Grosser Erfolg für die Schopfbühne Grenchen am ersten Volkstheaterfestival in Meiringen. Sie begeisterte mit ihrem Stück «Holzers Peepshow» die Zuschauenden und die Jury. Pia Schild wurde für ihre Rolle als Mutter Martha gar als beste Hauptdarstellerin geehrt. Ihren Erfolg erklärt sie sich so: «Es braucht zuerst einmal Empathie, Einfühlungsvermögen. Ich liebe die Mutter Holzer. Jede meiner Tränen war echt. Wichtig ist, dass man die Emotionen nicht spielt, nicht Gefühle vorgaukelt. Man muss die Gefühle haben. Ich bin die gespielte Person und versuche nicht, dem Publikum lediglich zu zeigen, dass ich die Person bin.»

Dass sie die Auszeichnung erspielen konnte, sei aber vor allem das Verdienst des Ensembles: «Man kann selber nur brillieren, wenn man von den anderen mitgetragen wird. Die Atmosphäre auf der Bühne, das Zusammenspiel muss stimmen, damit man selber überzeugend agieren kann.» Schon die Einladung nach Meiringen darf als ehrenhaft bezeichnet werden, denn aus 35 Bewerbern schafften es letztlich deren acht an den Grossanlass. Gespielt wurde vor ausverkauftem Haus in einer umgebauten Tramhalle mit 300 Zuschauenden. Zum Schluss gab es lang anhaltende Standing Ovations. Pia Schild genoss die fünf Tage im Berner Oberland, die Workshops, das Miteinander, die Gastfreundschaft der Einheimischen, die Grosszügigkeit der Festivalverantwortlichen. «Das Volkstheaterfestival ist wie ein Viagra für die Theaterleidenschaft», bilanzierte sie in ihrer Dankesrede.

Eingespielte Equipe erntet den Erfolg

Gleich 16 Mitglieder der Schopfbühne waren nach Meiringen gereist. Schliesslich galt es, das Bühnenbild in Grenchen ab- und im Oberland wieder aufzubauen. «Auf die vertraute Equipe zählen zu können, war enorm wichtig», betont Pia Schild. Ein Dankeschön spricht sie auch der Stadt aus, die das Abenteuer Meiringen finanziell unterstützt und zusammen mit privaten Sponsoren ermöglicht hat.

Beeindruckend gestaltete sich auch der Aufmarsch der Prominenz am Festival. Der Berner Grossratspräsident Hannes Zaugg-Graf machte seine Aufwartung, ebenso Regierungspräsident Christoph Ammann und alt Bundesrat Dölf Ogi. Erlesen die Jury mit Schauspieler Beat Schlatter, weiteren Theater-Fachpersonen und sozusagen als Vertreter des einfachen Volkes, der interessierten Laien, Skilegende Mike von Grünigen.

Seit über 20 Jahren bei der Schopfbühne

Pia Schild kam vor gut 20 Jahren zur Schopfbühne: «Ich dachte einfach, ich möchte das einmal machen.» Diese Zeit sei wie eine Schauspielschule gewesen und sei es immer noch. Sie habe von den verschiedenen Regisseuren profitiert, wenn es manchmal auch nur um Details gegangen sei. Was macht denn eine gute Schauspielerin aus? «Man muss vor allem neugierig sein, auf die Menschen, ihre Regungen, ihre Eigenarten. Wenn man die Menschen liebt, kann man sich auch in ihre Lage versetzen, sich emotional offen zeigen.»

Lieber ernste Rollen als Komödien

Interessanterweise gelte sie als Komödiantin, dabei spiele sie eigentlich lieber Charakterrollen. In «Holzers Peepshow», einer Tragikomödie, konnte sie auf wunderbare Weise beweisen, wie man die verschiedenen Genres zu einem gelungenen Ganzen zusammensetzt. Pia Schild wird der Schopfbühne treu bleiben, auch wenn sie offen für andere Engagements, eventuell auch einmal auf einer grösseren Bühne ist. Die Claire Zachanassian in Dürrenmatts «Besuch der alten Dame» oder die Dolores Claiborn in Stephen Kings gleichnamigem Stück würden sie als Rollen besonders reizen.