Fusion

In Grenchen liegt zumindest eine Kicker-Hochzeit drin

Bald die neue Heimat für (fast) alle Grenchner Fussballer? Das markante Stadion Brühl in der Sportzone.

Bald die neue Heimat für (fast) alle Grenchner Fussballer? Das markante Stadion Brühl in der Sportzone.

Bei Wacker und dem FC Grenchen stehen die Zeichen eindeutig auf Fusion. Das wird nach der Informationsveranstaltung zur Fusion klar. Somit könnte zumindest ein Teil der Grenchner Fussballclubs fusionieren.

«Macht den Schritt und habt den Mut» – mit diesen eindringlichen Worten beendete Stadtpräsident Francois Scheidegger sein beherztes Plädoyer im Rahmen der Infoveranstaltung Fusion zwischen dem FC und Wacker Grenchen im Stadion Brühl. Und siehe da: Am Ende waren sich die Vertreter beider Vereine – rund 80 an der Zahl – völlig einig: Die Konsultativ-Abstimmung endete mit einem einstimmigen Ergebnis zugunsten eines Zusammenschlusses. «Ich bin sehr froh über dieses Ergebnis», sagt David Baumgartner.

Der Finanzchef der Stadt stellte sich als Interimspräsident des «neuen» Fusionsvereins zur Verfügung, sofern ein solcher zustande kommt. Es zeige, so Baumgartner, «dass die Bemühungen und vielen Gespräche der letzten Wochen und Monate zwischen der Stadt und den involvierten Vereinen nicht umsonst gewesen seien. «Ich hoffe nur, dass die, die Ja gestimmt haben das auch an den nun folgenden ausserordentlichen GV ihres Vereins tun werden.» Diese GV’s werden im Verlauf der nächsten zwei Wochen nun bei Wacker, dem FCG und Fulgor Grenchen folgen.

Rücken- oder Gegenwind

Es sieht also ganz danach aus, dass das, was 80 Jahre – als erste Fusionsgespräche stattfanden - nicht geklappt hat nun innert Kürze, dank couragiertem Eingreifen der Stadt, zumindest teilweise klappt. Ein sinnvolles, wirtschaftliches, sportliches und gesellschaftliches Einhergehen auf dem Fussballplatz Grenchen. Zumindest was Wacker und den FC Grenchen betrifft stehen die Zeichen im Namen FC Grenchen auf Hochzeit. Ital hat sich früh ausgeklinkt, bei Fulgor sind die Gemüter gespalten, eine Tendenz hinsichtlich der entscheiden GV, an der eine Dreiviertelsmehrheit nötig ist, darum schwer auszumachen.

Fakt indes ist, und das kam an besagter Infoveranstaltung einmal mehr deutlich zum Ausdruck: Die Grenchner Fussballer haben jetzt die Chance, sich mit dem Rücken oder dem Gesicht voran in den Windkanal zu stellen. Eine Wahl zwischen steifer Brise und Rückenwind quasi. «Wir arbeiten lieber mit einem Partner, der auch mit uns zusammenarbeitet», hatte Scheidegger schon bei früherer Gelegenheit gesagt. Rund 500 000 Franken investiert die Stadt jährlich indirekt in die zur Verfügung Stellung der fussballerischen Infrastruktur und deren Unterhalt. «Und es wäre schade», so Wacker Ehrenpräsident Christian Schlup «wenn wir plötzlich Zustände hätten wie in Solothurn und viel Geld dafür zahlen müssten, um diese Infrastruktur so zu nutzen.» Er sei allenfalls sogar bereit auf das Thema Kunstrasen zurückzukommen, so der Stapi, sofern diese Sache jetzt trotz Zeitdruck gelinge. Andernfalls ist in dieser und wohl auch anderer Sachen künftig wenig Goodwill mehr seitens der Behörden zu erwarten.

Der FC Solothurn hilft

Eine Fusion macht in dem Fall so oder so Sinn, selbst wenn auch in dem Fall ein Stück Geschichte auf der Strecke bleibt – und sei es allein der Name des einen oder anderen Partners: Ein starkes Argument für ein Einhergehen und damit den Erhalt des FC Grenchen in der 2. Liga Inter ist die Bereitschaft des FC Solothurn, nächste Saison mit dem Nachbarn zusammenzuarbeiten. So haben sich die Hauptstädter, die über einen ausgezeichneten Nachwuchs verfügen, bereit erklärt, den neuen FC Grenchen – der alte stünde Ende Saison ohne Geld, Spieler und Vorstand vor dem Ruin - in der kommenden Saison mit jungen, talentierten Spielern zu alimentieren. Spieler für die die 1. Liga noch zu hoch wäre, die aber dennoch an höhere Aufgaben herangeführt werden sollen. «Ein Win-Win-Situation für alle», wie Schlup sagt.

Mit einem neuen Trainer mit Bezug zur Region, einem der auch dem FC Solothurn passt, steht man offenbar kurz vor einer Einigung. Und was die Restschuld betrifft, die der «alte» FC Grenchen Ende Saison vermutlich noch ausweisen würde, so braucht sich niemand zu sorgen. «Der FC Grenchen wird schuldenfrei in eine allfällige Fusion gehen– das ist überhaupt Voraussetzung für diesem Schritt», sagt Baumgartner. Derzeit steht der FCG mit 40 000 Franken in der Kreide – bis Ende Saison ist die aktuelle Geschäftsleitung zuversichtlich, dieser Betrag noch um einiges reduzieren zu können. Und für den Rest «da finden wir bestimmt eine Lösung – so oder so oder so», so Baumgartner. Der Ball liegt jetzt also Grenchens Fussballern.

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