Grenchen

«Im Konzert spielt das Alter keine Rolle» – Aline Wyss ist die jüngste Musikerin des Stadtorchesters

Aline Wyss anlässlich einer Probe des Stadtorchesters Grenchen für die Konzerte am Samstag und Sonntag.

Aline Wyss anlässlich einer Probe des Stadtorchesters Grenchen für die Konzerte am Samstag und Sonntag.

Die 17-jährige Violinistin Aline Wyss ist die jüngste Musikerin des Stadtorchesters Grenchen. Momentan steckt sie mitten in den Endproben für das Herbstkonzert am kommenden Wochenende im Parktheater.

Aline Wyss besucht die Kanti in Solothurn im dritten Jahr. In ihrer Freizeit hat sie eine Hauptbeschäftigung – ihre Violine. Seit zwei Jahren ist sie Mitglied des Stadtorchesters Grenchen und spielt dort die erste Geige. Als jüngstes Mitglied des Ensembles ist sie ebenso wie ihre Mitmusikerinnen und -musiker seit Monaten am Proben für das Jahreskonzert des Stadtorchesters, das dieses Wochenende am Samstag und Sonntag im Parktheater über die Bühne geht (siehe Kasten).

Vor 12 Jahren mit dem Geigenspiel begonnen

Im Alter von fünf Jahren begann Aline Wyss mit Geigenunterricht. Dem anspruchsvollen Instrument ist sie bis heute treu geblieben, wenn sie auch zwischendurch gerne Ukulele spielt. Musik ist allerdings nicht ihr einziges Hobby, wie sie sagt. Sie ist ausserdem auch aktives Mitglied des Turnvereins Lengnau in der Gymnastikabteilung. Erst kürzlich führte der Turnverein seine alljährliche Abendunterhaltung mit Show auf der Bühne durch, mit dabei auch Aline Wyss.

Wie gesagt ist Aline die jüngste Musikerin im Stadtorchester. Der Altersunterschied zu den älteren Mitmusikern stört sie überhaupt nicht – immerhin ist das älteste Orchestermitglied schon über 80 Jahre alt. «Man merkt höchstens in den Pausen, dass da ein Altersunterschied besteht. Beim Spielen und im Konzert hingegen spielt das Alter keine Rolle», sagt sie. Im Gegenteil: Die erfahreneren Musikerinnen und Musiker hätten die Fingersätze viel schneller drauf, als die Jungen.

Sie war auch nicht immer die Jüngste, wie sie sagt: «Vor zwei Jahren wurden zusammen mit mir auch andere Musikerinnen und Musiker in meinem Alter aus dem Jugendensemble ins Orchester integriert. Aber die meisten setzen aufgrund schulischer oder beruflicher Belastung eine Zeit lang aus.» Also wird sie vorübergehend das «Küken» des Orchesters bleiben – wobei: Als erste Geige spielt sie eine doch wichtige Rolle im Orchester.

Für Aline Wyss ist das Herbstkonzert von nächstem Wochenende nicht das erste Konzert mit dem Stadtorchester. Sie spielte schon am Frühlingskonzert, diversen Kirchenkonzerten und nicht zuletzt auch letztes Jahr am Jahreskonzert mit dem Schattentheater, bei dem Schülerinnen und Schülern der Schulen Grenchen mitgewirkt hatten.

Anspruchsvolles Programm fürs Konzert

Der musikalische Stoff für das diesjährige Herbstkonzert sei recht anspruchsvoll, sagt die junge Musikerin. Die Suite von Bolling, aber auch die Zirkusmusik. «Wir haben mit den Proben nach der Sommerpause begonnen, jeden Dienstag wird geprobt», so Aline Wyss. Zu Hause investiert sie täglich nochmals eineinhalb bis zwei Stunden in die Violine – also rund 10 Stunden pro Woche – mehr als sonst üblich übers Jahr gesehen.

Bei einem so grossen Engagement stellt sich unweigerlich die Frage, ob sie eine Karriere als Berufsmusikerin ins Auge fasst. «Das habe ich mir tatsächlich auch schon überlegt. Ich spiele sehr gerne Geige, aber nicht den ganzen Tag», meint sie schmunzelnd. Spezielle Vorlieben für bestimmte Komponisten hege sie keine. Sie habe auch keine eigentlichen Vorbilder, wie die deutsche Geigerin Anne Sophie Mutter oder den Briten Nigel Kennedy, der mit seiner modernen Interpretation von klassischen Stücken seit Jahrzehnten für Aufsehen sorgt. «Ich mag diese Art, klassische Musik zu interpretieren, sowieso nicht besonders. Klassik ist auch schon so schwierig genug.» Wobei, technisch gesehen sei das natürlich äusserst anspruchsvoll und hervorragend, was diese professionellen Musiker böten, sagt Aline Wyss. Sie interessiere sich aber nicht nur für Klassik: «Als ich in der 8. Klasse war, habe ich die irische Musik entdeckt und sehr viele irische Stücke geübt. Die sind recht schwierig, weil sie auch sehr schnell sind.» Aline kann sich auch für andere Musikrichtungen begeistern, wie für Pop, Techno und alles, was im Radio, beispielsweise auf SRF3, zu hören ist.

Eine Profikarriere als Berufsmusikerin zieht die talentierte junge Musikerin also weniger in Betracht. «Ich habe da andere Pläne: Mich interessiert alles, was in Richtung Medizin geht. Veterinärmedizin, das wäre vielleicht etwas für mich», sagt die junge Gymnasiastin. Sie habe selber auch Haustiere – zwei Katzen. Und wie reagieren diese aufs Geigenspiel? «Gar nicht gut! Wenn ich meine Geige auspacke, oder meine Schwester oder meine Mutter ihre Instrumente hervornehmen – beide spielen Flöte – dann verreisen die Katzen auf der Stelle und verziehen sich auf den Balkon. Das mögen sie gar nicht!» Der Ausdruck «Katzenmusik» wird somit klar widerlegt.

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