Kunstpreis 2015

Kein Mann der lauten Worte: Kunstpreis-Träger verzichtet auf Rede

Zehn Künstler wurden am Montagabend im Grenchner Parktheater von der Solothurner Regierung mit einem Preis ausgezeichnet. Der 86-jährige Paul Gugelmann erhielt den Kunstpreis 2015.

Es war eine grosse Feierstunde, am Montagabend im Parktheater Grenchen. Obwohl, oder gerade weil viele vielleicht gar nicht so recht in Feierlaune waren, angesichts der Terroranschläge in unserem Nachbarland. Es war eine grosse Feierstunde der kantonalen Kunst- und Kulturszene. «Wir müssen jetzt unsere Werte verteidigen», sagte Christoph Rölli, Präsident des Kuratoriums für Kulturförderung, anlässlich der kantonalen Kunst- und Kulturpreisverleihung. «Kunst und Kultur sind ein Mittel, zwischen Gesellschaften und Kulturen zu vermitteln.» Mit Kultur lasse sich Verständnis schaffen.

Und wenn sicher alle zehn Kunstschaffenden, die einen Preis entgegennehmen durften, dieses Ziel verfolgen – auf einen trifft dies ganz besonders zu: Auf Paul Gugelmann, der mit dem Solothurner Kunstpreis die höchst dotierte Auszeichnung im Wert von 20 000 Franken erhielt. Der mittlerweile 86-Jährige ist kein Mann der lauten Worte, sondern ein stiller Kunstschaffender, weshalb er am Montag auch auf eine Rede vor Publikum verzichtet hat. Dabei hat sich der diesjährige Kunstpreisträger mit seinen «poetischen Maschinen», wie seine mobilen Skulpturen gerne genannt werden, weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. 

Paul Gugelmann setze all sein künstlerisches Können ein, «um eine kräftige und reiche Gegenwelt zum Alltag aufzubauen». Angela Kummer vom Kuratorium für Kulturförderung würdigte den Preisträger in ihrer Laudatio damit als eine Künstlerpersönlichkeit, die mit einer reichen und spielerisch anmutenden Figurenwelt eine allgemeine und zeitlose Botschaft vermitteln will.

Eine «positive Botschaft», die aus einer «Welt der guten Gedanken» stammt, wie Angela Kummer formulierte. Seine erste mobile Skulptur geschaffen hat der in Schönenwerd geborene Künstler in Paris, wo er für seinen Arbeitgeber Bally in den 50er- und 60er-Jahren eine Kreativwerkstatt aufbaute. Wieder zurück in der Schweiz entstand eine fantastische Maschine nach der anderen, zuerst in Olten und dann in Gretzenbach, wo Paul Gugelmann auch heute wohnt.

Viele seiner – unverkäuflichen – Werke sind seit 1995 im eigens dafür gegründeten Museum in Schönenwerd zu besichtigen. «Das Museum ist für jeden ein Ort unzähliger Erinnerungen an die eigene Märchenwelt, die auf der Landkarte des Glücks besonders deutlich eingezeichnet ist», so Kummer. Rund 150 000 Menschen haben das Museum seither besucht. Neben der Schaffung von Kunstwerken engagiert sich Gugelmann für die Kunstvermittlung. Als Museumsführer oder als Pädagoge mit Kindern, Jugendlichen und Behinderten. Ausdruck seines gesellschaftlichen Engagements sind weiter seine Kunst-am-Bau-Projekte für soziale und gemeinnützige Organisationen.

Kultur als politischer Auftrag

«Kunst tröstet, ohne Religion zu sein». Mit diesem Zitat aus einer Kolumne von Laura de Weck leitete Landammann Roland Heim seine Ansprache zur Übergabe der Preise ein. Dies gerade auch vor dem Hintergrund des «Wahnsinns, den wir vor wenigen Tagen fast hautnah in Paris mitbekommen haben», so Heim. Und sicher auch in Anspielung an Kunstpreisträger Paul Gugelmann, der mit seiner Kunst dem Bösen und Hässlichen in der Welt die Stirn bieten will. Vor allem aber erörterte Heim die Berührungspunkte von Künstlern und Politikern. «Sie möchten mit ihren Ideen und oder Werken überzeugen, zum Nach- und Mitdenken anregen und ihren Beitrag leisten zu einer gerechteren und schöneren Welt».

Auf ihrem Weg zum Erfolg seien sowohl Künstler als auch Politiker auf das Wohlwollen anderer angewiesen. In diesem Zusammenhang machte Roland Heim einen kleinen Exkurs zur Einrichtung der kantonalen Kulturförderung. Der Kanton erachte die Kulturpflege als politischen Auftrag, betonte der Landammann.

Dem Regierungsrat zur Seite steht das Kuratorium für Kulturförderung. Das Grenchner Parktheater als Ort der Preisverleihung sei eine geradezu ideale Lokalität für seinen solchen Anlass, meinte Heim weiter. Hier nahm 1958 die Triennale im Beisein des damaligen Bundesrates Philipp Etter ihren Anfang. In Grenchen schmücken überdies über 150 Kunstwerke den öffentlichen Raum. Und: Mit der Verleihung des Anerkennungspreises an Kulturvermittler Toni Brechbühl werde ein bekannter Exponent der Grenchner Kulturszene geehrt.

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