Geschäftsstelle

Investition in Tourismus: Ein Profi soll Grenchen als Eventstadt vermarkten

2019 fand in Grenchen der Red Bull Race Day statt. (Archiv)

2019 fand in Grenchen der Red Bull Race Day statt. (Archiv)

Solothurn und Grenchen haben mehrere Vollzeitstellen im Tourismus. Nun will Grenchen nachziehen: Im Standortmarketing ist für nächstes Jahr eine Professionalisierung geplant. Grenchen Tourismus soll eine Geschäftsstelle erhalten.

Grenchen möchte sein Profil nach aussen schärfen. Dabei will sich die Uhrenstadt als Eventstandort auf der Landkarte positionieren, vom Firmenfest bis zum Grossanlass. Deshalb soll Grenchen Tourismus eine Geschäftsstelle mit einer Leistungsvereinbarung mit der Stadt erhalten. Das dafür benötigte Budget von 131'500 Franken kommt am 2. Dezember vor die Gemeindeversammlung.

Zwei Umbruchphasen fallen zusammen und ermöglichen in der Vermarktung eine Umorientierung: Die Stadtverwaltung will die Standortförderung mit den Bereichen Tourismus, Marketing und Wirtschaft neu aufgleisen. Und: Kanton Solothurn Tourismus orientiert sich nach dem Austritt bei Jura & Drei-Seen-Land ebenfalls neu. Diese Ausgangslage soll dazu dienen, die Tourismusorganisation in Grenchen zu professionalisieren, bestehende Angebote unter einen Hut zu bringen und neue zu schaffen.

Erfolge in den letzten zehn Jahren

Bisher arbeitet Grenchen Tourismus auf ehrenamtlicher Basis, mit einem Budget von zuletzt gut 50'000 Franken. Ein neunköpfiger Vorstand unter dem Präsidenten Christoph Siegrist kümmert sich am Abend und ­Wochenende um Belange, für die in Olten drei Vollzeitstellen zur Verfügung stehen und in Solothurn sieben. In Grenchen stehen bisher im BGU-Büro zehn Prozent einer Vollzeitstelle für Tourismusinformation zur Verfügung.

Umso beachtlicher sind die Erfolge der letzten zehn Jahre: «Wir haben erreicht, dass die privaten Anbieter (Bed and Breakfast) Übernachtungstaxe zahlen und die Mitgliederbeiträge erhöht werden. Auch dank Werbeeinnahmen haben wir unser Budget aus eigener Kraft von 30'000 auf 50'000 Franken ausbauen können», zählt Siegrist auf. Nun sind die Kapazitätsgrenzen der ehrenamtlichen Arbeit erreicht. Um vorwärts zu kommen, braucht es die Professionalisierung. Die Übernachtungszahlen der drei Städte im Vergleich (2019, Quelle Grenchen Tourismus): Solothurn: 104'867, Olten: 76'493, Grenchen: 15'046.

Die Stadtverwaltung entlasten

Einerseits soll die geplante Geschäftsstelle mit 50 bis 60 Stellenprozenten bestehende Angebote zu attraktiven Kombiangeboten zusammenfassen, die sich mit einem Klick buchen lassen. Andererseits sollen neue Angebote geschaffen werden. Siegrist denkt dabei zum Beispiel an Führungen und Workshops in der Industrie: «Hier besteht ein Potenzial für einmalige Erlebnisse, wie es sie nirgendwo sonst gibt.»

Zudem sei die Infrastruktur mit vielen Sälen und Velodrome, Sportzone, Flughafen, Parktheater und Witi prädestiniert für Grossanlässe. Er gibt zu bedenken: «Solothurn profiliert sich als Seminarstadt, Olten als Meetingstadt, Grenchen möchten wir zur Eventstadt machen.» Die Tourismus-Geschäftsstelle soll Projekte wie die Jura-Sonnenseite übernehmen und damit die Stadtverwaltung entlasten. Künftig soll die Stadt sich kulturell auf Kernaufgaben wie Ehrungen und Preisverleihungen konzentrieren können, statt in zahllosen Organisationskomitees Einsitz zu nehmen. Diese Aufgabe soll von Grenchen Tourismus wahrgenommen werden.

«Jetzt ist der ideale Zeitpunkt»

Tourismus-Präsident Siegrist ist überzeugt: «Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, um die Geschäftsstelle einzurichten.» Ideen gebe es viele, von Gastronomen und Hoteliers, von privater Seite und aus der Ära der Standortförderung unter Karin Heimann. Damit aus den Ideen zugkräftige Projekte werden, brauche es die Unterstützung eines Tourismusprofis.

Zudem werde die Geschäftsstelle im Kanton dafür sorgen, dass Grenchen mehr Gewicht bekommt. Denn auf kantonaler Ebene werde es bei der Tourismusdachorganisation voraussichtlich ein Ressortsystem geben. Die Voraussetzung ein Ressort samt zugehörigem Beitrag zu übernehmen ist nach Aussage von Siegrist ein Profi, der oder die alle Fäden in der Hand hält.

Start im Frühling vorgesehen

Die Argumente von Grenchen Tourismus haben die Politik überzeugt, das Budget von 31'500 Franken auf 131'500 Franken zu erhöhen. Obwohl überall Sparen angesagt ist, sind Gemeinderatskommission und Gemeinderat der Meinung, dass sich die Investition bezahlt machen wird, in steigenden Übernachtungszahlen und mehr Aufträgen für das städtische Gewerbe.

Stimmt die Gemeindeversammlung zu, wird die Teilzeitstelle für eine Tourismusfachperson mit Berufserfahrung noch dieses Jahr ausgeschrieben. Im März oder April soll die Geschäftsstelle eröffnet werden. Ihr Domizil steht noch nicht fest. Geprüft würden mehrere Standorte, das BGU-Büro, aber auch die Co-Working-Space. Im Hôtel de Ville dürfte der Platz fehlen.

Der Vorstand von Grenchen Tourismus will seine Arbeit im bisherigen Rahmen fortsetzen. «Wir werden die Hände nicht in den Schoss legen, sondern mit frischer Motivation dem Tourismus in Grenchen zum Durchbruch verhelfen», versichert Siegrist.

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