Im Garten stehen ein selbst gebautes Baumhaus und ein Trampolin. Die Finnland- und die Schweizer Flagge flattern im Wind. Arja Hagmann-Paakkolanvaara und ihr Mann Herbert Hagmann wohnen im gleichen Haus wie die Familie der Tochter. Den Enkeln bereitet Arja Hagmann auf regelmässigen Wunsch zum Zvieri den beliebten Haferbrei zu – eine «schöne, weiche Puuro», eine Spezialität Finnlands. Rentiercreme und ein Lakkadessert – gelbe Sumpfbeeren vom Polarkreis – kocht sie, wenn Freunde zu Besuch kommen.

Bereits bevor Hagmann nach Grenchen kam, hatte sie einen Bezug zur Schweiz. So verbrachte sie einmal ihre Ferien in Zürich und arbeitete ein Jahr lang als Au-pair in der Schweiz. «Als ich als Au-pair mit dem Zug in die Schweiz reiste, fielen mir sofort die schönen Alpen auf, auch die Kirchenglocken haben etwas in mir tief berührt», erinnert sie sich zurück. Auch war sie Zentralvorstandsmitglied des Vereins Schweizerfreunde in Finnland, der Fondue- und Raclette-Abende und andere schweizerische Anlässe organisierte, so auch eine 1.-AugustFeier.

100 Kilometer vom Polarkreis

Hagmann ist in Nordfinnland, an der Grenze zu Schweden mit ihren drei Geschwistern in Lautiosaari bei Kemi aufgewachsen. «100 Kilometer vom Polarkreis entfernt», erzählt sie. Ihr Vater starb, als sie fünfzehn war, eine Schwester ist inzwischen auch verstorben. Die Mutter war Hausfrau, der Vater Busfahrer. Im Winter ist es in dieser Gegend sehr kalt. «Minus 25 Grad war der Durchschnittswert, es hat immer sehr viel Schnee.» Es ist keine Seltenheit in Finnland: im Winter minus 30 Grad und im Sommer plus 30 Grad.

Im Gymnasium, wo sie auch Deutsch lernte, verbrachte sie vor dem Abitur zwei Jahre in Bayern in einem Restaurantbetrieb, um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. «Zurück in Finnland besuchte ich nach dem Abitur die Handelsschule und studierte Tourismus sowie Marketing. 20 Jahre habe ich dann in Helsinki gewohnt und in einem Hotel als Kellnerin, als Konferenzmanagerin sowie als Hotel- und Verkaufssekretärin am Empfang gearbeitet.» Und dann lernte sie völlig unerwartet ihren Mann Herbert kennen, der sich sehr für Finnland interessierte und an einem militärischen Anlass in Finnland teilnahm, wo sie als deutschsprachiges Vorstandsmitglied der Schweizerfreunde in Finnland anwesend war. Die beiden verliebten sich bei einem zweiten Treffen ineinander. Ihre Liebe bewog Arja Hagmann dazu, ihre Anstellung nach dem einjährigen Sabbaticalaufenthalt zu künden und 2005 in die Schweiz zu ziehen.

Am schwierigsten sei gewesen, Mundart zu verstehen; soziale Kontakte habe sie durch ihren Ehemann rasch schliessen können. Und anfangs hätte sie sich keine Arbeit suchen dürfen. Als sie von den Behörden grünes Licht bekam, habe sie ohne Glück Bewerbungen verschickt. «Vermutlich waren es mein Alter und mein langer finnischer Nachname.» Sie habe dann relativ spontan entschieden, einfach bei der ETA im Restaurant vorbeizugehen und persönlich zu fragen, ob sie eine Arbeitskraft benötigen. Die Antwort war positiv. Sechs Jahre arbeitete sie dort. Dazu konnte sie beim Bankettservice im Restaurant Parktheater anfangen. Bis zu ihrer Pensionierung im letzten Jahr war sie dort voller Freude tätig. Hagmann betätigt sich auch aktiv in Vereinen, so ist sie Vorstandsmitglied bei Granges Mélanges und Vorstandsmitglied der Schweizerischen Vereinigung der Freunde Finnlands. Dazu ist sie seit 10 Jahren Mitglied im Grenchner Turnverein.

Helle Nächte und Lebendigkeit

Nach Finnland reist sie regelmässig, jedoch nicht jedes Jahr. Am meisten vermisse sie Familie und Freunde. «Und die hellen Nächte. Das ist eine wunderschöne Zeit in Finnland. Deswegen pflücken wir dort auch die süssesten Erdbeeren», erklärt sie augenzwinkernd.
Die Finnen selbst beschreibt sie als zurückhaltend, schüchtern und freundlich. «Aber wenn sie dann ihre Gefühle ausdrücken oder etwas kritisieren, meinen sie es ernst.» In Finnland gebe es verschiedene Volksgruppen. Ein Merkmal der Menschen in der Karelien-Gegend sei, dass es sehr gesprächig zu und her gehe. An der Westküste seien die Menschen viel ruhiger.

Was sie an der Mentalität der Schweizer schätzt, ist der höfliche, respektvolle Umgang. Grenchen erinnere sie an ihren Geburtsort. «Es ist sehr ruhig im Vergleich zu einer grösseren Stadt.» Gerade ihr Wunsch nach dem Lebendigen habe sie damals dazu bewogen, sich in Helsinki niederzulassen. Den Schweizer Pass habe sie nicht. «Wenn ich jünger gewesen wäre bei meinem Herzug und noch arbeiten würde, hätte ich es mir überlegt. Im Moment ist es mir aber nicht so wichtig.» Für sie sei es immer ein Anliegen, im Hier und Jetzt zu leben. «Seit 13 Jahren lebe ich hier in Grenchen und geniesse die Ehe. Auch das Leben in dieser Stadt geniesse ich voll und ganz.»