Batterien für Hörgeräte? Antike steinerne Brunnentroge? Melkfett? Wie kommt es, dass solche Artikel an einer Liquidation von Armeematerial angeboten werden? Beim Rundgang durch die Seelandhalle in Lyss, wo derzeit die 100. Grossliquidation von Armeematerial in der Schweiz im Gang ist, sind noch viele weitere armeefremde Artikel zu finden.

Das macht aber offenbar nichts, das Interesse ist nach wie vor gross. Fritz Dick, der die Veranstaltung mit seiner Firma Dicks-Armyshop GmbH mit Sitz in Lyss durchführt, rechnet auch dieses Mal rund 30 000 Personen. «Praktisch keiner geht ohne etwas nach Hause»; sagt Dick. Das dürfte auch bei den weiteren Liquidationen so sein, die dieses Jahr in Cazis, Brunegg und Genf folgen werden.

Erster Anlauf schlug fehl

«Ja, rund ein Drittel des Angebots hat nichts direkt mit der Armee zu tun», bestätigt Fitz Dick. «Der Grund ist ein einfacher: Die Armee respektive deren Ausrüstung ist nicht mehr dieselbe wie damals, als ich anfing.» Der heute 62-Jährige hatte als Exportleiter bei Von Roll in Oensingen und bei Biella-Neher in Biel Erfahrungen im internationalen Handel gesammelt, machte sich 1988 selbstständig und versuchte unter anderem ausgediente, einfache Werkzeuge der Schweizer Armee – Handsägen zum Beispiel - in Entwicklungsländer zu exportieren. «Dort wollte man aber moderne Werkzeuge», sagt Dick «also bot ich die Sägen, Äxte und anderes mehr bei einem Treffen für Oldtimer Traktoren an – und siehe da, es lief.»

Dick ersteigerte an Auktionen ganze Eisenbahnwagen voll mit Material wie Schlafsäcke, Taschen, Kleider und Geräte, das die Armee ausmusterte, jedoch nichts, das unter das Waffengesetz fallen würde. Die ersten Liquidationsveranstaltungen führte er im elterlichen Bauernhaus in Ammerzwil BE durch. «Für mich war klar, dass ich die Ware selbst vermarkten wollte, nur so bleibt sie preiswert.» Das Geschäft wuchs, der Materialanfall ebenso, vor allem bedingt durch die Armeereformen mit Reduktion der Truppenstärke und der Auflösung von Materiallagern.

«Es wurde mit der Zeit voraussehbar, dass der Materialfluss abflauen würde», berichtet Dick, «darum kaufte ich Bestände von ausländischen Armeen, mittlerweile von deren zwölf.» Das alleine reichte dem Händler aber nicht. Er ortete eine grosse Beliebtheit bei Outdoor-Produkten und kaufte entweder entsprechende Posten ein oder liess Produkte anfertigen, die das Sortiment ergänzen. «Die Pfadi zum Beispiel hat sich für die Lager auf Armee-Zeltblachen ausgerichtet. Die sind ausgegangen und darum liess ich neue herstellen, die kompatibel sind.»

Manchmal staunt Dick

Bleibt noch die Frage, wie Batterien für Hörgeräte oder Brunnentroge ins Sortiment kommen. «Die Troge habe ich in Rumänien entdeckt und fand, die passen zum Begriff Outdoor», erklärt Dick. «Die Batterien für Hörgeräte kauften wir zusammen mit solchen für die Taschenlampen mit ein, weil sie dermassen günstig waren.» Und manchmal müsse er halt mit einem ersteigerten Posten auch Waren mit übernehmen, die er eigentlich nicht wollte. «Oft staune ich dann, dass sie trotzdem gekauft werden.»

Wie sieht Fritz Dick die Zukunft der Grossliquidationen mit Blick auf das schwindende Armeematerial? «Noch haben wir gut 6000 Paletten mit Material in Reserve», antwortet er. «So lange bei den Liquidationsveranstaltungen der Stallgeruch der Armee da ist, so kommen die Leute.» Doch Fritz Dick sieht sich vor und erschliesst als Import- und Exportberater neue Felder, so bei der Beschaffung, Ausstattung und Logistik von Wohncontainern für Flüchtlinge.

Liquidation von Armeematerial und Outdoormesse, Seelandhalle Lyss, noch bis und mit Montag, 15. Mai, offen ab 10 Uhr.