Cockpit niemals aushalten würde.

Kein einfaches Unterfangen

Wer selber schon einmal ein Modellauto auf der Strasse gesteuert hat, der weiss, wie schwierig bereits das ist. Einmal rechts mit links verwechselt und man fährt das Auto in die Wand. Sich vom Boden aus mit einem Flugzeug im dreidimensionalen Raum zu orientieren, ist noch viel schwieriger – sagt kein geringerer als Aviatikexperte Peter Brotschi. «Ich habe es versucht und seither habe ich ein zertrümmertes Modellflugzeug im Keller», sagt der passionierte Grenchner Pilot.

Und dann produziert Anthony Rosetti mit seinem Motorflieger ein Karussell um sich selber. Die Leute halten den Atem an, weil dabei das Heckruder nur wenige Zentimer über dem Boden schwebt. Der Propeller seiner Maschine leistet 17 Pferdestärken aus 170 Kubikzentimetern Hubraum. «Gefährlich sind meine Manöver nicht, aber sehr schwierig zu lernen», erklärte Rosetti nach seiner Show. «Es gibt keine Fluglehrer dafür. Ich habe mir das alles selber beigebracht.» Einen Crash habe er noch nie produziert, sagt der junge Mann aus dem Val-de-Travers.

Ein Liter Kerosin pro Minute

Andreas Schär aus Rothrist, der amtierende Schweizer Meister im Jet Scale, gibt dagegen zu, dass er am Anfang ein paar Abstürze produziert habe. «Ich habe bereits mit acht Jahren durch meinen Vater mit dem Fliegen begonnen und am Anfang steuerte ich nur einfache Modelle. Dabei ging ab und zu etwas kaputt.» Mittlerweile hat er sich sein Traumflugzeug anhand von Fotos mit einem Bausatz selber konstruiert. Rund einen Liter Kerosin jagt das Düsentriebwerk pro Minute in die Luft. «Mein Flugzeug hat mich etwa so viel gekostet wie ein Auto, und dann habe ich noch rund 1600 Stunden Arbeit hineingesteckt» erklärt Schär. Ein Crash käme ihn also teuer zu stehen. «Heute passiert mir das zum Glück nicht mehr. Ich steuere das Flugzeug sicher, ohne dabei gross überlegen zu müssen.»

Auch Piloten sind Fans

Die Modellfluggruppe Grenchen wurde im Zweiten Weltkrieg gegründet, als der Flugplatz komplett für das Militär reserviert war. Heute hat der Verein rund 80 Mitglieder, wobei die moderne Technik für ein Revival gesorgt hat. Seit etwa 15 Jahren gibt es Jet-Triebwerke für die Modelle, was wieder vermehrt junge Piloten begeistert hat. «Die Faszination ist dieselbe», erklärt Peter Brotschi von den Organisatoren die Faszination der Modelle im Vergleich zur richtigen Fliegerei. «Es gibt viele Piloten, die auch am Modellfliegen Freude haben.» Und sogar für Menschen mit grossem Umweltbewusstsein gibt es mittlerweile eine echte Alternative: Die Modelle der Segelflugzeuge werden mit Elektromotoren angetrieben und machen kaum ein Geräusch.