Eingebettet zwischen dem Büttenberg und der Alten Aare liegt das Seeländer Dorf Meinisberg . Die historischen Dorfführungen von Konrad Kunz, eine Ausstellung mit alten Dokumenten sowie einem Film über « Meinisberg heute» von Hermann Stettler zählen zu den Höhepunkten im Programm des Jubiläumsfestes «700 Jahre Meinisberg ». Das Besondere an der historischen Führung am Samstag waren die auflockernden szenischen Zwischenspiele, die beim interessierten Publikum sehr gut ankamen.

Rebstock im Gemeindewappen

Warum zeigt das Gemeindewappen von Meinisberg einen Rebstock, mag sich mancher Besucher am Jubiläumsfest gefragt haben, sind doch weit und breit keine Reben mehr sichtbar. «Aus einem Schriftstück von 1596 ist zu entnehmen», so Konrad Kunz beim historischen Rundgang, «dass der Rebbau in Meinisberg eine bedeutsame Rolle spielte.

Auf dem Südhang des Büttenberg erstreckte sich einst ein ausgedehntes Rebgebiet, das aber laut einem Dorfplan von 1813 offenbar reduziert wurde. Rebkrankheiten und verschlechterte klimatischen Bedingungen mit oft zu kalten Sommern brachten das Aus.

Brände verwüsten das Dorf

Noch mehr Wissenswertes gab es während der historischen Dorfführung zu erfahren. «Erstmals urkundlich als Meinhartsperg erwähnt», äussert sich Konrad Kunz, «gehörte der Ort zur Grafschaft Neuenburg-Nidau. 1282 wurden Meinisberg , Pieterlen und Reiben an den Bischof von Basel verkauft. Rund 500 Jahre dauerte die Zugehörigkeit zum Bistum Basel im Kirchenspiel Pieterlen. Zwei verheerende Brände», erklärte Konrad Kunz, «1733 und 1754 trafen das Dorf hart. Erst 1806 gabs Brandversicherungen.»

Meinisberg wird französisch
Ende Januar 1798 begann der Aufmarsch der 20000 französischen Soldaten zum Angriff gegen Bern. Mit der Einverleibung der ehemaligen Bischofsgebiete zur Grande Nation erhielt Meinisberg den französischen Namen Monteménil Arrondissement de Delémont, Departement du Haut Rhin.

Von den Franzosen erhielt das Dorf 1802 den ersten Dorfplan, der auch in der von Konrad Kunz gestalteten Ausstellung nebst anderen Dokumenten über Meinisberg zu sehenist. Ebenfalls erhielt Meinisberg 1813 einen Katasterplan, indem exakt jedes Haus und Parzelle eingezeichnet war.

Drei Regierungen in 20 Jahren
Anlässlich des Wiener Kongresses wurde Meinisberg einem dritten Regierungssystem unterstellt, nämlich dem der Stadt und Republik Bern, und der Ort wurde dem oberen Bürenamt zugeschlagen. «Seit 1816 sind wir nun Berner», erklärte Konrad Kunz.

«Die neue liberale bernische Verfassung brachte nicht nur Neuerungen, sondern auch Vorschriften für eine Volksschulbildung. Bis 1831 gingen die Kinder nur im Winter zur Schule, und für den Bau des neuen Schulhauses brauchte die Gemeinde, weil die Kasse leer war, 15 Jahre (1834-1849).»

Altes Handwerk

Auf dem historischen Rundgang zeigte Konrad Kunz auch alte Handwerke wie den Korber und den Lismer. «Vor 200 Jahren war Lismen eine Männerarbeit», schmunzelte Kunz. Beim westlichen Dorfausgang zeigte er ein altes Bauernhaus, das fast 300 Jahr eine Mühle war, die bis zur Stilllegung 1981 ihren Zweck erfüllte. Die letzte Station führte zum Bahnhof Büren. «Das Unternehmen Biel- Meinisberg muss unter keinem guten Stern gestanden sein.

Zwar erzählt man heute noch vom Graswurm und Orangenen Pfeil, doch das ist Geschichte. Heute verbindet der Trolleybus die Orpund, Safnern und Meinisberg . Durch den Bau den Nidau-Büren-Kanals ist die abgeschnittene Aareschleife zum stillen Wasser geworden, und hat dem Dorf die Bedrohung von Überschwemmungen genommen. Das Häftli ist heute als Naturschutzgebiet ein Begriff.» schloss Kunz seine Führung.